Missing in Paris - Wo ist Nina?

  • ONE
  • Erschienen: Juni 2023
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übersetzt von Verena Kiefer; Hardcover, 238 Seiten

ISBN: 9783846601761

Missing in Paris - Wo ist Nina?
Missing in Paris - Wo ist Nina?
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Rita Dell'Agnese
5101

Jugendbuch-Couch Rezension vonJan 2024

Eine verpasste Gelegenheit

Seit ihre Mutter die Familie verlassen hat, um zusammen mit ihrem Lover in Australien ein neues Leben zu beginnen, hat sich die Atmosphäre im Elternhaus von Nina und Lotte merklich verschlechtert. Der Vater hadert mit dem Schicksal und erdrückt seine beiden Töchter damit nahezu. Das bringt die 18-jährige Nina dazu, auszubrechen und in Paris eine Karriere als Model anzustreben.

Um die düstere Atmosphäre hinter sich zu lassen, macht sie deutlich, dass sie möglichst keinen Kontakt mit der 15-jährigen Lotte oder ihrem Vater haben möchte. Allerdings geht sie darauf ein, Lotte einmal wöchentlich ein Lebenszeichen zu schicken, damit diese sich keine Sorgen machen muss. Als allerdings plötzlich eine zweite Karte in derselben Woche eintrifft, ist Lotte aufgeschreckt. Erst recht, da diese mit dem Zusatz versehen ist, Lotte solle die Mutter grüßen. Besorgt wendet sich Lotte an den Vater, der ihr aber zunächst wenig Gehör schenkt. Erst als Lotte vehement darauf pocht, nach Paris zu reisen und sich selber vom Wohlergehen ihrer Schwester zu überzeugen, lässt er sich breitschlagen. Tatsächlich stößt Lotte in Paris auf allerlei Ungereimtheiten, und muss bald feststellen, dass Nina wie vom Erdboden verschluckt ist. Gegen den Wunsch des Vaters macht sich Lotte auf, um Nina zu finden – und bringt sich damit in Gefahr.

Viel Potenzial, wenig davon umgesetzt

Mit dem Plot hat Cis Meijer eine gute Basis für einen spannenden Thriller gelegt. Die beiden Charaktere haben ebenso Potenzial, wie auch die Geschichte an sich. Doch konnte die Autorin das nicht nutzen. Die Charaktere bleiben kantig und unfertig, der Spannungsbogen bricht immer wieder in sich zusammen und vieles wirkt notdürftig zurechtgebogen, um den Ablauf der Geschichte überhaupt möglich zu machen. Da ist zunächst die quirlige Lotte, die eher ihrem Bauchgefühl vertraut als ihrem Kopf. Das schlägt denn auch tatsächlich Alarm, als die unerwartete Post eintrifft. Danach aber verliert sich Lotte immer mal wieder in Zweifeln, wirren Überlegungen und einem wenig intuitiven Verhalten. Hier wünschte man sich eine klarere Figurenzeichnung, die die Handlungen des Teenagers stimmig und folgerichtig erscheinen lassen. Nina hingegen kommt – vom Wenigen, was man von ihr zunächst erfährt – eher kalt und egoistisch rüber. Es dauert sehr lange, um mit der Verschwundenen warm zu werden und die emotionale Verbindung der beiden ungleichen Schwestern als solche zu akzeptieren. Nicht ganz nachvollziehbar ist auch die Figur des Vaters, der einerseits seine Töchter durch seine eigenen Probleme und einem klammernden Verhalten zu ersticken scheint, andererseits aber keinerlei Gehör schenkt, als sich Lotte um Nina Sorgen macht.

Zu viele Lücken

Beim Lesen entsteht immer wieder der Eindruck, man habe ein nicht ganz lückenloses Manuskript vor sich, das lieblos gekürzt wurde, um eine vorgegebene Seitenzahl zu erreichen. Einige Geschehnisse sind so eckig und abrupt, dass man sich fragt, was man denn nun verpasst hat. Auf Tiefgang verzichtet Cis Meijer fast vollständig – sie knüpft an einige Klischees an, verpasst es aber, die wirklich spannenden Aspekte genauer zu betrachten, beziehungsweise für ihre Leserinnen und Leser herauszuarbeiten. So dümpelt der Thriller schnell an der Oberfläche und man sucht vergebens nach einem überzeugenden Spannungsbogen. Der einzige Pluspunkt ist die Grundidee der verschwundenen jungen Frau, die nur durch ein sehr spezielles Zeichen auf ihre Lage aufmerksam machen kann. Diesem Aspekt hätte die Autorin problemlos noch mehr Augenmerk schenken dürfen.

Fazit

Was sich gemäß nach einem spannenden Thriller anhört, entpuppt sich als eher durchschnittlicher Roman, bei dem viel Potenzial verschenkt worden ist. Die Autorin kann mit einem einfallsreichen Grundgerüst brillieren, verliert sich dann aber schnell in einer oberflächlichen Geschichte ohne nennenswerten Spannungsbogen.

Missing in Paris - Wo ist Nina?

Cis Meijer, ONE

Missing in Paris - Wo ist Nina?

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