Eine Story unter vielen und ohne neue Akzente
Seit einem Jahr schon lebt Kate auf der Straße. Insbesondere die Nächte sind hart und ohne die regelmäßigen Taschendiebstähle hätte sie nichts zu essen. Als sie an einem Kiosk ein teures Smartphone mitgehen lässt, hätte Kate niemals gedacht, dass dieser Diebstahl ihr Leben verändern wird. Denn dieses Handy gehört keinem Geringeren als Henry Darlington, dem neuen Geschäftsführer des allseits bekannten gleichnamigen Londoner Luxushotels. Das schlechte Gewissen ihrerseits ist eher gering, steht Richard Darlington, Henrys Vater, aufgrund von Missbrauchsvorwürfen doch sehr in der Kritik. Außerdem dürften Geldprobleme für diese Familie wirklich keine Rolle spielen. Kates Meinung gerät jedoch ins Wanken, als sie auf den echten Henry Darlington abseits aller Schlagzeilen trifft…
Henry versucht so gut es geht, die unverzeihlichen Fehltritte seines Vaters vom Hotel fernzuhalten. Doch die reißerischen Schlagzeilen wollen kein Ende nehmen. Die Auslastung des „The Darlington“ sinkt dramatisch und es ist zweifelhaft, ob das Hotel diese Krise überstehen wird. Henry liebt sein Zuhause, doch die übermäßige Arbeit laugt ihn zunehmend aus. Als er auf die obdachlose Kate trifft, treten alle Sorgen und Ängste rund um das Hotel für ihn in den Hintergrund. Bei ihr fühlt er sich geerdet und daran erinnert, wer er eigentlich ist.
„Weil ich nichts hatte. Und er alles. Weil die Leute zu ihm aufschauten, während sie auf mich herabblickten.“
Zwei Welten, eine unmögliche Liebe, Vergangenheitsbewältigung - hat man bereits ein paar New-Adult-Titel gelesen, wird das Handlungskonstrukt des „Darlington“-Auftaktbandes der erfolgreichen Autorin Laura Kneidl keine große Überraschung sein. Von einem reichen Erben, der auf eine unscheinbare Unbekannte aus einfachen Verhältnissen trifft, hat man schon oft gelesen. Die „Maxton Hall“-Reihe von Mona Kasten, welche genau diesem Schema folgt, wurde sogar verfilmt. Meiner Meinung nach werden die Kontraste zwischen Henry und Kate in diesem Fall jedoch zu extrem dargestellt und insgesamt zu wenig aufgearbeitet.
Die ersten Seiten beschreiben nur knapp Kates Leben auf der Straße: Sie schläft im Freien, ist der Außenwelt und deren Gefahren schutzlos ausgeliefert und auf Diebstähle angewiesen. Henry tritt als großer Retter in der Not auf, gibt ihr ein Zimmer sowie einen Job im „The Darlington“ und alles geht ziemlich schnell bergauf. Kate freut sich in einer der ersten Nächte vor allem darauf, im kuscheligen Bett endlich ihre Lieblingsserie von damals weiterzuschauen. Viele Szenen erscheinen unglaubwürdig und konstruiert, das Thema Obdachlosigkeit wird für meine Begriffe nicht sensibel genug behandelt, der Weg von der Straße ins gesellschaftliche Leben geradezu romantisiert.
Viele Themen, aber wenig Tiefgang
Kate wohnt also fortan im „The Darlington“, schließt neue Freundschaften und kommt Henry zwangsläufig näher. Allerdings soll niemand von ihrer Vergangenheit erfahren. Eine verbotene Liebe, die von seinen Eltern niemals gutgeheißen werden würde. Doch natürlich wird die Beziehung nicht dauerhaft geheim bleiben, dafür sorgen schon die sozialen Medien. Kleine Textausschnitte aus Chats, Posts und Klatschmagazinen leiten die einzelnen Kapitel ein. Ein geheimer Blog à la Bridgerton ist auch dabei - wer dahinter steckt bleibt ein Rätsel.
Es bleibt das Gefühl, dass die Handlung viel will, dabei aber immer an der Oberfläche bleibt. So befinden sich neben der Obdachlosigkeit Anspielungen an die #MeToo-Bewegung sowie Schilderungen von Suchterkrankungen und Traumata im Themenrepertoire. Die Lösungen wirken dabei stets zu einfach und zu schnell.
Gut gelungen ist jedoch der Cliffhanger am Ende. Dieser kommt wirklich aus dem Nichts und lässt selbst diejenigen miträtseln, die der Story noch nicht viel abgewinnen konnten. Dass sich die Fortsetzung mit Henrys Bruder Ethan und dem Zimmermädchen Grace beschäftigen wird, verwundert wiederum kaum. Vielleicht versteckt sich hier mehr Potential.
Fazit
Wer auf der Suche nach neuem Lesefutter mit bekannter Storyline ist, wird hier fündig. Viel mehr hält zumindest der Reihenauftakt nicht bereit. Für die Folgebände gibt es also noch Luft nach oben.





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