Durch beklemmendes Setting und viele Plotwists spannend bis zum Ende.
Endlich an Bord! Für Emily bedeutet der Flug mehr als nur eine Trip nach Europa, denn die Reise stellt den Beginn eines Wettbewerbs der Bonhomme-Stiftung dar, der ihr die Chance auf eine Zukunft ohne Armut bietet. Dem Gewinner winkt ein hochdotiertes Uni-Stipendium, das ihr ein Studium und somit eine teure Ausbildung ermöglicht, mit der sie später einen gut bezahlten Job finden kann. Neben ihr kämpfen noch elf andere Teilnehmer um den Sieg, die aus sechs Internaten des Landes ausgewählt wurden und deren Motivation zu gewinnen ebenfalls sehr hoch ist. Dass der Wettbewerb bereits während des Flugs startet und schon nach der Ankunft drei Teilnehmer direkt wieder den Rückflug antreten müssen, erhöht den Druck auf die Truppe immens, denn jeder und jede wird automatisch zum Konkurrenten.
Direkt beim ersten gemeinsamen Abendessen kommt es dann auch schon zu den ersten Vorfällen, die das Misstrauen ihrer Mitstreiter gegenüber Emily wachsen lassen. Erst werden die drei Fragen des Spiels „Zwei Wahrheiten und eine Lüge“ ausgetauscht und zu jedem der Kandidaten drei von ihnen streng gehütete Geheimnisse vorgelesen, während das System ausgerechnet bei Emily stoppt. Anschließend erleidet Taylor einen allergischen Schock aufgrund von Erdnüssen in ihrem Essen, obwohl es streng verpackt und separat serviert wurde. Nur durch das schnelle Reagieren einer weiteren Teilnehmerin kann sie gerettet werden. Als Emily in ihrer Tasche eine leere Erdnusstüte findet, ist ihr schnell klar, dass ihr jemand die Schuld für den Vorfall in die Schuhe schieben möchte. Irgendeiner der Teilnehmer scheint ein falsches Spiel zu spielen! Als im weiteren Verlauf dann zwei der Kandidaten Tod in den Bädern des Flugzeugs aufgefunden werden und die Stewardessen betäubt in ihren Sitzen schlafen, wächst die Angst. Keiner weiß, wem er noch trauen kann und wer von ihnen ein Mörder ist. Da kein Kontakt zu den Piloten oder zur Außenwelt möglich ist, sind die restlichen Kandidaten ganz auf sich allein gestellt. Vor allem für Emily ist es zwischen den anderen Kandidaten nicht einfach, schließlich deuten verschiedene Indizien auf sie und machen sie zur Verdächtigen. Traut sie ihrem Internatskollegen Dylan zu, ihr den Mord anhängen zu wollen? Oder ist es vielleicht Liam, für den sie innerhalb kurzer Zeit bereits Gefühle entwickelt hat? Auch die anderen Kandidaten wie Lily oder Blake scheinen ein Motiv zu haben. Wird die Gruppe an dem auf ihr lastenden Druck auseinanderbrechen oder wird es ihnen gemeinsam gelingen, den wahren Täter zu finden, bevor er sie alle umbringt?
Auf engem Raum mit einem Mörder
Manchmal ist weniger mehr. So ist es auch in Kellie M. Parkers Thriller „Thin Air“, dessen Handlung sich ausschließlich innerhalb eines Flugzeugs, in einem Zeitraum von 8,5 Stunden und zwischen 12 beziehungsweise 15 Personen abspielt, rechnet man die drei Stewardessen hinzu. Gerade dieser begrenzte Spielraum verleiht der Story eine besondere Spannung, weil er bei den Lesenden ein Gefühl von „es gibt kein Entkommen“ und „traue niemanden, denn einer der anderen Passagiere muss der Mörder sein“ erzeugt. Da die Geschichte aus der Perspektive Emilys erzählt wird, erlebt man ihre Gefühle und Gedanken hautnah mit und spürt ihre Angst und Zerrissenheit bezüglich der anderen Teilnehmer. Dadurch, dass man ihr gegenüber keinen Wissensvorsprung hat, lädt die Story zum Miträtseln und Kombinieren ein, wenn es darum geht, den wahren Täter zu überführen. Für besondere Spannung sorgt zusätzlich das erste Kapitel, das sich zeitlich zwischen dem 20. und 21. Kapitel einordnen lässt und eine besonders aufregende Szene enthält, die sich am Anfang ohne Kontext jedoch noch nicht richtig einordnen lässt. Springt man während des Lesens noch einmal an diese Stelle zurück, fügt sich der Abschnitt passend in die Geschichte ein.
Viele Plotwists sorgen für falsche Fährten
Spätestens ab dem Zeitpunkt, an dem klar ist, dass sich im Flugzeug ein Mörder befindet und ein falsches Spiel mit den Kandidaten gespielt wird, beginnt nicht nur für Emily, sondern auch für die Lesenden die Suche nach dem Täter. Kellie M. Parkers gelingt es dabei gut, die Spannung in ihrer Geschichte durch immer wieder neue Wendungen aufrechtzuerhalten. Man kann fast sagen, dass bis auf wenige Ausnahmen fast jeder der Passagiere einmal zum Verdächtigen wird, sodass sich die Suche nach dem Täter als ziemlich nervenaufreibend erweist.
Auch wenn die ständigen Plotwists eigentlich die Spannung erhöhen sollen, hatte ich beim Lesen dennoch irgendwann das Gefühl, dass die Story durch die ständigen Wendungen künstlich in die Länge gezogen wird. Mit meinem Verdacht, wer hinter den Taten stecken könnte, lag ich ab einem gewissen Zeitpunkt richtig, die vielen Verdächtigungen fühlten sich anschließend etwas ermüdend an, auch wenn gleichzeitig hinter jeder Tür weiterhin Gefahr lauerte.
Ein weiterer Kritikpunkt liegt in der Rahmengeschichte. Zwar liegt der Fokus auf den Geschehnissen im Flugzeug, gleichzeitig werden immer wieder Emilys familiäre Hintergründe erwähnt, die an manchen Stellen schon sehr konstruiert wirken und Fragen offen lassen, die man sich als Lesender unweigerlich stellt.
Fazit
Insgesamt eine spannende Story, die durch interessante Charaktere und ein beklemmendes Setting überzeugen kann. Gegen Ende fühlt sich die Geschichte jedoch etwas zäh und künstlich in die Länge gezogen an, hier wären etwas weniger Verdächtigungen mehr gewesen.



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