Once Upon a Broken Heart

  • cbj
  • Erschienen: November 2023
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übersetzt von Diana Bürgel; Broschur, 480 Seiten

ISBN: 9783570167069

Once Upon a Broken Heart
Once Upon a Broken Heart
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Sabine Bongenberg
7101

Jugendbuch-Couch Rezension vonJan 2024

Die große Reise durch das Land der Phantasie mit Höhen und Tiefen

Evangeline Fox hat immer an Märchen geglaubt. Nicht nur, dass ihre Mutter ihr diese immer so überzeugend erzählen konnte. Sie arbeitete auch im Kuriositätenladen ihres Vaters und hier stieß sie auf viele verwunschene Dinge, die ein besonderes Eigenleben entwickelten. Aber diese glücklichen Zeiten sind schon lange vorbei. Zuerst verstarb ihre Mutter, dann auch noch der geliebte Vater und mittlerweile steht Evangeline unter der Fuchtel der herrischen Stiefmutter, die ihr eigenes Kind Marisol deutlich bevorzugt. Irgendwie kam sie damit aber zurecht - doch jetzt ist das Maß des Erträglichen überschritten, hat doch Marisol ihre Heirat mit Luc verkündet. Nicht mit irgendeinem "Luc" versteht sich, sondern mit Evangelines großer Liebe, derer sie sich bis vor Kurzem auch sicher wähnte - bis die Nachricht über die Hochzeit mit ihrer Stiefschwester wie eine Bombe einschlug.

Zutiefst verzweifelt wendet sich die junge Frau an die einzigen Mächte, die möglicherweise helfen können und das sind in ihrer Heimat die Schicksalsmächte. Insgesamt 16 gibt es davon und so ganz einfach ist deren Anruf nicht. Es wird nämlich davor gewarnt, dass sie immer eine Gegenleistung fordern, die oft das übersteigt, was ein Hilfesuchender grundsätzlich zu geben bereit ist. Dennoch, Jacks - der Prinz der Herzen und damit die für gebrochene Herzen zuständige Schicksalsmacht - macht einen freundlichen, hilfsbereiten Eindruck und die verlangte Gegenleistung sind auch nur drei Küsse, die Evangeline zu gegebener Zeit irgendjemandem geben muss. Natürlich birgt das auch eine gewisse Gefahr - aber was kann mit drei Küssen schon groß an Unheil hervorgerufen werden? Evangeline stimmt diesem Handel zu und ahnt nicht, dass sie damit ihr komplettes Leben durcheinanderwirbeln wird.

Für die Liebhaber/*innen von reichlich Zuckerguss

Vielen Leser*innen ist die US-amerikanische Autorin Stephanie Garber bereits jetzt über ihre Bestseller der „Caraval“-Reihe bekannt. Jetzt legt sie mit der „Once-Upon-A-Broken-Heart“-Reihe eine neue Serie auf.

Bereits beim Lesen des Titels Once upon und bei Betrachten des schön entworfenen Titelbildes weiß jede/r Leser/in sofort, dass hier ein märchenhafter Stoff darauf wartet, gelesen zu werden. Das englische „Once upon“ entspricht ja dem deutschen „Es war einmal“ und auch bei uns ist das der handelsübliche Einstieg für ein Märchen. Auch beim Aufschlagen setzt sich dieser Eindruck fort, erblicken wir doch auf den vorderen Seiten eine phantasievolle Karte des „fantastischen Nordens“ („Wo Geschichten lebendig werden“) eines imaginären Landes. Direkt im ersten Kapitel erfahren wir auch schon, dass in diesem Land sogar die Türglocken ihren eigenen Willen haben, können sie doch bei unterschiedlichen Menschen vollkommen anders läuten. Hier werden die Leserinnen und Leser liebevoll auf eine Märchenerzählung vorbereitet und natürlich trifft diese auch ein. Ehrlich gesagt - anfangs hatte ich mit ihr aber so meine Schwierigkeiten. Die Heldin Evangeline Fox ist so ein liebes, sanftes, süßes, warmherziges Geschöpf, dass es einem vor so viel Zuckerguss schon fast ein wenig gruseln mag. Was sie aber an Freundlichkeit und liebevoller Mädchenhaftigkeit zu viel bekommen hat, das fehlt ihr ein wenig an Intelligenz. Wenn alle eindringlich davor warnen, Hilfe bei einer Schicksalsmacht zu suchen, dann wird das schon seinen Grund haben. Es ist natürlich bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehbar, dass ein heftiger Liebeskummer das Denken sicherlich einschränkt - aber auch das sollte seine Grenzen haben.

