Like a good Girl

  • cbt
  • Erschienen: Juni 2022

übersetzt von Mareike Weber; Broschur, 512 Seiten

ISBN: 9783570314661

Like a good Girl
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Julian Hübecker
6

Jugendbuch-Couch Rezension vonJul 2022

Chaotisches Durcheinander

In Lorne verschwindet ein Mädchen. Der berüchtigte Fluss Anna soll sie verschluckt haben. Doch wer hat sie hineingestoßen? Es scheint, als würde in dem kleinen Ort etwas gewaltig schieflaufen und auf einen Höhepunkt zusteuern, auf den keiner vorbereitet ist. Wer kann diesen Irrsinn stoppen?

„So ist das, wenn du tot bist. Du kannst nicht mehr erzählen, was als Nächstes passiert.“

Als ein unscharfes Video auftaucht, in dem die Schülerin Emma von einer unbekannten Person in den Fluss Anna gestoßen wird, ist die Kleinstadt Lorne in Aufruhr; denn sie musste vor gar nicht allzu langer Zeit bereits den Tod eines anderen Mädchens verkraften – angeblich Selbstmord. Nun scheint es, als würde die nächste Tragödie passieren. Doch diesmal sieht es nach Mord aus, auch wenn das Mädchen noch nicht gefunden wurde.

Seitdem brechen die Gerüchte nicht ab. Besonders drei Schülerinnen der Jefferson-Lorne-High geraten in den Fokus der Ermittlungen: Claude gilt als Schlampe, vor der kein Typ sicher ist. Sie geriet schon öfter mit dem Gesetz in Konflikt, weshalb ihr jeder die furchtbare Tat zutraut. Avery dagegen lebt scheinbar sorglos: Sie ist Cheerleader-Kapitänin und ihre vermögenden Eltern lesen ihr jeden Wunsch von den Lippen ab; doch hinter der Fassade des perfekten Mädchens steckt eine unsichere Person, die zunehmend unter Druck gerät. Gwen indes ist die Schwester des Mädchens, das Selbstmord begangen haben soll; außerdem ist sie die ärgste Konkurrentin von Emma um das einzige Stipendium für ein renommiertes College. Hat sie Emma daher verschwinden lassen?

Auch wenn die Polizei keinem der Mädchen etwas nachweisen kann, so verstricken sie sich immer mehr in Widersprüche. Was haben sie zu verbergen? Wer spielt ein doppeltes Spiel? Und warum musste Emma verschwinden ...?

Ein anstrengendes Hin und her

Mit knapp 500 Seiten ist das Buch nicht mal eben weggelesen, was man sich eigentlich von einem Thriller wünschen würde. Vielmehr setzt die Autorin auf ein komplettes Bild und überlässt nichts dem Zufall: Langsam, aber stetig baut sie ein Konstrukt auf, das die wahre Tragweite um Emmas Verschwinden erst spät erahnen lässt. Tatsächlich passiert auf den letzten hundert Seiten etwas, das man zuvor vermisst: Die Spannungskurve wird enorm nach oben geschraubt und die Wahrheit hinter den Ereignissen bekommt eine 360-Grad-Wendung – wenngleich man leider schon sehr früh zu vermuten beginnt, wohin diese Reise geht; hier hätte man sich mehr Subtilität gewünscht. Dennoch ist die Autorin für diesen Kniff zu beglückwünschen, weil sie ein ernstes, gesellschaftskritisches Thema anspricht.

Vor dieser Wendung steht man aber leider auf verlorenem Posten: Die Handlung ist sehr unpersönlich, mit den Protagonistinnen wird man nicht wirklich warm und man wechselt sehr oft die Perspektiven. Insbesondere die Tagebuchauszüge von Emma irritieren, weil niemand so in ein Tagebuch schreibt – vor allem mit wörtlicher Rede. Daneben verliert man sehr oft den Faden, weil man urplötzlich wieder ganz woanders ist und daran anknüpfen muss, was viele Seiten zuvor passiert ist. Was Spannung erzeugen soll, hat eher den gegenteiligen Effekt.

Immerhin will man unbedingt wissen, was es nun mit Emmas Verschwinden auf sich hat, und man wird tatsächlich belohnt – auch wenn es das Buch nicht völlig rettet.

Fazit

Reduziert auf die letzten hundert Seiten ist der Roman sehr gelungen. Davor findet sich ein Kuddelmuddel aus stümperhafter Polizeiarbeit, undurchsichtigen Personen und zu vielen wechselnden Perspektiven.

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