(Not So) Amazing Grace

  • Moon Notes
  • Erschienen: Juli 2022

übersetzt von Rita Gravert; Broschur, 368 Seiten

ISBN: 9783969760246

(Not So) Amazing Grace
(Not So) Amazing Grace
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Kathrin Walther
9

Jugendbuch-Couch Rezension vonJul 2022

Nicht nett, dafür aber „echt“

Grace ist nicht gerade das, was man ein „nettes Mädchen“ oder eine sympathische Schülerin nennen würde. Mit ihren 15 Jahren ist sie ziemlich gut darin, anderen die kalte Schulter zu zeigen, da sie keine Lust auf künstlichen Smalltalk, oberflächliche Beziehungen oder tiefere Freundschaften und Bekanntschaften hat. Dummerweise wurde sie von ihren Eltern auf ein drittklassiges Internat geschickt, wo sie bedingt durch ein Doppelzimmer, gemeinsame Mahlzeiten im Speisesaal und die üblichen Schulstunden menschlichen Kontakten nur schwer aus dem Weg gehen kann. Zu allem Überfluss hat sie auch noch riesigen Liebeskummer, da Mr. Sorrentino, ihre große Liebe und leider auch ihr Biolehrer, ihr nach einer Theateraufführung seine Verlobte vorstellt, womit all ihre Zukunftspläne mit einem Mal zerstört sind.

Als sie kurze Zeit später während einer geschwänzten Bio-Stunde beobachtet, wie ein neuer Schüler von drei Schulrowdys verfolgt wird, holt sie ihre Steinschleuder aus der Tasche und rettet ihn somit vor seinen Verfolgern, dessen Anführer sie schmerzhaft an der Backe trifft. Dumm nur, dass der auf diese Weise gerettete Wade von nun an immer wieder versucht, mit ihr ins Gespräch zu kommen und ihren Kontakt sucht. Dabei will sie doch eigentlich gar nichts mit ihm zu tun haben und lieber weiter Rache an Mr. Sorrentino nehmen und ihren trüben Gedanken nachhängen. Doch Wade lässt nicht locker, sodass sie ihm schließlich sogar erlaubt, sich beim Essen zu ihr zu setzen. Gegen ihren Willen muss sie sich irgendwann eingestehen, dass sie Wade doch um einiges lieber mag, als es ihr eigentlich recht ist.

Alles könnte so schön sein, wären da nicht die Ratschläge der coolen Beth, die sich in Sachen Liebe, Sex und Beziehung gut auszukennen scheint und Wades Erzfeind Derek, mit dem Grace einen unverzeihlichen Fehler begeht…

Sympathisch unsympathisch

Mercedes Helnwein hat mit Grace eine Protagonistin erschaffen, die trotz ihrer abweisenden und unsympathischen Art sympathisch ehrlich, unverstellt und echt ist. Klar, macht sie sich auf diese Weise nicht gerade viele Freunde, doch ist sie zwischen all den perfekt gestylten Mädchen, denen gute Noten, perfektes Aussehen und die Bewunderung der Jungen wichtig ist, erfrischend anders und vor allem nicht oberflächlich. Gespielte Freundlichkeit gibt es bei ihr nicht, bei ihr ist sofort klar, wen man vor sich hat. Doch die Freundschaft zu Wade stellt ihr komplettes Weltbild auf den Kopf, ihm gelingt es, ihre harte Schale zu knacken und die Grace zu finden, die sich unter dem Panzer der Unfreundlichkeit verbirgt.

Im Laufe des Romans macht Grace viele Schritte auf dem Weg zum Erwachsenwerden durch, lernt zu lieben, anderen Menschen zu vertrauen, macht Fehler und lernt unterschiedlichste Charaktere kennen und schätzen, auf die sie sich zuvor nie eingelassen hätte.

Über insgesamt 368 Seiten gelingt es der Autorin einen Roman zu verfassen, der bis zum Ende offenbleibt, viele Wendungen und vor allem tiefe Gefühle beinhaltet. Der Leser leidet zunächst mit Grace, als sie die Wahrheit über ihren Biolehrer erfährt, erlebt, wie sie die erste große Liebe findet und leidet mit ihr, als alles zusammenbricht und sie tief in einen Strudel aus Verzweiflung und Selbsthass versinkt. Durch die vielen Wendungen fällt es schwer, das Buch aus der Hand zu legen, schließlich will man wissen, wie es für Grace weitergeht, ob die Liebe am Ende siegt und noch eine Chance bekommt oder das Schicksal andere Wege geht.

Fazit

Ein rundum gelungener Roman, der vor allem durch seine ungewöhnliche aber vor allem „echte“ Protagonistin überzeugen kann. Die Story ist abwechslungsreich und interessant erzählt und bleibt bis zur letzten Seite spannend!

(Not So) Amazing Grace

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