Und mir bleibt der hässliche Hund
- Thienemann
- Erschienen: August 2025
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unter Mitwirkung von formlabor; Broschur, 256 Seiten
ISBN: 9783522204019


Wie man wieder auf die Füße kommt – bewegend aber auch lustig
Felix möchte am liebsten gar nicht mehr sein Zimmer verlassen. Eine schreckliche Tragödie hat sein Leben zerrüttet. Aber einfach nur im Bett bleiben, ist dann doch nicht die allerbeste Lösung. Denn auch wenn sein Leben in Scherben liegt, ist da immer noch Bolt, der wohl hässlichste Hund im ganzen Viertel und der braucht seine Hilfe. Bolt muss ab und zu vor die Tür, er muss gefüttert werden und auch er scheint unter dem Schicksalsschlag heftig zu leiden. Mit diesem Ungetier muss Felix sich wieder dem Leben stellen. Einfach ist das nicht. Aber immerhin lernt er doch Menschen kennen, die selber Hartes im Leben erfahren haben oder die ihm einfach helfen wollen. Da ist erst einmal seine Therapeutin Frau Rose, gegenüber der er sich langsam lernt zu öffnen. Da ist der neue Freund Mo, der mit seiner Familie aus Syrien flüchten musste und da ist auch nicht zuletzt und ganz besonders Marie, die ihn durch ihre freundliche Art bezaubert. Mit ihnen und dem besonderen vierfüßigen Freund lernt Felix langsam wieder auf seine Füße zu kommen. Auch wenn das sicher nicht einfach ist.
„Ich glaube, Ihr Hund hat Depressionen“
Franziska Hörner erzählt in ihrem berührenden Roman von Felix, der durch einen schrecklichen Unfall seine Familie verlor. Geblieben ist nur der hässliche Hund Bolt und von dem weiß er nicht einmal viel, gehörte der doch eigentlich seiner Schwester Isabelle. Zu erwarten wäre jetzt ein Roman, der düster und traurig ist. Franziska Hörner ist es dennoch gelungen, eine schöne und lebendige Geschichte zu erzählen. Sie beschreibt zart und einfühlsam, wie Felix, der hier als Ich-Erzähler auftritt, sich langsam dem Leben wieder zuwenden muss. In seiner ganzen Trauer lernt er zu erfahren, dass es Menschen gibt, die sich um ihn kümmern und ihm helfen wollen. Neben den neuen Freunden, die er kennenlernt, sind das auch seine Tante Becca und deren Freund Phil und auch wenn sich seine Tante als Köchin als absolute Katastrohe entpuppt, erfährt der Junge doch hier wieder Vertrauen und Liebe.
Felix und auch sein neuer Kumpel Mo haben aber nicht nur die Verluste aufzuarbeiten, die sie erlitten haben. Neben dieser ganzen Tragik werden beide auch noch von Panikattacken heimgesucht. Mit Maries Hilfe beginnen sie, ihr Leben neu zu ordnen und versuchen, es wieder in die eigenen Hände zu nehmen. Auslöser für die Attacken können dabei ganz unterschiedliche Dinge sein: Der eine fürchtet sich vor der Enge von Aufzügen, der andere erstarrt im Angesicht einer verkehrsreichen Straße. Ob die Strategien, die sich die beiden Jungen für ihre Paniküberwindung ausgedacht haben, tatsächlich gut und hilfreich sind, darüber wird hier kein großes Urteil abgelegt. Mir gefiel aber besonders gut, dass immer wieder die professionelle Einschätzung von Frau Rose zum Tragen kommt und auch zuletzt geschildert wird, dass es manchmal mehr als einer Therapie bedarf, um einem Menschen zurück ins Leben zu helfen. Schön und berührend erzählt fand ich auch die Schuldgefühle Felix‘ zum Umgang mit seiner Schwester und vielleicht bringt das auch einige Leser*innen dazu, sich von ihrem Handy weg und mehr zu den Menschen zu bewegen. Dennoch – auch hier lässt die Autorin ihren Helden irgendwann erkennen, dass sich auch seine Schwester veränderte und die Schuldfrage für eine altersbedingte Entfremdung doch auch bei beiden lag.
Es war ein ganz normaler Tag
Hörner erzählt ihren Roman mit vielen tollen Ideen und sehr viel leisen Humor. Wunderbar ist zum Beispiel die Idee, dass Bolt, der sich manchmal mit dem schnellen Spazierengehen ein bisschen schwertut, lernt auf dem Longboard mitzufahren und damit viele Menschen zum Schmunzeln bringt. Felix lernt als Beobachter auch zu sehen, dass es auch in anderen Familien Konflikte gibt. Auch in Mos Familie ist damit nicht alles nur einfach heil oder schön. Seine Mutter, die in Syrien als Lehrerin tätig war, stellt zum Beispiel hohe Ansprüche an die schulische Entwicklung ihrer Kinder und das bleibt auch nicht ohne Konflikte. Auch die oft so heitere Marie durchlebt Probleme in ihrem Elternhaus und reibt sich an ihrer Mutter. Hier hätte ich mir allerdings manchmal noch etwas mehr Erzählung oder etwas mehr Hintergrund gewünscht.
Sehr schön wird auch erzählt, wie aus dem befreundeten Trio dann auch noch ein besonderes Liebespaar hervorgeht. Felix erlebt mit Marie seine erste zarte, richtige Liebe und muss dabei auch feststellen, dass er nicht der Einzige ist, der einigen Situationen sehr ängstlich oder nervös gegenübertreten muss. Er stellt auch fest, dass es selbst in einer schönen Liebesgeschichte Konflikte gibt, dass es aber durchaus hilfreich ist, diese anzusprechen.
Fazit
Mit einem schrecklichen Schlag steht die Welt plötzlich still. Wie dieser Stillstand und die Lähmung überwunden werden kann erzählt Franziska Hörner einfühlsam bewegend und – man mag es nicht glauben – humorvoll. Ein besonderes Buch mit besonderen, glaubhaften Helden


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