Sex in echt

  • Migo
  • Erschienen: September 2022

Illustrationen von Sandra Bayer; Broschur, 128 Seiten

ISBN: 9783968460932

Sex in echt
Sex in echt
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Kathrin Walther
10

Jugendbuch-Couch Rezension vonDez 2022

Love, Sex und viele Fragen: Her mit den Antworten!

Aufklärungsunterricht in der Schule gehört bei den meisten Schülern nicht zu den Lieblingsthemen. Viel zu peinlich ist es den meisten doch, in Gegenwart der Mitschüler über Sex, Verhütung und Liebe zu sprechen. Zudem geht der Unterricht oft auch nicht über klassisches Anatomiewissen des männlichen und weiblichen Geschlechts hinaus. Zusätzlich werden noch Themen wie der Zyklus, der meist mit 28 Tagen angegeben wird, und Schwangerschaft sowie Verhütung behandelt, doch das war es dann meistens auch schon. Dabei haben die meisten Jugendlichen in diesem Alter eine Menge Fragen, was körperliche Veränderungen, Sexualität und Beziehungen angeht, die aber einerseits nicht zum Lehrplan passen und die sie andererseits niemals vor versammelter Klasse fragen würden. Was tun? Damit weder falsche Informationen aus dem Internet noch Unwissenheit die Zukunft bestimmen, finden sich in „Sex in echt“ eine Menge Antworten auf viele Fragen, die im Laufe der Pubertät rund um das Thema Sexualität auftauchen können.

Was erwartet mich?

Das Buch teilt sich in insgesamt elf Kapitel auf. Nach einem kurzen Vorwort und Kapitel 1 „Enjoy the ride!“, in dem die beiden Autorinnen kurz erklären, warum sie ihr Buch geschrieben haben und welchen Mehrwert es seinen Leser*innen liefert, geht es im zweiten Kapitel „Lust und Unlust: Deine Fünf Sinne – und der Kopf“ um verschiedene Formen von Lust und Gefühlen. In den nächsten beiden Abschnitten „All Bodies are beautiful“ und „Solosex“ steht Body positivity und das Kennenlernen des eigenen Körpers und seiner Vorlieben im Vordergrund. Anschließend geht es mit „LGBTQIA+, Hetero & Co“ weiter, in welchem sich alles um das Finden der eigenen sexuellen Orientierung dreht und gezeigt wird, wie viele Formen von Liebe es gibt. Die nächsten Abschnitte „It’s a match – Dating, Liebe und Beziehungen“ sowie „Let’s talk about sex, baby!“ befassen sich mit den ersten eigenen Erfahrungen und geben Tipps, Hinweise und Anregungen und machen auch Mut, wenn es nicht direkt klappt, wie man es sich vorgestellt hat. Wo es um Sex geht, darf natürlich auch das Thema Verhütung nicht fehlen, womit es im nächsten Abschnitt weitergeht. Den Abschluss machen dann noch „Sex Toys“ und „Voll Porno“, bevor alles in einem „Happy End“ oder vielmehr einem kurzen Nachwort endet.

Aufklärung muss nicht uncool sein

Sex in echt deckt eigentlich alle Themen ab, die Jugendliche zum Thema Sexualität interessieren, sich aber meist niemanden zu fragen trauen. Dabei ist es egal, ob bereits eigene Erfahrungen gemacht wurden, man noch ganz am Anfang steht oder neugierig ist, was es alles für Möglichkeiten gibt. Die Texte sind meist in mehrere kürzere Abschnitte mit Zwischenüberschriften unterteilt, sodass sich auch nicht so lesebegeisterte Teenager schnell orientieren können und nicht von Wörterfluten abgeschreckt werden. Durch das direkte Anreden der Leserinnen und Leser mit „Du“ fühlt sich jeder direkt angesprochen und mitgenommen, was die Distanz zum Gelesenen nimmt. Auch durch die verwendete Alltagssprache, die sich durch Anglizismen und lebendige Sprache äußert, erinnert das Buch an vielen Stellen eher an ein Gespräch unter Freunden als an einen „Ratgeber“: „Und was kann passieren, wenn dein Crush ebenfalls in dich verknallt ist? BÄM! Ihr könnt eine Beziehung anfangen – aber woran merkst du, dass ihr zusammen seid? Am besten, ihr redet drüber! Dann wisst ihr, was Sache ist.“

Die freche und unkonventionelle Art zeigt sich auch in den Bildern, die in knalligen Farben und modernem Stil auf den Punkt bringen, was in den Texten thematisiert wird. Besonders hervorzuheben ist an dieser Stelle die dargestellte Vielfalt im Buch, die sich nicht nur in den Illustrationen, sondern auch im Inhalt wiederfindet. Anstatt sich nur an binäre Menschen zu richten, nimmt das Buch alle mit, egal welche sexuelle Identität vorliegt. Auch dass sich das Aussehen der Geschlechtsorgane unterscheiden kann, es keine „Norm“ gibt, von der man selbst abweicht, wird deutlich und nimmt vielen die Angst, nicht „normal“ zu sein. Aktuelle Themen wie Body positivity werden aufgegriffen, genauso wird auf Alternativen zu den gängigen Periodenprodukten hingewiesen oder auch auf einen sensiblen Umgang mit Genderzuordnungen aufmerksam gemacht.

An vielen Stellen im Buch gibt es Platz für eigene Gedanken zum Thema, um sich selbst besser kennenzulernen. Theoretisch eine gute Idee, ob diese Seiten jedoch wirklich benötigt werden und jemand in ein „offenes“ Buch solch intime Gedanken schreiben möchte, ist fraglich. Schließlich ist nicht sicher, dass das Buch nicht doch einem spionierendem Geschwisterkind oder neugierigen Eltern in die Finger gerät, sodass wahrscheinlich lieber ein zusätzliches Blatt oder ähnliches verwendet wird.

Fazit

Insgesamt ein empfehlenswertes Buch, welches einen hilfreichen Wegweiser im Dschungel der vielen Fragen und Unsicherheiten bietet, die die Pubertät mit sich bringt. Es liefert konkrete Antworten zu Themen, die sonst oft unausgesprochen bleiben, da der richtige Ansprechpartner fehlt. Dadurch, dass in allen Kapiteln Wert auf sexuelle Vielfalt gelegt wird, nimmt das Buch alle mit und zeigt, dass es nicht ein „Normal“, sondern ganz viele verschiedene Formen von „normal“ gibt!

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