15 Tage sind für immer

  • ONE
  • Erschienen: Mai 2022

übersetzt von Svantje Volkens; Broschur, 288 Seiten

ISBN: 9783846601518

15 Tage sind für immer
15 Tage sind für immer
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Julian Hübecker
7

Jugendbuch-Couch Rezension vonAug 2022

Dick und schön sein?

Felipe ist dick, und als solcher muss er sich gegen Mobbing und Beleidigungen wehren. Die Ferien sollen seinen Schutzpanzer erneuern. Doch seine Mutter hat andere Pläne und stimmt zu, seinen attraktiven Nachbarn Caio bei ihnen wohnen zu lassen. Wie soll Felipe die Zeit überstehen, ohne sich komplett zu blamieren? Denn dicke Menschen können schließlich nicht anders – oder?

„Das Gelächter ist am schlimmsten. Denn wenn jemand über dich lacht, entzieht dir das jegliche Hoffnung.“

Felipe sehnt die Ferien herbei; nur dann kann er abschalten von dem ganzen Gerede, dem Mobbing und den Beleidigungen. Denn Felipe ist dick – so richtig dick. Und das macht ihn zur idealen Zielscheibe von Angriffen aller Art. Die Schule wird zum Spießrutenlauf. Es scheint, als wäre dick zu sein eine Einladung für andere, in den Bauch zu pieken oder „Pudding“ zu rufen.

Die Ferien sind daher immer eine willkommene Erholung. Doch diesmal ist ihm das nicht vergönnt: Denn für 15 Tage wird Caio, der im gleichen Gebäudekomplex wohnt, bei ihm und seiner Mutter einziehen, da dessen Eltern auf Reisen sind. Ausgerechnet der gut aussehende Caio, in den Felipe schon lange verknallt ist. Wie soll er die Zeit nur überstehen? Zu allem Überfluss muss Caio auch noch in seinem Zimmer schlafen, da sonst kein Platz ist!

Für Felipe wird es zur Folter, denn seine Unsicherheit macht es ihm schwer, mit anderen zu kommunizieren. Dazu kommt noch, dass er schwitzt, wenn er nervös ist. Zumindest scheint Caio nett zu sein, wenngleich er ständig liest – etwa, um so weniger Zeit mit Felipe zu verbringen? Immerhin weiß Felipes Mama unkomplizierter zu sein, und nimmt Caio herzlich auf. Vielleicht lässt sich so doch das Eis brechen?

„Ich will kein Staubkorn mehr sein, das unbemerkt in der Luft tanzt, es sei denn, die Sonne scheint.“

Der brasilianische Autor Vitor Martins hat nicht einfach einen LGBTIQ+-Roman geschrieben, der stets nach dem gleichen Schema abläuft, sondern ein Thema mit eingebracht, das viele Jugendliche verunsichert: Übergewicht. Gerade durch Social Media hat sich die eigene Körperwahrnehmung stark gewandelt. Ist man außerhalb der dünnen Norm, wird man schnell zur Zielscheibe – wie Felipe am eigenen Leib erfahren muss. Was das mit ihm und seiner Psyche macht, wird glaubhaft rübergebracht.

Für Felipe ist die Geschichte ein enormer Lernprozess, der Schritt für Schritt vonstattengeht. Hier überstürzt der Autor nichts, um die Beziehung zwischen den beiden Jungs voranzubringen, sondern bleibt im realen Rahmen. Nichts wäre unglaubwürdiger, als wenn die psychischen Narben über Nacht einfach verschwinden.

Ansonsten darf man sich aber über eine angenehme Liebesgeschichte freuen. Man muss sich etwas dran gewöhnen, dass ein 17-Jähriger für zwei Wochen nicht alleine bleiben kann, sondern in die Obhut von Nachbarn gebracht werden muss. Erklärt wird dies mit dem Kontrollzwang der Mutter – das kann man in Kauf nehmen. Was aber wirklich fehlt, ist ein Höhepunkt, etwas Dramatik, um Abwechslung in die Geschichte zu bringen. Dann wäre es rundum gelungen gewesen.

Fazit

Übergewicht ist ein Leidensfaktor, der viele Jugendliche betrifft. Dabei geht es nicht nur um die körperliche Gesundheit, sondern vor allem um Ausgrenzung und Mobbing. Das wird glaubhaft in eine süße Liebesgeschichte zwischen zwei Jungs verpackt, die ohne große Höhen, aber auch ohne Tiefen auskommt.

15 Tage sind für immer

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