Ein Fantasy-Highlight mit Nervenkitzel bis zur letzten Seite.
Die junge Studentin Holland St. James ist vollkommen fasziniert von Magie und liebt die Suche nach Übernatürlichem, mysteriösen Vorfällen oder logisch nicht erklärbaren Ereignissen. Kein Wunder, dass sie die Folklore-Vorlesungen ihrer Professorin nahezu in sich aufsaugt. Urbane Mythen, Legenden und geheimnisvolle Todesfälle erzeugen nicht nur Gänsehaut, sondern werfen vor allem die Frage auf: Steckt in den Geschichten der Professorin auch ein Funken Wahrheit? Gibt es tatsächlich den Uhrenmann, der einem den genauen Zeitpunkt des Todes verrät? Treibt sich der Teufel höchstpersönlich in einer Hotelbar herum und lässt sich Drinks spendieren, um daraufhin Wünsche zu erfüllen?
Als sich der Uhrenmann bei ihr meldet und prophezeit, dass sie am Halloween-Abend um 23:59 Uhr sterben wird, bleibt Holland jedoch gar keine Zeit zu hinterfragen, ob er blufft - denn der Todeszeitpunkt ist schon morgen! Es sei denn, sie findet bis dahin das Alchemistische Herz, das Zentrum aller Magie. Ein schier unmöglicher Auftrag, da niemand weiß, wo sich dieses befindet. Darüber hinaus merkt Holland schnell, dass sie nicht die Einzige ist, die sich auf die Suche nach dem Herzen gemacht hat - denn plötzlich tauchen immer wieder die gleichen Personen auf, die angeblich von ihrer Zwillingsschwester January geschickt wurden, um sie zu beschützen: Gabe und Adam Bishop. Doch wem kann Holland am Ende wirklich trauen? Und wird sie es schaffen, das Alchemistische Herz rechtzeitig zu finden?
„‚Was ist das Leben anderes als ein Spiel? Jeder, dem Sie begegnen, ist entweder ein Gegner oder ein Verbündeter oder manchmal auch ein Hinweis.‘“
Zugegeben, an viele Fantasy- oder Romantasytitel gehe ich mittlerweile nicht mehr mit allzu großen Erwartungen heran. Sehr oft sind diese nach dem gleichen Schema aufgebaut, die Figuren kennt man so oder so ähnlich schon aus anderen Geschichten, und der Plot wirkt bisweilen austauschbar. Dieses Buch allerdings hat mich komplett umgehauen! Die Story, die Atmosphäre, der Schreibstil, sowie ein enormer Spannungsbogen erzeugen einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Der Reihenauftakt von „Alchemy of Secrets“ war tatsächlich mein erstes Buch der US-amerikanischen Autorin Stephanie Garber - und es wird nicht mein letztes gewesen sein.
Beim Lesen verspürt man nicht selten das Gefühl, in einem alten, gemütlichen Kinosessel zu sitzen und das Geschehen auf der Leinwand zu verfolgen. Geschrieben wird in der dritten Person, sodass zwar immer eine gewisse Distanz zur Hauptfigur Holland bleibt, sie aber trotzdem nahbar und authentisch erscheint. Die Filmatmosphäre ist dabei kein Zufall: Hollands Eltern waren beide berühmte Schauspieler, bis sie unter dramatischen Umständen ums Leben kamen. Filmstudios mit besonderem Hollywood-Flair vergangener Zeiten, verschollene Drehbücher und geheimnisvolle Requisitenabteilungen spielen auch während der Handlung immer wieder eine zentrale Rolle.
Vor allem zu ihrem Vater hatte Holland eine enge Bindung. Er hat seinen beiden Töchtern die Liebe zur Schatzsuche weitergegeben. Knifflige Rätsel, Verstecke und unscheinbare Hinweise waren die Spiele ihrer Kindheit. Doch die größte Schatzsuche erwartet Holland jetzt - wenn sie diese nicht löst, muss sie sterben. Das Aufregende ist, dass wir es auf diesen 448 Seiten mit genau einem Tag zu tun haben. Innerhalb dieses einen Tages dreht sich Hollands Leben um 180 Grad: Es sterben Menschen unter mysteriösen Umständen, es tauchen mit Gabe und Adam Bishop zwei Personen auf, die Hollands Herz schneller schlagen lassen. Beide behaupten, dass ihre Schwester January sie geschickt hat. Doch einer lügt.
Die Suche nach dem Alchemistischen Herz führt Holland in eine Bank, aus der angeblich niemand mehr herauskommt, in ein Hotel („Royal“), in dem die Zeit langsamer vergeht, und auf eine Halloween-Party mit Lebensgefahr. Es darf nicht zu viel verraten werden, um den Spannungsbogen nicht zu gefährden. Das Buch ist ein absoluter Pageturner, der sich nie in die Karten schauen lässt.
Fantasy mit Thriller-Charakter
Alle, die sich eine seichte Romantasy-Story erhoffen, sind hier definitiv falsch. Es ist ein Rennen um Leben und Tod ohne Rücksicht auf Verluste. Holland selbst ist die einzige Figur, der man trauen kann. Und es fließt viel Blut, das meiste allerdings aus der Nase - eine seltsame Angewohnheit, die sich in den letzten 24 Stunden bei Holland eingeschlichen hat. Wer eine Vorliebe für Mystery und Thriller hat, dürfte sich mit „Alchemy of Secrets“ schon eher wohlfühlen. Außerdem ist die Story recht komplex, sodass ein gedankliches Aussteigen zwischendurch für Verständnislücken sorgen könnte. Komplex, aber glücklicherweise nicht abgedreht! Vielmehr gibt es auf den letzten hundert Seiten einige „Aha“-Erlebnisse.
Grandios gelungen ist nicht zuletzt die Tatsache, dass Hollands Zwillingsschwester zwar eine tragende Rolle spielt, in der gesamten Handlung des ersten Bandes jedoch keinen einzigen Auftritt hat. Sie ist vielmehr eine Schattenfigur, die hoffentlich in der Fortsetzung noch mehr Farbe bekommt. Einen Erscheinungstermin gibt es hier allerdings bislang nicht.
Fazit
Ein wunderbarer Genre-Mix aus Fantasy, Mystery und Thriller, der für eine willkommene Abwechslung im Jugendbuchregal sorgt. Sehr gerne empfohlen!



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