Siebenmeter für die Liebe

  • dtv
  • Erschienen: Mai 2022

Broschur, 224 Seiten

ISBN: 9783423719117

Siebenmeter für die Liebe
Siebenmeter für die Liebe
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Rita Dell'Agnese
6

Jugendbuch-Couch Rezension vonOkt 2022

Witziger Blick auf die Pubertät

Schlimmer könnte es für Paula nicht kommen: Sie muss nicht nur ihre geliebte kleine Heimatstadt gegen die Großstadt Hamburg eintauschen, sondern sich auch mit ein paar wirklich schrägen Schulkolleginnen auseinandersetzen. Eines ist für sie sowieso klar: Obwohl sie an ihrer Schule ein großes Handballtalent war, will sie sich in Hamburg auf gar keinen Fall einem neuen Verein anschließen. Schließlich haben ihre Eltern sie nicht mal gefragt, ob sie mit dem Umzug einverstanden ist. Doch dann kommt der Sportunterricht und alles wird anders. Denn niemand anders als ihr großes Handballidol Florian Hoffmann wird ihre Klasse unterrichten. Alle Mädchen der Schule geraten umgehend ins Schwärmen. Das muss Paula sofort ihrer besten Freundin und früheren Teamkollegin berichten. Und prompt gerät Freundin Ellen ganz aus dem Häuschen. So nach und nach fragt sich Paula, ob sie es wirklich so schlimm getroffen hat, wie sie dachte. Und auch der große Bruder ihrer neuen Schulkollegin, den sie doch für einen absoluten Doofmann gehalten hat, scheint doch ein paar positive Seiten zu haben.

Typischer Erwachsenenblick

Dass Autorin Dora Heldt vornehmlich humorvolle Belletristik für Erwachsene veröffentlicht, offenbart sich auch in diesem Jugendbuch. Sie erzählt zwar die Geschichte der pubertierenden Paula, die sich in Opposition zu ihren Eltern begibt, doch bleibt der Blickwinkel klar derjenige einer erwachsenen Person. Paula wird als an sich liebenswürdige Teenagerin beschrieben, die jedoch gegen den Umzug in die Großstadt Hamburg rebelliert. Ihre trotzige Verweigerung und die unendliche Geduld ihrer Eltern im Umgang mit der Tochter haben viel Potenzial zum Schmunzeln, wenn sich auch da und dort etwas Ermüdungserscheinungen bei Wiederholungen von Situationen einstellen. Vor allem der Humor, für den die Autorin bei ihren Erwachsenen-Romanen bekannt ist, erhöht den Lesegenuss.

Trotzdem mit Tiefgang

Jetzt den Roman gleich in die Ecke der oberflächlichen Unterhaltungsromane zu schieben, würde dem Buch allerdings nicht gerecht. Denn Dora Heldt spricht darin durchaus ein Thema an, das zu einer Desorientierung von jungen Menschen führen und damit auch familiäre Spannungen erzeugen kann. Die Entwurzelung der Protagonistin Paula und ihr verzweifeltes, wenn auch sehr kindliches Bemühen, das Ganze rückgängig zu machen, hat eine gute Portion Tiefgang. Der Wechsel von der Kleinstadt in die Großstadt verunsichert die Teenagerin. Dazu kommt der Trennungsschmerz, den das Loslassen des vertrauten Umfeldes verursacht. Überzeugend ist, dass der noch um einige Jahre jüngere Bruder Paulas weniger Probleme damit bekundet, sich auf die neue Situation einzulassen. Interessant ist schließlich auch, wie schnell Paula ihre neuen Schulkolleginnen in Kategorien einteilt, die sie aus ihrem bisherigen Leben kennt. Hier kommt das Thema Vorurteil gut zur Geltung.

Neuauflage eines älteren Titels

Der Roman ist eine Neuauflage des 2010 erschienen Buches, was jedoch leider nirgends erwähnt wird. Auch vor mehr als 10 Jahren dürfte die eine oder andere Situation ganz leichte Irritationen hervorgerufen haben, kommt doch manches etwas altbacken daher. Auch sollte man ein Faible für Handball haben, denn im Grundsatz dreht sich die Geschichte sehr stark um diesen Sport. Dennoch verspricht die Lektüre schon aufgrund der gekonnten Schreibweise Kurzweil – und Liebhaber von Happy-End-Geschichten kommen definitiv auf ihre Kosten.

Fazit

Dora Heldt kann unterhaltsame Romane schreiben und stellt das hier ebenfalls unter Beweis. Sie nimmt das Thema „Loslassen“ und „Umzug“ zum roten Faden und lässt ihre Protagonistin einige typische pubertäre Momente erleben. Dies zur Freude all jener, die eine humorvolle Lektüre zu schätzen wissen.

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