ZWEIundDIESELBE

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Fischer, 2008, Titel: 'The Adoration of Jenna Fox', Originalausgabe

Couch-Wertung:

8
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Corinna Abbassi-Götte
 Eine spannende Suche nach dem Ich  

Buch-Rezension von Corinna Abbassi-Götte Okt 2009

"Wer bin ich?" - oder ein wenig anders ausgedrückt: "Wie viel von mir bin ich?"
Eine Frage, die sich jeder sicherlich mindestens einmal im Leben stellt. Daher natürlich auch eine völlig berechtigte Frage für Jenna, die frisch aus dem Koma erwacht keine Erinnerung mehr an ihr Leben vorher hat. Und als ob dies nicht schon genug wäre, begleitet sie beständig das Gefühl, dass ihr Körper nicht zu ihr gehört. Er fühlt sich irgendwie nicht richtig an.

So scheinbar einfach beginnt Jennas Geschichte. Recht unerwartet erfährt man, dass dieses Buch nur ein paar Jahre nach unserer Zeit spielt. Die Wissenschaft hat sich weiterentwickelt, neue Behandlungsmöglichkeiten werden angewandt – und schließlich ist klar: Jenna ist ein medizinisches Wunder. Die ganze Sache hat nur einen Haken: Von der ursprünglichen Jenna sind nur 10% erhalten geblieben, und so stellt sie sich zurecht die alles entscheidende Frage: 
"Wie viel von mir ist ich?" Ist sie überhaupt noch ein Mensch?

Jennas Suche nach einer Antwort erweist sich als schwierig, denn zu der Frage nach ihrer Identität gesellen sich Tag für Tag weitere Fragen.
Warum kann sie ganze Bücher auswendig zitieren? Warum erinnert sie sich an ihre Taufe? Warum sind sie umgezogen? Warum bleibt ihr die Jenna aus den Familienvideos fremd? Und warum muss sie die Bedeutung mancher Worte erst wieder lernen? Warum besitzt sie nur blaue Kleidungsstücke?

Neue Stadt, neues Umfeld, neue Schule, neue Freunde - keine Verbindung zu ihrem alten Leben scheint mehr zu existieren. Und ihre Eltern schweigen. Einzig ihre leider so abweisende Großmutter ist bereit, ihr ein paar Hinweise zu geben.

Was Jenna schließlich herausfindet, ist nicht nur brisant und stellt ihre ganze Zukunft auf den Kopf. Es lässt darüber nachdenken, was ethisch vertretbar ist und was nicht. Problematisch ist, dass ihre wenigen Mitschüler den neuen Möglichkeiten der Biotechnologie nicht sehr positiv gegenüberstehen. Speziell die mögliche Rekonstruktion eines Menschen wird scharf kritisiert und ist nur unter bestimmten Voraussetzungen legal.

Jedes Detail, das Jenna herausfindet, überrascht, amüsiert, bewegt, schockiert. Selbst nach dem atemberaubenden Epilog lässt Jennas Geschichte nicht los.

Jenna ist eine ganz außergewöhnliche Hauptperson. Durch ihre zurückhaltende, nachdenkliche Art zieht sie den Leser sofort auf ihre Seite. Ihre Gedanken und Gefühle sind nachvollziehbar und ihre mitunter recht harten Reaktionen auf sämtliche Ereignisse völlig berechtigt. Nebenbei bemerkt gewinnt man sie gerade wegen ihrer direkten und verletzenden Art lieb. Rigoros zieht sie ihr eigenes Ding durch und ergreift glücklicherweise endlich die Chance, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Doch trotz gegensätzlicher Meinungen kann man auch ihre Großmutter und vor allem ihre Eltern verstehen. 
Was ist man bereit, für die eigene Tochter – Mutter, Vater, Schwester, Bruder - zu opfern? Welche Risiken würde man eingehen?
Über diese Fragen macht man sich noch während des Lesens Gedanken. Antworten gibt dieses Buch natürlich nicht, denn jeder kann nur für sich selbst entscheiden, was er im Fall des Falles tun würde.

Und zuletzt noch ein paar Worte zu Mary E. Pearsons Schreibstil: Durch eine Mischung aus einfachen, direkten, fast schon harten Sätzen, hin und wieder einfließenden wunderschönen Beschreibungen und sorgfältig gesetzten Fragen schafft sie es, Jennas Suche nach ihrer Identität eindringlich und in jedem Moment authentisch darzustellen.

FAZIT

Ob Genforschung, Klonen oder neue medizinische Behandlungsmöglichkeiten – sämtliche Thematiken, bei denen Ethik und Forschung aufeinanderprallen, werden immer wieder heiß diskutiert. Jennas Geschichte zeigt sämtliche Sichtweisen, und das Pro und Kontra findet direkt im Kopf des Lesers statt.

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