Godland

  • Fischer
  • Erschienen: Februar 2023
  • 0

Hardcover, 336 Seiten

ISBN: 9783737343114

Godland
Godland
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Sabine Bongenberg
8101

Jugendbuch-Couch Rezension vonApr 2023

Nicht alles wird zu Ende erzählt

Als die Erde zunehmend unbewohnbar wurde und die Menschen einsahen, dass nicht ein glänzendes Metall, sondern ein Glas Trinkwasser das kostbarste Gut war, da war es für die meisten schon zu spät. Sie kamen in den so genannten „Klimakriegen“ ums Leben. Einige aber konnten sich auf kleine, künstliche Plattformen im Meer retten und führen hier unter der Leitung des Computers „Godmother“ eine neue Existenz. Jeder Arbeitsschritt wird geplant, jede Ressource wird immer und immer wieder verwertet und jeder beteiligt sich an den Arbeiten, die das Überleben für alle sichern. Wer hier außerordentliche Leistungen erbracht hat, kann am Ende seiner Arbeitszeit auch noch eine besondere Belohnung erhalten: Ihm winkt das Paradies, kann er doch in die virtuelle Welt „Godland“ hochgeladen werden, die alle Wünsche erfüllt. Dennoch – für dieses Paradies sind immer größere Anstrengungen zu erbringen und das Leben auf den Plattformen im Meer wird immer härter. Das fällt auch irgendwann der 15jährigen Yolanda auf und auch wenn sie „Godmother“ immer vertraut hat und sie tatsächlich wie eine Mutter empfindet, sind das Dinge, vor denen auch sie langsam nicht mehr die Augen verschließen kann.

Ein beängstigender Blick auf die Zukunft der Menschheit

Vielleicht wäre die Aussicht auf das Leben auf einer Plattform mitten im Meer vielleicht gar nicht mal so schlecht. So könnte man denken. Könnte man von dieser Plattform auch wieder weg, gäbe es genügend zu essen und wäre dieses Essen wenigstens ein bisschen natürlich und ein wenig schmackhaft. Martin Schäuble lässt seine Überlebenden der „Klimakriege“ unter der immer gerechten und durchdachten Leitung von „Godmother“ aber nichts Gutes erleben: Das wenige Essen kommt aus dem Labor, die Ausrüstung fällt auseinander und mittlerweile scheinen auch die Menschen, die sich um die künstliche Insel kümmern müssen, nicht mehr an diese Lebensform zu glauben. Überall hakt und ruckelt es und nur der alles steuernde Computer scheint diese Probleme nicht sehen zu wollen. Dennoch schafft er es seine Arbeiter - die „Analogen“ - unter seiner Fuchtel zu halten und die Kontrolle zu bewahren.

Schäuble erzählt Gruseliges aus der schönen neuen Welt: Wenn ein Computer beispielsweise zu dem Ergebnis kommt, dass sich die Bevölkerung verjüngen muss, so wird zielgerichtet und klar entschieden, wie dieses Ziel erreicht werden kann und so sehen sich plötzlich Menschen als reines „Zuchtmaterial“.  Verschiedene Ideen dieser Art sind spannend und mitreißend erzählt. Was mir allerdings nicht gefiel, war, dass viele dieser Einfälle nur angerissen wurden und als Nebeninformation im Bild blieben. So entschied „Godmother“ offensichtlich, dass eine Etage der künstlichen Insel „gesäubert“ werden musste. Was aber wurde aus ihren Bewohnern? Wieviel wurden von der Säuberung betroffen? Wie konnte eine Maschine so etwas durchsetzen? Diese Fragen wurden nicht geklärt und genau wie bei anderen Einschüben, die aber nicht bis zum Ende entwickelt wurden, lässt das ein unbefriedigendes Gefühl zurück ...

Viele Themen – zu wenige Lösungen

Schäuble beschreibt, wie die technische Ordnung sich langsam zu einem lebensfeindlichen System entwickelt, das eigentlich nur noch dem Zweck dient, die computergesteuerte Ordnung irgendwie zu stützen. In dieser Erzählung tun sich aber unglücklicherweise Lücken auf. Die Heldin Yolanda und ihre beiden besten Freunde, Tian und Silver entdecken alsbald, dass auf der Plattform nicht alles so geschmeidig abläuft, wie der Rechner es darstellen möchte. Offensichtlich werden wichtige Einrichtungen sabotiert und Fehlinformationen an das Plattformteam ausgegeben. Sonderlich viel passiert aber - zum Beispiel im Hinblick auf eine Revolte - nicht. Schäuble treibt die Handlung im Gegenteil immer weiter und so wuchs für mich langsam die Zahl der unbeantworteten Fragen. Was ist passiert mit Yolandas Familie bei ihrer Flucht? Wer sabotiert warum Abläufe der künstlichen Insel? Vor allem blieb mir unklar, was eigentlich beim letztendlichen „Hochladen“ nach „Godland“ passiert. Wenn denn irgendwie ein Gehirn, eine Seele oder meinetwegen auch Gedanken irgendwo hingeladen werden, bleibt doch letztendlich noch ein lästiger Körper über. Was macht man denn mit dem? Sofern die Frage des Hochladens lediglich ein staatlicher Mord wäre - was ja im Science Fiction keine neue Idee wäre - bleibt das Buch hier eine Antwort schuldig.

Fazit

Martin Schäuble schildert spannend das computergesteuerte Leben in einer „schönen, neuen“ Welt, reißt viele Themen an - lässt aber auch zu viele Fragen offen.

Godland

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