My One & Only

  • LYX
  • Erschienen: Juni 2022

übersetzt von Beate Bauer; Broschur, 432 Seiten

ISBN: 9783736317659

My One & Only
My One & Only
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Rita Dell'Agnese
4

Jugendbuch-Couch Rezension vonJan 2023

Ziel verfehlt: Zu viel von allem

Seit sie ein kleines Kind war, ist Lavender von Angst und Panik begleitet. Die überbehütende Art ihrer Familie macht es nicht besser. So traut sich Lavender auch nicht, gleich voll ins Studium einzusteigen; sie tastet sich quasi an die Sache heran. Ihr zögernder Wunsch, sich am College in einem Studentinnenwohnheim einzumieten, wird von der Familie rundheraus vom Tisch gefegt. So lebt Lavender mit ihrem älteren Bruder und ihrem Zwillingsbruder in einem Haus, das die Eltern in der Nähe des Colleges besitzen. Das Zusammenleben gestaltet sich allerdings schwierig, leidet Lavender doch nicht nur unter den unzähligen Bunnys, die als Gespielinnen ihrer Brüder das Haus bevölkern, sondern auch unter der Nähe zu ihrem engsten Freund aus Kindertagen, Kodiak. Er hat Lavender einst das Herz gebrochen, als er sie von sich stieß. Seither begegnet sie Kodiak mit Ablehnung, obwohl sie ihn nach wie vor liebt. Auch Kodiak selber kann von Lavender nicht lassen, so sehr er dagegen ankämpft. So umkreisen sich die beiden ständig und geraten immer wieder in schwierige Situationen.

Klischee pur

Dieser Roman könnte auch unter dem Motto stehen: «Darfs ein bisschen mehr sein?». Autorin Helena Hunting greift in die Vollen und schießt damit absolut am Ziel vorbei. Dabei fängt alles so vielversprechend und spannend an: Lavender verliert auf dem Rummelplatz kurzzeitig den Kontakt zu ihren Brüdern und gerät in Panik. Das nutzt ein zwielichtiger Mann aus und versucht, Lavender in die Hände zu bekommen. Allerdings – und hier stutzt man das erste Mal – ist es nicht dieses traumatische Erlebnis, das zu Lavenders Ängsten führt, es ist lediglich eine gelungene Einstiegsszene. Der Switch zum frühen Erwachsenenleben von Lavender zeigt, dass sie diese Ängste kaum überwunden hat und sich zu einer – schon nach kurzer Zeit nervig – verschreckten Protagonistin entwickelte. Dazu kommt eine übergroße Portion Klischee: Lavender bewegt sich unter gutaussehenden Sportlern, die nur mit dem Finger zu schnippen brauchen, um ganze Heerscharen dümmlicher Mädels ins Bett zu bekommen. Dass Kodiak mit allen männlichen Attributen, die sich ein junges Mädchen auch nur wünschen könnte, ausgestattet ist, versteht sich von selbst. Die Überfülle wird bestärkt durch das Faible der Autorin für Zwillingspaare – sie treten hier geradezu inflationär auf.

Wendung um 180 Grad

Gerade als man sich durch eine langatmige, mit Wiederholung gespickte, aber zumindest einigermaßen schlüssige Geschichte gekämpft hat und das Gefühl bekommt, wenigstens eine minimale Entwicklung wahrzunehmen, wird alles anders. Das verschreckte Mädchen Lavender erwacht zu einer Art Vamp und gibt sich ihren Sinnesfreuden hin. Dabei taucht sie in alle möglichen Tiefen und Untiefen von Sex ein. Zudem legt die zuvor Ängstliche ein völlig neues Selbstbewusstsein an den Tag. Nachvollziehbar ist diese 180-Grad-Wendung nur sehr beschränkt. Und auch jetzt geht Helena Hunting aufs Ganze: Die Sexszenen, die anfänglich noch eine einigermaßen prickelnde Komponente haben, werden so breitgewalzt, dass man sich unvermittelt fragt, ob die Autorin nicht doch lieber einen Erotikroman geschrieben hätte, statt sich mit einem Buch für junge Erwachsene abzugeben. Die Problemkreise, zu denen es die Triggerwarnung zu Beginn des Buches gibt, werden nur oberflächlich behandelt. So präsentiert Helena Hunting ihrer Leserschaft mit My One & Only ein Leseerlebnis, das ganz schön Schlagseite hat, an der Oberfläche dümpelt, von Wiederholungen und Verdoppelungen lebt und von einem Klischeetopf in den nächsten hüpft. Immerhin tut sie es in einer gefälligen Sprache und mit kleinen unterhaltsamen Sequenzen im großen Teich der Belanglosigkeiten.

Fazit

Wer es liebt, sich in einem großen Becken voller erfolgreichen, schönen, unersättlichen und sportlichen Größen zu tummeln, wird den Roman My One & Only verschlingen. Wer hingegen Wert auf tiefgründigen Inhalt und einen sinnvollen Umgang mit Problemen wie Panikattacken, toxischen Freundschaften oder Selbstverletzungen Wert legt, sollte sich eher auf ein anderes Werk konzentrieren.

My One & Only

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