Für einen Sommer unsterblich

  • Fischer
  • Erschienen: Mai 2022

übersetzt von Maren Illinger; Broschur, 400 Seiten

ISBN: 9783733506803

Für einen Sommer unsterblich
Für einen Sommer unsterblich
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Sabine Bongenberg
9

Jugendbuch-Couch Rezension vonJul 2022

Ein Sommer, von dem ich mir wünschte er wäre nie zu Ende gegangen

Claudines – oder wie sie ihre Freunde nennen – Claudes Leben ist in Ordnung. Es ist nicht hundertprozentig überragend, aber es läuft. Der Schulabschluss steht bevor, sie weiß, zu welcher Uni sie anschließend will und mit der besten Freundin Saz soll es vorher noch auf eine lange Reise durch die USA gehen. Dann platzt die Bombe: ihre Eltern lassen sich scheiden! Anstelle mit ihrer Freundin einen coolen Road-Trip durch die USA zu planen, muss Claude mit ihrer Mutter (!) Urlaub machen und das auf einer Insel (!!), wo ganz bestimmt nie was passiert (!!!) und wo sie dann die ganze Zeit im Haus sitzt und Bücher lesen wird (!!!!). Ganz bestimmt wird es so ausgehen. Oder sagen wir mal so – es hätte so ausgehen können. Denn da ist die Sache mit Jeremiah und mit den Abenteuern und mit der Schatzsuche und mit Küssen auf dem Friedhof und mit einem Sommer, der bitte, bitte nie zu Ende gehen soll.

Liebe Leserinnen und liebe Leser, ich werde jetzt schwärmen. Weil es nicht anders geht, wenn man diesen Roman besprechen möchte. Nach dem Lesen der letzten Seite habe ich das Buch zugeklappt und etwas getan, was ich schon lange nicht mehr getan habe: Von vorne wieder angefangen.

„Das ist es, was passiert, wenn einem die Stimme genommen wird… Man lächelt und lächelt, bis der Mund trocken wird.“

Jennifer Niven lässt in ihrem neuen Roman die 18jährige Claudine Llewelyn Henry in der Ich-Form aus ihrem Leben erzählen. Viele Freunde nennen sie einfach Claude und der Name passt auch zu ihrer direkten Art: Claude weiß eigentlich was sie will und dennoch wird ihr regelrecht der Boden unter den Füßen weggezogen, als sie erfährt, dass sich ihre Eltern scheiden lassen wollen. Niven beschreibt dieses Szenario einfühlsam und dennoch lebendig und selbst als lange, lange erwachsene Leserin konnte ich Claudes Gefühle gut verstehen. Ich war sogar noch richtig sauer auf ihre Eltern, hatten ihr diese doch sogar noch verboten, über die Trennung zu reden.

Niven zeigt feinfühlig und lebendig, wie Claude erlebt, dass ihre Welt einen großen Riss bekommt, wie vieles plötzlich nicht mehr sicher ist und wie zerrissen und verloren sie sich manchmal fühlt. Zu diesem Gefühl der Unsicherheit kommen auch weitere Umbruch-Situationen. Da ist die unzerstörbar wirkende Freundschaft zur allerbesten Freundin Saz, die auch plötzlich nicht mehr so unzerstörbar und einzigartig wirkt. Niven erzählt hier einfühlsam und lebensnah wie sich plötzlich Fragen aufwerfen und einiges in Frage gestellt wird, sie zeigt aber auch, wie sich neue Wege aus den Konflikten ergeben und dass mit den ersten Wandlungen einer Freundschaft nicht zwangsläufig alles verloren sein muss. Mir gefiel gut, dass Claude gelegentlich einfach auch mal sauer auf Saz ist, ihre Gefühle aber nachvollziehbar sind und sich aber vieles auch einfach immer wieder klären lässt.

„Es wird schon. Aber mein Herz glaubt nicht daran.“

Das ist auch ein ganz großes Thema im Hinblick auf den Helden Jeremiah (Miah), der zweite Teil der Liebesbeziehung. Hier finden zwei Teenager mit all ihren Unsicherheiten und Problemen zusammen, einiges soll durch betonte Coolness oder durch Überheblichkeit kaschiert werden, aber das ist am Ende des Tages nicht schlimm. Denn die beiden machen etwas, das ich in vielen Romanen vermisse: Sie SPRECHEN miteinander und wie vieles lässt sich damit regeln! Die Liebesgeschichte zwischen beiden wird zauberhaft erzählt – und es ist nicht alles aus Rosen gemacht und es gibt üble Fehler und manchmal denkt man, jetzt ist alles zu Ende und dann wird alles wieder gut. Natürlich schielt der Leser mit seinen Protagonisten besorgt auf das Ende des Sommers und auch hier ist Niven jenseits von Kitsch ein berührendes Szenario gelungen. Ja, ich habe schon gesagt, ich schwärme und ich finde, es geht nicht anders.

Wer sich jetzt fragt, warum ich aber doch noch einen Punkt abgezogen habe: Neben der Haupthandlung wird noch einiges über Claudes Familiengeschichte erzählt und das war mir ein wenig zu viel.

Fazit

Eine wunderschöne, zarte Sommergeschichte, über das Erwachsen werden, festhalten, loslassen, vermissen, finden und hoffen, die unbedingt als allererstes in den Ferienkoffer muss!

„Ich muss nur noch ein paar Sachen erledigen, und dann finde ich dich.“
 

Für einen Sommer unsterblich

, Fischer

Für einen Sommer unsterblich

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