Skandal & Vorurteil

  • Loewe
  • Erschienen: Januar 2023
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übersetzt von Anne Brauner; Broschur, 384 Seiten

ISBN: 9783743215542

Skandal & Vorurteil
Skandal & Vorurteil
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Theresa Mürmann
7101

Jugendbuch-Couch Rezension vonFeb 2023

„Stolz und Vorurteil“ trifft Gegenwart

Nie hat sich Georgiana Darcy in ihrem Leben schlechter gefühlt als bei der Rückkehr an die Pemberly Academy. Nach den Vorkommnissen des letzten Schuljahres verfolgt ihr nerviger Bruder Fitzwilliam Darcy jeden ihrer Schritte an dem Eliteinternat. Und an den Verursacher der ganzen Misere, Wickham Foster, will Georgie am liebsten gar keinen Gedanken verschwenden. Nicht so leicht, wenn Letzterer sie einfach nicht in Ruhe lässt und dabei ihre Gefühlswelt erneut durcheinander bringt. Aber Georgie bleibt standhaft und hat nur noch ein Ziel: Sie will die perfekte Darcy werden, der nichts und niemand etwas anhaben kann.

Die perfekte Darcy

Jane Austen Fans aufgepasst, denn hier kommt eine moderne Version des weltberühmten Klassikers „Pride and Prejudice“ aus dem Jahr 1813. Die US-amerikanische Autorin Amanda Quain hat sich an einem Retelling der Story versucht und entspricht damit einerseits der momentanen Begeisterung für die Zeit der „Regency“ à la „Bridgerton“, auch wenn die Handlung in der Gegenwart spielt. Denn ein Hauch vom 19. Jahrhundert ist auch in Skandal & Vorurteil versteckt. Auf der anderen Seite haben Geschichten rund um Schüler*innen von Eliteschulen, Geld und Intrigen ein großes Publikum, wenn man an Serien wie „Young Royals“ oder „Élite“ denkt. Wer sich außerdem gerne in Fanfiction-Foren aufhält, teilt schon eine Vorliebe mit Georgie.

Um die Anlehnungen an die Romanvorlage zu finden, braucht man kein Jane-Austen-Experte zu sein. Es fängt bereits bei den Namen der Protagonistin und weiterer Figuren an: Georgiana Darcy, ihr Bruder Fitzwilliam sowie sein Gegenspieler Wickham, bei dem man unwillkürlich an Rupert Friend aus dem Verfilmung von 2005 denken muss. Aber auch die Bennet-Schwestern treten mit Elizabeth, Jane und Lydia auf. So ist es auch kein Zufall, dass die Schule nach dem Landgut von Fitzwilliam Darcy aus „Stolz und Vorurteil“ benannt wurde.

Neben der Spurensuche nach Austen-Vergleichen geht es aber natürlich auch um die Handlung. Georgie hat sich in der Vergangenheit vom einnehmenden und manipulativen Charakter Wickham Fosters blenden lassen und so nicht nur ihre Freunde, sondern auch ihr Ansehen an der Pemberly-Academy verloren. „Liebe macht blind“ trifft in ihrem Fall eindeutig zu, denn Wickham hat ihr Zimmer im vergangenen Schuljahr als Drogenumschlagplatz verwendet – ohne dass Georgie davon etwas mitbekommen hat. Ihr Bruder Fitz kam dahinter, verachtet seitdem den Freund aus Kindheitstagen zutiefst und hat dafür gesorgt, dass seine Schwester nicht von der Schule fliegt. Er selbst hat das College gewechselt, um in den Nähe des Internats zu wohnen und Georgie nicht mehr aus den Augen zu lassen. Diese ist vom Kontrollwahn ihres Bruders absolut genervt und wünscht sich ein bisschen Unabhängigkeit.

Als Georgie nach einer Auszeit an die Pemberly-Academy zurückkehrt, meldet sich Wickham wieder bei ihr. Sie kann dem Drang widerstehen, sich erneut auf ihn einzulassen, jedoch muss sie einen Deal mit ihm eingehen. Er lässt sie erst in Ruhe, wenn sie den Wechsel zu einer perfekten Darcy schafft und ihr Bruder Fitz dies in aller Öffentlichkeit zugibt. Man merkt es wahrscheinlich schon beim Lesen der Zusammenfassung, dass die Story an sich etwas konstruiert ist. Die Abmachung mit Wickham ist nicht wirklich plausibel, bringt aber natürlich die Handlung in Gang.

Georgie hat nun ein Ziel vor Augen: Ihre Noten in der Schule zu verbessern, sich in der Band als Posaunistin wieder einen Namen zu machen und natürlich Freunde zu finden. Sie hat Glück, dass Avery sich im Gegensatz zu den anderen Mitschüler*innen nicht vollkommen von ihr abgewandt hat. Die beiden knüpfen an ihre frühere Freundschaft an und vielleicht wird es auch etwas mehr? Denn die Liebe darf in einer Jane-Austen-Adaption natürlich nicht fehlen. Klar, dass das auch für Fitz und Lizzie Bennet gilt, die in diesem Fall von Georgie miteinander verkuppelt werden sollen.

Der schwache Spannungsbogen wird durch den überzeugenden Schreibstil ein bisschen aufgefangen. Die Autorin schafft es tatsächlich, die Ironie und den Humor einer Jane Austen in gewisser Weise nachzuahmen, ohne dies zu offensichtlich zu tun. Wer also Bedarf an einer romantischen, vielleicht nicht ganz ernst zu nehmenden Lektüre hat und im Idealfall zumindest einen der „Stolz und Vorurteil“-Filme gesehen hat (kein Muss), kann hier gut unterhalten werden.

Fazit

Ein Jane-Austen-Retelling mit ein paar Schwächen im Handlungsaufbau, aber eine Liebesgeschichte der etwas anderen Art, die vor allem von ihrem Humor und der Überzeugung, nicht alles immer so ernst zu nehmen, lebt.

Skandal & Vorurteil

Amanda Quain, Loewe

Skandal & Vorurteil

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