Immerhin - mit Beauftragen der Schicksalsmacht in Liebeskummer-Angelegenheiten nimmt die Erzählung um Evangeline und Jacks ihren Lauf und auch wenn Menschen generell nichts mit Schicksalsmächten anfangen sollten, so hatte ich doch den Eindruck, dass sich die beiden recht sympathisch seien. Dennoch muss ich ehrlich sagen, dass ich das System der Schicksalsmächte nicht ausreichend verstehe. Einige tragen so klangvolle Namen wie „Chaos“, bei anderen hat sich bei der Namensgebung offensichtlich nicht gerade die Phantasie ausgetobt und einerseits können sie offensichtlich spürbar und mit teilweise miesen Tricks in das Leben der Menschen eingreifen, andererseits scheinen sie auch gegenüber Empfindungen nicht ganz unangreifbar zu sein. Nicht so ganz nachvollziehbar fand ich auch, warum Evangeline, die direkt zu Anfang ziemlich schlechte Erfahrungen mit Jacks „Hilfe“ gemacht hat, immer wieder dessen chaotische Hilfe in Anspruch nahm.

Prinzen, die unbedingt heiraten, Vampire, die unbedingt beißen und Hexen, die unbedingt verhexen wollen

Beide erleben in der märchenhaften Welt des Nordens einiges an märchenhaften Abenteuern und hier wird von Prinzen, die sich eine Braut suchen und diese am liebsten sofort verehelichen und auf ihr Schloss schleppen wollen, bis zu bösartigen Vampiren, die im Prinzip dasselbe wollen - es aber nur anders umsetzen - kaum etwas ausgelassen. Grundsätzlich fand ich diese Fülle lebendig und spannend, andererseits war es mir manchmal etwas zu viel und ich hätte mir gelegentlich einen ruhigeren Fluss gewünscht. Als tatsächlich nervig empfand ich an einigen Stellen das Hin und Her um die arme oder manchmal auch heimtückische Marisol und dem ganzen Geschwurbel um die Coca-Cola der Märchenwelt, die hier den Namen „Fortunas fantastisch wohlschmeckende Wasser“ trägt, konnte ich auch nicht viel abgewinnen. Ganz raus war ich ehrlich gesagt, bei dem Punkt, als es um das alte Geschlecht der Valoren ging. Inwieweit und warum unsere Heldin Evangeline hier ein Schlüssel zu deren „Valorienbogen“ sein sollte, erschloss sich mir nicht. Auch die Liebesgeschichten, in die sie mehr oder weniger hineinschlitterte, vermochten mich nicht so recht zu überzeugen. Geküsst wird für meinen Geschmack sehr viel - es gibt sogar ein eigenartiges Spiel namens "Kussschach" - ernsthaft gefühlt aber recht wenig.

Fazit

Once upon a broken heart bietet eine wilde Reise durch die Märchenwelt und deren eigenartige Getränke und Gebräuche und so richtig wollte bei mir nicht der Funke überspringen. Mir ist die gute Evangeline tatsächlich ein wenig zu märchen-mädchenhaft und auch wenn die Emanzipation generell nie in Märchen thematisiert wurde - ein wenig davon hätte ich mir hier gewünscht...

Once Upon a Broken Heart

Stephanie Garber, cbj

Once Upon a Broken Heart

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