Promise Boys

  • ONE
  • Erschienen: Mai 2024
  • 2

übersetzt von Sabine Schilasky; Broschur, 320 Seiten

ISBN: 9783846602157

Promise Boys
Promise Boys
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Julian Hübecker
6101

Jugendbuch-Couch Rezension vonMai 2024

Kein intelligent konstruierter Thriller

Die Schüler J.B., Ramón und Trey werden verdächtigt, Schuldirektor Moore erschossen zu haben. Jeder von ihnen hatte ein Motiv, jeder von ihnen behauptet, es nicht gewesen zu sein. Die drei müssen sich zusammentun, um dem wahren Mörder auf die Spur zu kommen. Doch dafür müssen sie erstmal die Geheimnisse von Moore ergründen …

„Bin ich ein Krimineller? Oder einfach bloß menschlich? An der Promise ist es beinahe, als wäre es einer von vielen Regelbrüchen, Gefühle zu zeigen.“

Die Urban Promise Prep School genießt nach außen hin den tadellosen Ruf, verhaltensauffällige Schüler auf die richtige Bahn zu lenken und ihnen zu einer glanzvollen Zukunft zu verhelfen. Dazu braucht es jedoch strenge Regeln, deren Missachtung streng bestraft wird. Manche davon scheinen vernünftig, etwa Pünktlichkeit, andere wirken vielmehr aus einem Militärcamp geholt, etwa das Laufen auf einer blauen Linie, um keinen Platz für Konfrontationen zu schaffen.

Die Jungen J.B., Ramón und Trey haben eine ganz andere Meinung von der Schule: Sie fühlen sich unfair behandelt, der Drill ist für sie reine Schikane, und im Grunde haben sie aufgrund von Vorurteilen, die die Lehrkräfte ihnen gegenüber zu hegen scheinen, sowieso keine Chance.

Ramón etwa wächst in einer Familie auf, in der unter anderem sein Cousin Mitglied einer gewalttätigen Gang ist. Währenddessen hat Trey eine drogenabhängige Mutter, weshalb er bei seinem Onkel aufwächst, der ihn mit harter Hand erzieht. J.B. dagegen ist groß und schwarz, eine für andere bedrohliche Erscheinung – dabei erlebt er gerade seine erste große Liebe und versucht, seine Verunsicherungen hinter seiner Statur zu verstecken.

Vor allem eine Person macht es den Jungs schwer: Schuldirektor Kenneth Moore. In letzter Zeit wirkt sein Handeln noch unkontrollierbarer, sodass er die Schüler sogar körperlich angreift. Als Moore eines Tages erschossen aufgefunden wird, geraten die drei Jungs schnell in Verdacht, den Schuldirektor ermordet zu haben. Die Jugendlichen müssen sich nach anfänglicher Skepsis zusammentun, um den eigentlichen Mörder zu entlarven – vorausgesetzt, keiner von ihnen spielt ein falsches Spiel …

Spielt nicht in der oberen Liga mit

Es gibt mittlerweile viele spannende Jugendthriller sowie AutorInnen, die sich dadurch einen Namen gemacht haben: etwa Karen M. McManus oder Mel Wallis de Vries. Doch leider muss ich gleich zu Anfang die Bombe platzen lassen: Dieses Buch gehört für mich nicht dazu. Was für es spricht, sind die vielen kurzen Kapitel, die zumindest ein konstantes Spannungslevel halten. Auch der Schreibstil des Autors eignet sich für einen spannenden Thriller. Jedoch gibt es viele Elemente, die in diesem Fall nicht funktioniert haben.

Zum einen sind die Kapitel inkonsistent aufgebaut: Mal gibt es solche, wo aus der Sicht der drei Jungs erzählt wird, dann gibt es Interviews, Berichte aus der Sicht von Verwandten, Mitschülern und Freunden sowie auch Zeitungsausschnitte. Dadurch kommt eine große Unruhe auf und die ProtagonistInnen bleiben blass und oberflächlich. Vor allem aber entsteht kein intelligentes Setting, in dem man selbst auf Mördersuche geht. Es gibt keine Hinweise, denen man folgen kann. Vielmehr ist es am Ende ein Ausschlussverfahren – die Person, die bisher nicht verdächtigt wurde, war es dann schließlich.

Viele Personen wirkten auch geradezu unnütz in dem ganzen Aufbau, zum Beispiel ein unheimlicher, sich auf den Straßen herumtreibender Mann (dessen Namen ich noch nicht einmal mehr weiß), der alles irgendwie aufschnappt und den Jungs einmal sogar einen Hinweis gibt, ehe er wieder, wie von Zauberhand, verschwindet.

Da fragt man sich: Was will der Thriller eigentlich? Denn Gesellschaftskritik und Rassismus werden ebenfalls thematisiert und passen hier auch sehr gut rein. Allerdings findet der Autor keinen passenden Rahmen, um den Themen den Raum zu geben, die der Geschichte gutgetan hätten.

Fazit

Ein Thriller, der viel zu viel will. Die Spannung ist durchaus da, schließlich will man wissen, wer den Schuldirektor umgebracht hat. Insgesamt ist das Buch aber zu unruhig, um als intelligent konstruierter Thriller durchzugehen.

Promise Boys

Nick Brooks, ONE

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