Girl, Goddess, Queen

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  • Erschienen: August 2023
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übersetzt von Inka Marter; Hardcover, 400 Seiten

ISBN: 9783570180983

Girl, Goddess, Queen
Girl, Goddess, Queen
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Alexandra Fichtler-Laube
7101

Jugendbuch-Couch Rezension vonDez 2023

Von Göttern, Macht, Liebe und Gleichberechtigung

Kore, die Tochter der Fruchtbarkeitsgöttin Demeter und des Göttervaters Zeus, steht kurz vor ihrer Hochzeit. Eigentlich ein recht freudiges Ereignis könnte man meinen, aber Kore wurde mit Geschichten über die Gefährlichkeit von Göttern erzogen und hat keinerlei Mitspracherecht bei der Wahl ihres Zukünftigen, der aus eben jener Götterwelt von ihren Eltern auserwählt werden wird.

Von früh auf war ihr Platz unter den Göttern festgelegt: Ihr Name bedeutet „kleines Mädchen“ und „reine Jungfer“, ihre Schönheit und Zurückhaltung wurden überall gepriesen und sie wurde von Zeus zur unbedeutenden Göttin der Blumen ernannt. Diese „Reinheit“ wurde von ihrer Mutter sichergestellt, indem sie Kore auf einer kleinen Insel großzog, die durch Zauber von der Außenwelt abgeschirmt wurde und die ihr mithilfe der Geschichten über die Götter von deren Machthunger, von ihren Vergewaltigungen und sonstiger Unterdrückung der Frauenwelt erzählt hat.

Doch Kore gibt sich mit dieser Aussicht nicht zufrieden. Sie will nichts weniger als die Welt, nichts weniger als die eigene Hoheit über ihr Leben und sie nimmt dafür sogar in Kauf, sich selbst dem König aller Götter entgegenzustellen.

„Tausend Geschichten über Tod und Dunkelheit und keine einzige über eine geraubte Frau. Ich riskiere alles auf der Grundlage von Märchen. Aber zu bleiben, scheint mir gefährlicher zu sein.”

Obwohl ihr durch die Zauber, die über der Insel liegen, eine Flucht unmöglich gemacht wird, findet sie ein Hintertürchen - nämlich die Flucht nach unten. Als Göttin der Blumen gelingt es ihr, den Boden unter ihren Füßen zu öffnen, um sich Zutritt zum Reich des Hades zu verschaffen. Der ist wenig begeistert und wird durch einen Trick ihrerseits zur Gastfreundschaft gezwungen.

Nach und nach lernen sich die beiden besser kennen und Kore bekommt die Zeit und die Möglichkeit, sich selbst endlich wirklich kennenzulernen. Denn in ihr steckt viel mehr als nur das Erschaffen von Blumen und das Hübschsein. So viel mehr, dass sie nun auch endlich ihren falschen Namen ablegen und sich selbst einen passenderen geben kann: Persephone – die Chaosstifterin.

Eine Götterwelt in Aufruhr

In den letzten Jahren sind einige Bücher mit Neuerzählungen der alten Göttersagen auf dem Buchmarkt erschienen. Erzählen die traditionellen Geschichten eher von männlichen Machtstrukturen, Kriegen, Kämpfen und sehr fragwürdigem Paarungsverhalten, sind nun häufig Frauen die Heldinnen der Geschichten, in denen sie sich gegen die alten Strukturen auflehnen und sie teilweise aufbrechen.

Schon der Titel Girl, Goddess, Queen verrät, dass sich Kore aus der ihr aufgedrängten Rolle befreien und ungeahnte Kräfte entwickeln wird. Doch bis dahin ist der Weg lang, denn in ihr wurde durch die Geschichten der Mutter eine, sicher nicht unberechtigte, Angst vor der Männerwelt eingepflanzt, die tiefe Wurzeln geschlagen hat. Ihre größte Angst ist die Heirat, die sie zum Eigentum eines Mannes werden lässt und ihr alle Möglichkeiten eines selbstbestimmten Lebens, nach dem sie sich so sehnt, zunichtemachen wird. Auch die Erziehungsmethoden von Demeter, die selbst sehr unter der Fuchtel von Zeus steht, hinterlassen tiefe Spuren. Durch sie wurde Kores Natürlichkeit, ihre Liebe zur Freiheit immer wieder eingezwängt in schöne Kleider, strenge Zöpfe und Maßregelungen.

Kore sucht nun in der Unterwelt von Hades Zuflucht, weil der sich vom Hofe ihres Vaters Zeus fernhält und weil ihr das Unbekannte sicherer erscheint als die vorbestimmte Zukunft. Tatsächlich stellt sich Hades als sehr anders heraus, als sie – und die Leser*innen – es sich so vorstellen. Er genießt seine Abgeschiedenheit in der Tiefe und fürchtet durch Kores Aufenthalt um seine Ruhe.

Zwischen beiden entsteht eine Freundschaft, die vom guten Schlagabtausch und ihrer absoluten Unterschiedlichkeit lebt. Während zum Beispiel Kore so gar nicht gerne liest und stattdessen lieber in Aktion tritt, übernimmt Hades die Recherchearbeit für ihr großes Projekt: Nichts weniger als der Umbau der Unterwelt.

Bea Fitzgerald nimmt die Randgeschehnisse der Originalsage und erzählt Kores Entwicklung zu Persephone aus deren eigener Sicht. Sie entwickelt sich von einem verwirrten und verzweifelten Mädchen zu einer starken Königin, die gleichberechtigt neben Hades zum ersten Mal selbst Entscheidungen trifft und ihre wahre Natur als machtliebende und Göttervater-zur-Weißglut-treibende Frau erkennt.

Während sich der Beginn des Romans etwas zäh liest, unterhalten die Streitigkeiten und die stürmisch-verzehrende Liebe der beiden so Missverstandenen aufs Vorzüglichste, bis ein Missverständnis zu viel wieder für Augenrollen sorgt. Das manchmal etwas übertriebene Hin-und-her der Gefühle und Kores sehr komplizierte Beziehung zu Männern und zur Mutter sind zwar sehr fortschrittlich und tiefgründig geschildert, sorgen aber häufig auch dafür, dass sich die Geschichte etwas im Kreis dreht.

Dafür ist Kores/Persephones Einfluss auf die Unterwelt und auf die Götterwelt allgemein und Hades wahrer Charakter sehr überraschend und originell und machen wirklich Spaß zu lesen.

Fazit

Girl, Goddess, Queen ist eine originelle, wunderbar empowernde Geschichte für junge Erwachsende, die neue Vorbilder schafft und auf sinnlich-kämpferische Weise traditionelle Erzählungen neu entwirft. 

Girl, Goddess, Queen

Bea Fitzgerald, cbj

Girl, Goddess, Queen

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