Wenn die Idylle zur Falle wird.
Daniel hat gerade sein Abi in der Tasche, das Studium beginnt, aber irgendwie fühlt sich alles leer an. Alle reden vom „großen, wilden Leben“, aber er hat eher das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Genau in diesem Moment trifft Daniel auf Steffen. Steffen ist anders. Er wirkt stabil, er ruht in sich. Er und seine Frau Katharina betreiben den „Sonnenhof“ – ein malerischer Bio-Bauernhof, alles wirkt friedlich, wie ein ruhiger Fluss. Endlich hat Daniel das Gefühl, angekommen zu sein. Menschen, die wissen, was sie wollen: Das ist Geborgenheit pur - oder?
Dennoch bekommt die schöne Fassade langsam Risse. Zuerst sind es nur Kleinigkeiten, die Daniels Begeisterung abkühlen lassen: Da ist der aggressive Schwager Holger, der Geflüchtete als „Affen“ beschimpft. Da sind die Kinder, die nicht mit Lego spielen, sondern mit scharfen Waffen Schießübungen machen – angefeuert von den Eltern. Und da sind diese ständigen Sprüche über „Sippe“, „Heimat“ und die „böse EU“. Plötzlich merkt Daniel: Das hier ist keine harmlose Aussteiger-Idylle. Er ist mitten in die Strukturen einer rechtsextremen Gruppierung geraten. Und als er begreift, dass sie einen terroristischen Anschlag planen, ist es fast schon zu spät. Aussteigen ist nicht so einfach, wie man denkt …
Wenn die neuen Freunde zu Monstern werden…
Vielleicht sagen viele von uns: „Mit Nazis will ich nix zu tun haben.“ Das ist leicht zu sagen. Aber was ist, wenn es deine Freunde sind? Wenn sie dir erst geholfen haben? Der Weg in die Radikalisierung wird erschreckend logisch gezeigt. Es ist auch einfach zu verstehen, warum Daniel erst fasziniert ist. Aber mit ihm müssen wir uns auch die Frage stellen: Ab wann muss ich etwas sagen? Ab wann hätte ich an seiner Stelle den Mund aufgemacht? Daniel entscheidet, sich von seinen neuen Freunden zu distanzieren. Für ihn ist das allerdings nicht nur ein Ausstieg, weil er die Parolen nicht mehr ertragen kann. In seinem Fall geht es um viel mehr. Die Spannung steigt enorm an, als er sich an die Polizei wendet und merkt, dass er niemandem mehr trauen kann. Ist die Polizei vielleicht sogar selbst unterwandert? Dieses Misstrauen zieht sich wie ein roter Faden durch die Story.
Da hakt es ein bisschen…
Ein paar Punkte fühlen sich leider etwas „reinkonstruiert“ an. Es gibt eine Liebesgeschichte mit Daniels Mitbewohnerin Lu, die für die Handlung eigentlich total egal ist – es wirkt, als musste die Autorin unbedingt noch ein bisschen Romantik einbauen. Auch der Kumpel Sammy aus Florida ist ein seltsamer Charakter: ein Drogen-Chaot mit Alligator, der zwischendurch rassistische Sprüche klopft. Das war mir ein bisschen zu viel gewolltes Chaos.
Fazit
Cornelia Franz zeigt, wie modern und „nett“ Hass heute daherkommen kann. Was würdest du tun, wenn die warme „Freundschafts-Decke“ plötzlich weggerissen wird? Wie würdest du dich entscheiden, wenn es tatsächlich gefährlich wird? Kannst du 'Nein' sagen, wenn neue Freunde plötzlich ihr wahres Gesicht zeigen?



Deine Meinung zu »Scheinland«
Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer und respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Bitte Spoiler zum Inhalt vermeiden oder zumindest als solche deutlich in Deinem Kommentar kennzeichnen. Vielen Dank!