Let's Split Up

  • ONE
  • Erschienen: September 2025
  • 0

übersetzt von Alice Kronenberg; Broschur, 352 Seiten

ISBN: 9783846602706

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Sabine Bongenberg
6101

Jugendbuch-Couch Rezension vonJan 2026

Vier tolle Detektive und die doofe Polizei.

Die alte Carrington Villa im beschaulichen US-amerikanischen Städtchen Sanera birgt ein düsteres Geheimnis: Einst fand hier der reiche Besitzer bei einem Großbrand einen schrecklichen Tod, und bis heute ranken sich düstere Legenden um seine Geschichte. Robert Carrington hat – so heißt es – in seinem Grab niemals Ruhe gefunden und sucht immer noch den Schauplatz seines Todes heim. Immer wieder wird seine Gestalt mit glühenden Augen an den Fenstern des heruntergekommenen Hauses beobachtet. Mit dieser Geschichte verbanden sich viele Gruselstories, die gerne an Lagerfeuern erzählt wurden. Unglücklicherweise fanden sich auch immer wieder Jugendliche, die diesem Mysterium auf den Grund gehen wollten. Zu ihnen gehören die beiden Highschool-Kids Brad und Shelley, die eine regelrechte Dokumentation über die Vorkommnisse im Carrington-House drehen wollen. Aber es kommt zum Schlimmsten: Die beiden bezahlen ihren Einsatz mit dem Leben. Stimmt es also doch, dass das verfluchte Haus und sein Bewohner sich gegen alle wenden, die sein Geheimnis ergründen wollen? Rächt sich der Geist des letzten Bewohners jetzt sogar an der ganzen Stadt? Den vier Freunden Amber, Buffy, Jonesy und Cam lässt diese Vorstellung keine Ruhe, und so beginnen sie zu ermitteln. Natürlich wissen sie aus vielen Gruselfilmen, dass sie eines nie tun sollten: Niemals, niemals und unter keinen Umständen, sollten sie sich im Gruselhaus aufteilen ...

Ein Gruselhaus, eine Kleinstadt, eine neugierige Freundesgruppe

Mit einem mehr als dramatischen Auftakt lässt Bill Wood seinen sehr schön in Blutrot eingefärbten Thriller beginnen. Auch anhand des gruseligen Schnitts mit Hand- und Fußabdrücken haben diejenigen, die die Erstausgabe vor sich haben, direkt keinen Zweifel daran, was hier geboten wird: atemlose Spannung und gruseligster Grusel. Die „Zutatenliste“ verspricht dann auch HauntedHouse, 90sNostalgia, FoundFamily und nicht zuletzt das gute alte FriendstoLovers. Nach dem ersten aufreißenden Kapitel scheint aber eher ein wenig die Luft aus der Handlung zu sein. Die alten Freunde Amber, Jonesy und Cam lernen die neu zugezogene Buffy kennen, und die scheint alles besser zu wissen und ein Geheimnis zu verbergen. Aber davon möchte sie nicht so recht sprechen. Letzteres ist dabei nicht wirklich ein Problem, aber das altkluge Auftreten von Ich-weiß-alles-und-sowieso-besser-Buffy nervt schon gelegentlich.

Zwei sind zwar schon tot – aber so schlimm kann das ja bestimmt alles nicht sein…

Diese vier Freunde, die abwechselnd kapitelweise als Ich-Erzähler berichten, beginnen also den Todesfall der beiden Teenager Brad und Shelley im „Gruselhaus“ zu untersuchen. Natürlich ist man solche Geschichten aus alten Büchern und Freundschaften gewöhnt, aber dass hier die Polizei als superdämlich und überhaupt unfähig dargestellt ist, wogegen die Teenagergruppe die Weisheit offensichtlich mit sehr großen Löffeln verspeist hat und allen einmal vormachen kann, wie denn eine Untersuchung geführt wird – das ist schon abenteuerlich. Offensichtlich scheint es auch niemanden groß zu kümmern, dass es im Haus tatsächlich Tote gegeben hat. Als zum Showdown der grundlegende Anspruch aller Horrormovies selbstverständlich außer Acht gelassen wird und hier der Einsatz der Polizei auch gar nicht mal schlecht wäre, lehnt sich der/die Leser*in entspannt zurück und sagt sich „Da könnt Ihr doch mal sehen, was Ihr davon habt“. 

Von der Handlung abgesehen, fand ich auch einige der Personen zu schablonenhaft dargestellt. Natürlich gibt es einen schmierigen Reporter, dem die Story über alles geht, dessen Funktion aber irgendwie auf dem Weg verlorengeht, und auch das schwul/lesbische Pärchen darf nicht fehlen. Insbesondere diese Beziehung, die offensichtlich den Aspekt FriendstoLovers bedient, kann aber nicht überzeugen, wirkt sie doch wie auf die Handlung übergestülpt. Probleme einer Abhängigkeit wurde ebenso im Buch „verwurstet“ – aber auch hier oberflächlich und viel zu einfach abgehandelt. Das Ende immerhin überzeugte mich so halbwegs, weil doch ganz anders angelegt, als das erste Kapitel vermuten ließ. Im Hinblick auf Machbarkeit und Logik sieht es dagegen nicht ganz so gut aus - aber man wird bescheiden.

Fazit

Vier Freunde im Gruselhaus, und eigentlich würde man noch einen großen Hund mit schlabbriger Zunge erwarten, der im entsprechenden Moment die Retterrolle übernimmt. Wirklich neu ist nichts, und manchmal fragt man sich, ob man aus dem Text nicht besser einen Comic gemacht hätte. Zuletzt bleibt die Ansage der vier Freunde, dass sie einen Detektivclub gründen und weiteren Geheimnissen auf den Grund gehen wollen. Da ist allerdings dann doch noch viel Luft nach oben…

Let's Split Up

Bill Wood, ONE

Let's Split Up

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