Eine Neuerscheinung unter vielen.
Weihnachtlich-romantische Kurzgeschichtenbände gibt es im Jugendbuchregal mittlerweile eine ganze Menge. Der Trend hält, bedingt durch die Beliebtheit des New-/Young-Adult-Genres, zuverlässig an. „Sparkling Nights“ sticht an dieser Stelle insofern ein bisschen heraus, da es sich um Romantasy-Kurzgeschichten handelt. Gar keine leichte Aufgabe, auf jeweils knapp 100 Seiten ein kleines Fantasy-Universum zu erschaffen, für Schmetterlinge im Bauch zu sorgen und dabei noch Schneeflocken-Feeling zu erzeugen. Mit Kira Licht, Asuka Lionera, Magdalena Gammel, Regina Meissner und Fam Schaper sind bekannte Autorinnen an Bord. Mal sehen, was dabei herausgekommen ist ...
Den Start machen gleich zwei Vampire: Asher und Elouise („Lou“). Wobei man sich in diesem Fall fragt, ob Kira Licht nicht besser bei Romance ohne Fantasy geblieben wäre. Für die Handlung selbst spielt es nämlich keine wirkliche Rolle, ob die beiden Vampire sind oder nicht. Ihre Themen sind durch und durch menschlicher Natur: Wahl des Studiums, Zukunftssorgen, Schuldgefühle aus der Vergangenheit. Der Einstieg verfolgt ein bekanntes Schema: Asher und Lou haben eine Dating-Vorgeschichte, aber aus unerklärlichen Gründen (die Aufklärung ist letztlich dermaßen unglaubwürdig) hat Ersterer seine Angebetete damals für den Abschlussball versetzt. Nun möchte Asher Lou wieder von sich überzeugen und fordert sie zu einer Wette heraus. Einmal genießen sie eine Blutkonserve und blecken dabei die Fangzähne, was sexuell anziehend sein soll. Die Szene außer Acht gelassen, vergisst man zwischendurch schlichtweg den Fantasy-Aspekt.
Überzeugender ist dagegen die zweite Kurzgeschichte „Under the frozen Moonlight“ von Asuka Lionera. Die Fairy Odessa arbeitet bei „Magical Mates“, einer Agentur, die sich für Partnerschaften außerhalb der eigenen Wesensart einsetzt. Vampire, Wandler, Satyre, Lizards, Fae - sie alle haben immer innerhalb ihrer Art die Liebe gesucht. Odessa ist davon überzeugt, dass die Welt offener sein sollte und auch untereinander Seelenpartnerschaften bestehen können. Im Rahmen von Events, die beispielsweise Speed-Dating beinhalten, verbreitet „Magical Mates“ diese Botschaft. Als sich Odessas nächste Location jedoch als einsame Holzhütte in einer allzu stürmischen Winterlandschaft mit einem griesgrämigen Wandler als Klienten entpuppt, würde sie am liebsten direkt wieder abhauen. Der leider sehr gutaussehende, unfreundliche Viktor hat keinerlei Sinn für Romantik, und das Wetter der kommenden Tage verspricht keine einfache Anreise für die Gäste. Eigentlich lässt sich beim Lesen dieser Zeilen schon vermuten, was auf diesen 100 Seiten geschehen wird. Die Story ist vorhersehbar und gegen Ende durchaus rasant mit Punktabzug für allzu schnelle Entwicklungen. Im Vergleich zur vorherigen Vampirstory fühlt man jedoch zum ersten Mal die leichten cozy, winterlichen Vibes.
Fans werden sich vielleicht über ein Comeback freuen
Fans der Romantasy-Dilogie „Juniper Moon“ von Magdalena Gammel erwartet in dieser Geschichtensammlung ein kleines weihnachtliches Sequel. Die Hexe June und der Teufel Azazel erleben ein Comeback, gespickt mit Romantik, Humor und ein bisschen Spannung. Keine Sorge, es gibt zahlreiche Erklärungen und Hintergründe zur Vorgeschichte, sodass man die Reihe nicht unbedingt gelesen haben muss, um diese Short Story zu verstehen. Zugegeben, die Tatsache, dass Hexen und Dämonen zusammen Weihnachtskekse backen und dabei „Last Christmas“ singen, ist ein bisschen überzeichnet. Doch die wohlige Stimmung soll ohnehin nicht lange halten, da ein alter „Bekannter“ von June, Asmodäus, plötzlich auftaucht und auf Rache sinnt. Da Friede, Freude, Eierkuchen in den „Sparkling Nights“-Geschichten Programm ist, will ein richtiger Spannungsbogen nicht wirklich aufkommen, aber Fans von „Juniper Moon“ werden sich bestimmt trotzdem über ein Wiedersehen freuen.
Was man dem Gesamtkonzept zugutehalten muss: Es ist vielseitig. So fährt die vierte Geschichte „The Golden Mistletoe“, diesmal geschrieben von Regina Meissner, eine vollkommen andere Schiene und widmet sich dem Thema Zeitreise. Billie lebt mit ihrer Großmutter am Rande Londons. Tagsüber versucht sie als Tourist Guide etwas Geld nebenbei zu verdienen, danach kümmert sie sich um ihre kranke Granny. Doch nachts wartet seit geraumer Zeit etwas vollkommen anderes auf sie: eine Reise ins 19. Jahrhundert. Mit einem magischen Mistelzweig, den sie tatsächlich per Post zugesandt bekommen hat, taucht sie ein in das London von 1812, besucht atemberaubende Bälle und trifft natürlich auf ihre große Liebe. Wobei - kann sie dem begehrtesten Junggesellen der Stadt, Arthur Devonshire, wirklich trauen? Kurz gesagt: Wirklich mitreißen kann die Story nicht. Zu viele Fragen bleiben offen, alles wirkt sehr konstruiert und gewollt. Für eine Kurzgeschichte sind zwei komplett unterschiedliche Handlungsstränge etwas ambitioniert.
Glücklicherweise ist die letzte der insgesamt fünf Short Stories ein kleiner Lichtblick. Fam Schaper widmet sich darin einem New York, in dem mächtige Magiergilden Konkurrenzkämpfe untereinander führen. Evie ist Novizin in Silver Veil, in ihrer Familie jedoch nur eine Ausnahme als Magiebegabte. Silas, ebenfalls Novize, entstammt dagegen einer einflussreichen Magierfamilie. Klassisches Arm-Reich-Gefälle zwischen den Protagonisten, wie wir es in vielen Romance- und Romantasy-Büchern finden. Dennoch schafft es die Handlung trotz ihrer geringen Seitenzahl, einen stabilen Spannungsbogen aufzubauen. Evie und Silas haben schon seit einiger Zeit eine Affäre, können aber nicht so richtig zueinander stehen. Als sie zusammen einen zeitkritischen Auftrag erhalten, der bis Mitternacht erledigt werden muss, tauchen sie nicht nur ab in die dunklen Geheimnisse der New Yorker Gilden, sondern kommen sich dabei auch noch näher. Keine große Überraschung, aber in sich ein stimmiger Plot, der die Schwächen der anderen Kurzgeschichten zumindest ein bisschen aufwiegen kann.
Fazit
Meines Erachtens trifft man mit Einzeltiteln der Autorinnen definitiv eine bessere Wahl. Aber einen Versuch war es wert.



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