Hey, Kiddo

Hardcover, 320 Seiten

ISBN: 9783743210646

Hey, Kiddo
Hey, Kiddo
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Kathrin Walther
9

Jugendbuch-Couch Rezension vonJul 2022

Aufwachsen im Schatten der Drogensucht

Normal lässt sich Jarrets Kindheit nicht nennen. Schon die Reaktionen auf seine Geburt, als seine Mutter erst anhand seiner Hautfarbe erkennt, wer nun eigentlich sein Vater ist und ihn einfach nach einem Laster benennt, der ihr auf dem Highway begegnet ist, zeigt, dass Jarrets Mutter sich von den meisten Müttern ziemlich unterscheidet. Seitdem sie 13 ist, ist sie heroinabhängig, hat wechselnde Männerbekanntschaften, ist aufgrund ihrer Sucht kriminell und verkehrt in schlechten Kreisen. Lebt er die ersten Jahre noch bei ihr, ändert sich dies schließlich, als ihn seine Großeltern noch vor dem Eintritt in die Schule zu sich holen. Warum ist Jarret lange nicht klar, zudem vermisst er seine Mutter trotz aller Vernachlässigungen sehr.

Seine Großeltern, die bereits fünf Kinder großgezogen haben, kümmern sich verantwortungsvoll um ihn, zudem gibt es noch viele Tanten, Onkels, Cousins und Cousinen, sodass er inmitten einer großen Familie aufwächst. Seine Großeltern selbst sind schon etwas speziell, beide trinken gerne das ein oder andere Gläschen, es wird geraucht und geflucht, wobei sie Jarrett nach bestem Wissen und Gewissen großziehen, auch wenn ihr Erziehungsstil einer anderen Zeit entstammt.

Schon früh entdeckt Jarrett seine Leidenschaft zum Malen und zeichnet besonders gerne Comics, in denen er viele seiner Sorgen und Ängste verarbeitet. Nach und nach begreift er, was mit seiner Mutter los ist, wieso sie ihn so unregelmäßig besucht und was Heroinsucht bedeutet. Ganz unverhofft lernt er auch seinen Vater kennen und erfährt, dass er „richtige“ Halbgeschwister hat.

Wie er mit seinem alles andere als leichten Leben klarkommt, wie sich die Beziehungen zu seiner Mutter und seinem Vater sowie seiner restlichen Großfamilie entwickelt und welche Rolle das Zeichnen in seinem Leben spielt, lässt sich in der Graphic Novel Hey, Kiddo erfahren.

Vom Sonderling zum Comic-Künstler

Die Suche nach einer interessanten Geschichte, die es sich zu erzählen lohnt, ist manchmal gar nicht so einfach. Bei Jarrett Krosoczkas diente sein eigenes Leben als Vorlage für seine autobiografische Graphic Novel, welches bereits alle „Zutaten“ für ein spannendes Werk mitbringt: eine heroinsüchtige Mutter, deren Sucht lange Zeit ein Geheimnis für ihn blieb, ein Lebenstraum, der Wirklichkeit wird, ein unbekannter Vater, der plötzlich auftaucht und das Aufwachsen bei den Großeltern mit all seinen Höhen und Tiefen.

Aufgeteilt ist das Buch in acht große Kapitel, in denen er seine Geschichte chronologisch erzählt. Angefangen mit „Familiengeschichten“ über „Leben bei Leslie“ (seiner Mutter), „Generationensprung", „Die Enthüllung“, „Stift und Papier“, „Harte Arbeit“, „Geister“ bis hin zu „Suchen und Finden“ begleiten die Leser Jarrett durch sein nicht immer einfaches Leben und sind dabei, wie er von seinen Großeltern von der Sucht seiner Mutter erfährt, sich auf die Suche nach seinem Vater macht oder auch zum ersten Mal am Zeichenkurs teilnimmt, den er von seinen Großeltern geschenkt bekommen hat.

Künstlerische Umsetzung

Besonders gut gelungen ist Jarrett Krosoczka die künstlerische Umsetzung. Durch den Comic-Stil, der sich aus Erzähltext, Bildern und Sprechblasen zusammensetzt, ist der Leser ganz nah am Geschehen und kann die Emotionen und Gefühle des Autors hautnah mitempfinden. Originalbriefe und -fotos machen die Erzählung besonders authentisch und gewähren sehr private Einblicke in die Beziehung zwischen Mutter und Sohn. Aus Gründen der Authentizität sind diese Werke in englischer Sprache abgedruckt, werden jedoch im Anhang übersetzt, sodass es zu keinen Verständnisproblemen kommt.

Farblich und zeichnerisch ist der Comic eher schlicht gehalten. Neben Schwarz, Weiß und verschiedenen Grautönen gibt es nur noch etwas Rot, durch welches Akzente gesetzt oder bestimmte Bildbereiche hervorgehoben werden. Sprachlich orientieren sich die Abschnitte an der Alltagssprache, was allein durch den hohen Anteil wörtlicher Rede zu erklären ist. Im Vergleich zu anderen Graphic Novels lässt sich in diesem Werk die Reihenfolge der Texte und Sprechblasen gut erkennen, sodass nicht erst mühevoll gesucht werden muss, welcher Text als nächstes an der Reihe ist.

Fazit

Hey, Kiddo ist eine rundum gelungene und interessante Graphic Novel, die tiefe Einblicke in das Leben von Jarrett Krosoczka gewährt und zeigt, wie es ist, mit vielen Geheimnissen, bei den Großeltern und mit einer heroinsüchtigen Mutter aufzuwachsen. Eine spannende Lebensgeschichte, die deutlich mach, dass sich trotz schwieriger Umstände alles zum Guten wenden kann!

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