All Better Now

übersetzt von Andreas Helweg; Hardcover, 576 Seiten

ISBN: 9783737374538

All Better Now
All Better Now
Wertung wird geladen
Sabine Bongenberg
3101

Jugendbuch-Couch Rezension vonSep 2025

Wer versteht diesen Roman? Ich nicht.

Auf dem Planeten Erde will einfach keine Ruhe einkehren: Kaum wurde das Corona-Virus erfolgreich bekämpft, taucht eine neue Erkrankung auf. Unter dem malerischen Namen "Crown Royal" bringt sie heftige Fieberschübe. Die Sterblichkeitsrate von vier Prozent ist zwar nicht so schlimm wie bei Corona, aber es ist gefährlich genug, um wieder das gute alte Karussell von Isolation, Maskenpflicht und der Suche nach dem Impfstoff mit sich zu bringen. Trotzdem hat diese Krankheit sogar ein Gutes: Wer sie überlebt, der schüttelt seine reine Ich-Bezogenheit ab und kümmert sich in erster Linie um seine Mitmenschen und um den Fortbestand des Planeten. Eine neue Armee von friedlichen, fröhlichen, glücklichen, zugewandten Menschen breitet sich aus. Natürlich kann keiner von den so "Wiedergeborenen" zukünftig etwas mit den alten Konsumgütern anfangen. Klar ist aber auch, dass das deren Herstellern und generell vielen der Reichen und Mächtigen so gar nicht gefällt. Wie schon bei Corona teilt sich die Menschheit in zwei Gruppen. Aber jetzt sind es die vorher Erkrankten, die ein neues Leben führen und auch den Rest der Menschheit zu diesem Glück bewegen wollen. Auf der anderen Seite stehen die Impfforscher, die unbedingt wollen, dass alles so bleibt, wie es ist.

Drei Hauptcharaktere - und ihre Ansichten zur neuen Pandemie

Neal Shusterman hat sich längst einen Namen gemacht. Gemeinsam mit seinem Sohn Jarrod und anderen Autor*innen schrieb er zahlreiche eindrucksvolle Jugendromane. Besonders beeindruckt hat mich sein Werk "Dry", in dem er schildert, wie schnell eine Gesellschaft ins Wanken gerät, wenn plötzlich das Wasser ausbleibt - ein Szenario, das erschreckend realistisch wirkte. Nun hat Shusterman im Alleingang einen neuen Roman veröffentlicht, der erneut ein aktuelles Thema aufgreift: Eine Pandemie. Wir alle erinnern uns noch gut an Corona/Covid-19 und daran, wie sehr wir uns davor fürchteten, uns anzustecken. Shusterman bringt diesmal eine ungewöhnliche Idee ins Spiel: Was wäre, wenn Menschen, die eine neue Krankheit überstanden haben, sich danach besser fühlen als zuvor? Wenn sie plötzlich bereit wären, sich stärker um andere zu kümmern, ihre eigenen Wünsche hintenanzustellen – und alles dafür tun würden, um die Klimakatastrophe doch noch aufzuhalten? Wäre das nicht eine großartige Vorstellung?

Die Grundidee finde ich eigentlich echt spannend – aber bei der Umsetzung hakt es ein bisschen. Tiburón Tigre (auf Deutsch: Tigerhai) Escobedo – kurz Rón – wird mit dem berühmten „goldenen Löffel im Mund“ geboren. Sein Vater ist einer der reichsten Männer der Welt. Die beiden könnten sich locker auf eine einsame Insel zurückziehen und die Krankheit einfach aussitzen. Ganz anders läuft es bei Mariel Mudroch: Ihre Mutter steckt sich mit dem Virus an und wird von der neuen Gesellschaft der „Genesenen“ liebevoll gepflegt – bis sie am Ende doch stirbt. Trotzdem geht es Mariel danach sogar ein Stück besser, denn vorher lebte sie mit ihrer Mutter auf der Straße. Jetzt erlebt sie zum ersten Mal, wie sich Mitgefühl und Solidarität anfühlen. Zu guter Letzt gibt es noch Morgan Willmon. Sie hat sich ihr Leben lang nur über harte Arbeit und Karriere definiert. Doch als die Pandemie zuschlägt, erbt sie plötzlich ein riesiges Vermögen – und setzt natürlich alles daran, es zu behalten.

Verkopft, verquast, verschwurbelt

Shusterman erzählt von diesen dreien und noch von vielen anderen Charakteren und - ehrlich gesagt - ich weiß nicht, was er mit seinem Buch sagen will. Die Genesenen verkaufen die neue Gesellschaft als wunderbare Sache. Ich hatte den Eindruck, dass der Autor das auch so sieht und so wird darüber nachgedacht, "Superspreader" auf die Reise zu schicken, um so den letzten "Gesundheitsapostel" doch noch zu seinem Glück zu zwingen. Was dabei fast untergeht: Rund vier Prozent der Infizierten sterben. In einer Stadt wie Köln, mit ungefähr einer Million Einwohnern, wären das 40.000 Tote – und das wird kaum thematisiert. Zudem missfiel mir an der ganzen Geschichte noch besonders, dass uns Menschen der freie Wille auszeichnet und selbst wenn wir Mist bauen, so ist es doch immer noch unser freier Wille. Mit dem Gedanken einer virenbedingten Gutmenschlichkeit konnte ich mich daher nicht anfreunden.

Ganz besonders schwer tat ich mich aber oft mit der verkopften, verschachtelten Sprache und der viel zu ausführlichen und oft langatmigen Erzählweise. Wenn man bedenkt, dass dieses Jugendbuch für Leser*innen ab 14 Jahre gedacht ist, so würde mich doch interessieren welche/r aus der Zielgruppe damit zurechtkommen kann. Hätte ich das Buch allein zu meinem Vergnügen gelesen, hätte ich es auch nicht beendet. Immerhin - was mir gut gefiel war die Beschreibung, wie schnell es Gruppierungen gelingt, Falschmeldungen zu Themen zu verbreiten, die einerseits nicht nur für Angst und Schrecken sorgen, sondern andererseits auch viele für die egoistischen Ziele derjenigen, die die Meldungen in die Welt setzen, instrumentalisieren.

Fazit

Neal Shusterman präsentiert mit seinem ersten Band "All better now" den Auftakt zu einer Dystopie-Dilogie. Wer es nicht schafft, dieses Wort zehnmal hintereinander fehlerfrei auszusprechen, der muss den zweiten Band lesen.

All Better Now

Ähnliche Bücher:

Deine Meinung zu »All Better Now«

Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer und respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Bitte Spoiler zum Inhalt vermeiden oder zumindest als solche deutlich in Deinem Kommentar kennzeichnen. Vielen Dank!

Letzte Kommentare:
Loading
Loading
Letzte Kommentare:
Loading
Loading

LGBT
in der Jugendliteratur

Alljährlich wird im Juni der Pride Month gefeiert, um die Vielfalt unserer Gesellschaft hervorzuheben. Weltweit erheben Schwule, Lesben, Transgender, Bisexuelle und Menschen anderer sexueller Orientierungen ihre Stimme für Toleranz und stärken so die Gemeinschaft. LGBTQ+ ist schon lange kein Randthema mehr in der Jugendliteratur, sondern ein zentraler Aspekt zahlreicher Neuerscheinungen.

mehr erfahren