Aurora - Das Flüstern der Schatten

  • cbt
  • Erschienen: August 2022

Broschur, 400 Seiten

ISBN: 9783570314791

Aurora - Das Flüstern der Schatten
Aurora - Das Flüstern der Schatten
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Sabine Bongenberg
7

Jugendbuch-Couch Rezension vonSep 2022

Phantastische Welten – aber von einigem ein bisschen zu viel

Wer in Hansewall lebt, der muss sich für eine Religion entscheiden: Die einen, die „Sanktiner“ beten zu Sol, der Gottheit des Lichts, die anderen, die „Unheiligen“, verehren die Dunkelheit und ihren Herrscher den Dämon Skaranok. Beide Religionen befinden sich in einem immerwährenden Kampf. Jetzt aber scheint sich das Blatt gewendet zu haben, denn die Sanktiner-Priesterin Aurora Morgenstern hat sich auf einen Kampf mit dem Dämon eingelassen. Sie muss diesen Kampf auch gewonnen haben, denn sonst hätte der Dämon sie getötet. Aber warum kann Aurora sich an nichts mehr erinnern, warum häufen sich um sie herum plötzlich eigenartige Vorkommnisse und warum fühlt sie sich nirgendwo mehr so recht zuhause? Aurora sieht sich schutzlos zwischen vielen Fronten, alle jagen sie und niemandem scheint sie vertrauen zu können. Obwohl – einen gibt es da schon. Das der junge Seefahrer Kaz, der weder an Licht noch an Schatten glaubt, sondern lieber dem Klabautermann vertraut, der in einer leeren Schnapsflasche haust. Er könnte ihre Rettung sein, er könnte ihr helfen, die Wahrheit über ihren Kampf herauszufinden. Kaz aber hat seine eigenen Geheimnisse und möchte auf gar keinen Fall, dass die offenbart werden. Wenn er aber jetzt Aurora hilft, dann ist nichts mehr sicher – auch die am besten gehütete Lüge…

Die Stadt Hansewall und ihre phantastischen Bewohner

Caroline Brinkmann kann in ihrem ersten Band der „Flüsterchroniken“ nicht ihre Liebe zum Meer verhehlen. Überall spielt es eine wichtige Rolle: Da sind die „Seeschwalben“, die raubeinigen und kriegerischen Männer, die die See befahren und zu denen Kaz gehört. Mit Frauen haben sie nur was am Hut, wenn es darum geht, sich an kalten Nächten an ihnen zu wärmen und da das natürlich nicht nach dem großen Bund fürs Leben schreit, bedienen sie sich regelmäßig der Freudennixen, die diese Bedürfnisse – wenn man so will – zu ihrem Beruf gemacht haben. Neben diesen menschlichen Meeresbewohnern gibt es noch die „Undinen“, die als Geschöpfe des Meeres und irgendwo zwischen Mensch und Fisch geboren, ihre eigene schroffe Gesellschaft bilden. Es ist eine phantastische Welt mit vielen Besonderheiten, die Brinkmann hier geschaffen hat und vor diesem Hintergrund lässt sie ihre Heldinnen und Helden den großen Kampf für das Licht – oder auch für die Dunkelheit – ausfechten. Mir gefiel auch gut, dass der Roman – obwohl es zu einer zweibändigen Chronik gehört – eine in sich geschlossene Geschichte erzählt.

Das Buch sprudelt regelrecht vor skurrilen Geschichten und Persönlichkeiten. Sie alle bilden aber nur den Rahmen für die Liebesgeschichten, die hier erzählt werden. Da ist die zarte aber dennoch heldenhafte Aurora, die sich nicht einmal mehr an ihren Namen erinnern kann und die dennoch offensichtlich den Dämon herausforderte und besiegte. In ihrer neuen Hilflosigkeit ist sie aber auf die Hilfe des Seefahrers Kaz angewiesen – der aber wiederum seine eigenen Geheimnisse hüten muss. Da ist Elian, den Aurora in ihrem früheren Leben liebte, an den aber nun keine Erinnerung mehr verblieben ist und da ist Nyx, die Undine, die ebenfalls für Elian brennt, die sich aber die bange Frage stellt, ob dieser ihre Gefühle erwidern könnte. Sie alle erzählen kapitelweise als Ich-Erzähler über die Strudel und Abenteuer in die sie mit Auroras Suche nach ihrem Leben und ihrer Geschichte gezogen werden.

Leuchtkröten, Nachtbomben, Solarpusse, Walrösser, Bluthechte und noch mehr …

Es ist fast unmöglich, diese ganzen Ideen in einer kurzen Besprechung wiederzugeben und das ist auch schon meine einzige Kritik an dem Buch. Mit allen diesen wunderschönen Ideen, mit „Seemöwen“, „Freudennixen“, mit „Undinen“ und den zauberhaften kleinen anderen Erfindungen ist es einfach zu viel, was hier zu lesen, zu verstehen und zu bewältigen ist. Ich fühlte mich bei einigen Wendungen schlichtweg überfordert und auch der für mein Gefühl nicht einfache Plot im Hinblick auf die Religionen und auf Göttinnen, Propheten und wie sie auch sonst hießen, ließ bei mir abschnittsweise einfach nur ein großes Gefühl der Überforderung zurück.

Mir gefielen am besten die eher einfachen Geschichten, die Brinkmann auch mit großem Humor zu berichten weiß. Besonders toll fand ich auch die Person der ungeschlachten Nyx, die mich mit ihrem schwarzen Humor immer wieder zum Schmunzeln brachte. Sie konnte ich auch in der Geschichte am besten verstehen, denn auch wenn wir kein breites Fischmaul und keine große Flosse am Rücken haben, fühlen wir uns nicht auch manchmal einfach nicht gut genug, nicht hübsch genug, zu dick, zu ungeschlacht, zu ungenügend? Hier wird der Begriff des „Bodyshamings“ einmal anders beschrieben und die Zweifel und Ängste toll dargestellt. Was mich dagegen nicht überzeugte, war die Liebesgeschichte. Nicht einmal dabei hat Brinkmann sich darauf beschränkt eine einfache Romanze zu erzählen und auch hier musste noch ein besonderer Dreh eingerichtet werden. Das aber war mir einfach einer zu viel.  

Fazit

Caroline Brinkmann nimmt ihre Leserinnen und Leser mit auf eine phantastische Reise und für mich war vieles so phantastisch und so phantasievoll, dass ich mit deutlich „weniger“ hingekommen wäre.

Aurora - Das Flüstern der Schatten

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