Ich, Adrian Mayfield

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

Molching bei München. Hans und Rosa Hubermann nehmen die kleine Liesel Meminger bei sich auf – für eine bescheidene Beihilfe, die ihnen die ersten Kriegsjahre kaum erträglicher macht. Für Liesel jedoch bricht eine Zeit voller Hoffnung, voll schieren Glücks an – in dem Augenblick, als sie zu stehlen beginnt. Anfangs ist es nur ein Buch, das im Schnee liegen geblieben ist. Dann eines, das sie aus dem Feuer rettet. Dann Äpfel, Kartoffeln und Zwiebeln. Das Herz von Rudi. Die Herzen von Hans und Rosa Hubermann. Das Herz von Max. Und das des Todes. Denn selbst der Tod hat ein Herz.

Couch-Wertung:

9

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Corinna Abbassi-Götte
außergewöhnlich in jeder Hinsicht

Buch-Rezension von Corinna Abbassi-Götte Okt 2009

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "außergewöhnlich in jeder Hinsicht"

Der 17-jährige Adrian Mayfield arbeitet als Ladendiener bei einem Herrenausstatter. Die Arbeit gefällt ihm nicht, doch aus dem armen East London stammend kann er nicht wählerisch sein. Als der exentrische Maler Augustus Trops Adrian bei der Anprobe seines bestellten Anzugs zu nahe tritt, ändert sich alles. Adrian ist zunächst noch entsetzt, bemerkt dann aber mit gemischten Gefühlen, dass er sich eigentlich nie so recht für Mädchen interessiert hat. Dass er eher bei Jungs zweimal hinschaut, merkt er spätestens, als sich ein hübscher Italiener immer wieder in seine Gedanken schleicht.
Als er seine Arbeit verliert, führt ihn sein Weg direkt zu Augustus Trops, und damit eröffnet sich ihm eine ganz neue Welt. Als Malermodell erhält er Zutritt zu den Künstlerkreisen Londons, die vorzugsweise im Café Royal zusammenkommen, trifft sogar auf Oscar Wilde, der die illustre Gesellschaft anzuführen scheint.
Trops vermittelt Adrian schließlich an den zurückhaltenden Maler Vincent Farley, dem er ebenfalls Modell sitzt. Obwohl Adrian großen Gefallen an seinem neuen Leben findet, spürt er doch immer wieder deutlich, dass er auf sich allein gestellt ist.
Außerdem gelingt es ihm nur mühsam, das dichte Netz aus Verschwörungen, Intrigen und Geheimnissen zu durchblicken. Homosexualität stand im London des 19. Jahrhunderts unter Strafe, und so wird es auch für Adrian immer gefährlicher.

Bereits der Titel deutet darauf hin, dass die niederländische Autorin Floortje Zwigtman Adrians Geschichte in der Ich-Perspektive erzählt. Sich mit Adrian anzufreunden fällt daher sehr leicht. Bereits auf der ersten Seite schmunzelt man über diesen ehrlichen und unverfälschten jungen Mann, der in seiner Vergangenheit zwar schon einige Höhen und Tiefen überwinden musste, dem aber auf der anderen Seite, völlig nachvollziehbar, die faszinierende und zum Teil adelige Künstlerwelt mitsamt ihren Ränken völlig fremd ist. Adrian sagt, was er denkt, und er auf charmante Weise ist er stets auf seinen Vorteil bedacht und versucht, das Beste für sich herauszuholen. Diese oftmals schelmenhaft erscheinende Eigenart scheint es gerade dem liebenswerten Augustus Trops angetan zu haben. Natürlich kann er sehr gut auf sich aufpassen, verfügt über ein gesundes Selbstbewusstsein und lässt sich zu nichts zwingen. Bewundernswert an Adrian ist zudem seine Sorglosigkeit. Wenn er Geld hat, gibt er es auch gern für Vergnügungen aus. Er kennt das arme Leben, daher ist es umso verständlicher, dass er völlig hingerissen ist, als Augustus Trops ihn mit ins Café Royal nimmt. Dort trifft er auf Oscar Wilde, der den glanzvollen Mittelpunkt der (überwiegend homosexuellen) Künstler im Café Royal bildet.

Während der Leser durch sorgsam eingestreute Details bereits bemerkt, dass diese kleine, glanzvolle Künstlerwelt in permanenter Gefahr schwebt, ahnt Adrian noch lange nicht, wie brisant die Lage wirklich ist. Homosexualität war gesetzlich verboten, und wie sehr auch Adrian sich vor dem Gesetz in acht nehmen muss, erfährt er erst nach und nach.

Adrian träumt davon, dauerhafter Bestandteil im Kreis um Oscar Wilde zu werden, und er entdeckt seine eigene Homosexualität – und muss sie akzeptieren.
Gleichzeitig wird seine Sehnsucht nach Glück und Liebe immer größer.
Ein wenig Glück findet er schließlich im Atelier von Vincent Farley. Die ruhigen Vormittage, an denen er ihm Modell sitzt, werden ihm immer wichtiger. Doch als die gehobene Gesellschaft London in den Sommermonaten verlässt, lernt er eine weitere zwielichtige Seite von London kennen: das Bordell in der Little College Street, in dem er sich verkauft, um zu überleben.

Floortje Zwigtman lässt sich viel Zeit damit, Adrian mit allen Facetten vorzustellen, sei es nun seine Vergangenheit, seine Familie, seine Arbeit beim Herrenausstatter, seine Freizeitaktivitäten, sein Blick auf London oder seine aktuellen Erlebnisse, Gedanken und Gefühle. Und doch wird es zu keiner Zeit langweilig, was vor allem ihrem Schreibstil zu verdanken ist.
Wie sie das London des ausgehenden 19. Jahrhunderts, die dekadente Künstlerwelt, aber auch das arme Leben vor den Augen des Lesers entstehen lässt, ist faszinierend. Die feine Mischung aus poetischen Beschreibungen, Ernsthaftigkeit und umgangssprachlichen Feststellungen übt dabei großen Reiz aus.
Und über allem schwebt immer und jederzeit Adrians direkter, ehrlicher und mitunter schamloser Blick auf alles.

FAZIT

Das zentrale Thema von "Ich, Adrian Mayfield" ist zweifelsohne die im London des ausgehenden 19. Jahrhunderts unter Strafe stehende Homosexualität.
Floortje Zwigtman erzählt oft augenzwinkernd, dabei aber stets mit großer Ernsthaftigkeit vom 17-jährigen Adrian, der nicht nur seine eigene Homosexualität entdeckt, sondern der schillernden Künstlerwelt um Oscar Wilde erliegt.
Eine fiktive Hauptfigur also, verflochten mit realen Personen im faszinierend geschilderten London um 1900 – "Ich, Adrian Mayfield" bietet außergewöhnlichen Lesegenuss!

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