The Summer of Lost Letters

  • Carlsen
  • Erschienen: April 2022

übersetzt von Fabienne Pfeiffer; Broschur, 480 Seiten

ISBN: 9783551320506

The Summer of Lost Letters
The Summer of Lost Letters
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Sabine Bongenberg
5

Jugendbuch-Couch Rezension vonSep 2022

Schon ein bisschen sehr getraaaaaaagen

Abby Cohen hatte nie sonderlich viel Kontakt mit ihrer Oma Ruth. Die alte Dame war zuletzt dement geworden und hatte in einem Pflegeheim gelebt. Was ihre Großmutter vorher gemacht, getan, erlebt hatte, kannte sie nur aus groben Zügen. Jetzt aber ist sie verstorben und das Pflegeheim übersendet ihre letzten Habseligkeiten an Abbys Mutter. Vielleicht ist es dem Unwetter geschuldet, dass Abby, die als Einzige zu Hause ist, das Paket aus Langeweile öffnet. Aber ihre Langeweile verschwindet blitzartig, als sie feststellt, dass sich in Omas wenigen Hinterlassenschaften Liebesbriefe befinden. Aber nicht etwa Liebesbriefe an Opa, sondern an einen damals jungen Mann, von dem Abby noch nie etwas gehört hat! Hatte Oma ein kleines Geheimnis von dem niemand etwas wusste?

Abbys Neugier ist geweckt und nachdem sie sich durch die Briefe gewühlt hat, weiß sie ein bisschen mehr: Der junge Mann hieß Edward, stammte von der kleinen Insel Nantucket und offensichtlich waren er und Oma unsterblich verliebt. Aber was ist dann passiert? Warum hat sie nicht Edward, sondern Opa Max geheiratet? Leider kann Opa Max dazu nichts mehr sagen, ist er doch schon lange vor Oma gestorben. Abby beschließt der Sache nachzugehen, beschafft sich kurz entschlossen einen Ferienjob auf Nantucket und reist auf die Insel. Leider scheint man ihren Fragen nicht mit allzu großer Begeisterung zu begegnen. Insbesondere Edwards Enkel Noah ist offensichtlich so einiges daran gelegen, die alten Dinge ruhen zu lassen. Abby hat das Gefühl, dass sie immer wieder vor eine Wand läuft. Aber auch, wenn vieles offensichtlich im Dunkeln bleiben soll – eines weiß sie ganz genau: Noah ist ja schon ein sehr charmanter, gutaussehender junger Mann. Könnte sich möglicherweise die Geschichte wiederholen?

Ruth und Edward, Abigail und Noah

Die US-amerikanische Autorin Hannah Reynolds erzählt in ihrem ersten in Deutschland veröffentlichten Jugendbuch von zwei großen Lieben: Die erste erfuhr Ruth, die als Kind aus Nazi-Deutschland und vor der Verfolgung fliehen musste und sich als junges Mädchen in Edward verliebte. Die zweite Liebesgeschichte ist die ihrer Enkelin Abby, die sich auf die Spurensuche nach Großmutters Romanze macht und dabei Noah, den Enkel Edwards kennen und lieben lernt. Erzählt wird die ganze Geschichte vor dem Hintergrund eines wundervollen, heiteren Sommers auf der Insel Nantucket.

Reynolds nimmt sich dabei insbesondere viel Zeit, das Kennenlernen und Verlieben der beiden Teenager unserer Zeit zu berichten. Man trifft sich am Strand, auf Partys und beim Segeln und hier wird einiges berichtet, was wohlhabende amerikanische Teenager aus einer alten Familie in ihrer Freizeit so unternehmen. Bei einigen Sachen fühlte ich mich fast an die Berichte über die Sommeraktivitäten der Kennedys erinnert. Das war mir aber ein wenig zu episch und auch wenn ich der Freund einer langsam aufgebauten Love-Story bin und sicher nicht meine, dass die beiden Helden auf Seite 30 zum ersten Mal Intimitäten austauschen sollten, wäre ein kleines bisschen mehr Tempo doch ganz gut gewesen. Grob überschlagen passiert allein bis auf Seite 250 zwischen den beiden gar nichts, was über eine reine Sommer-Schwärmerei hinausgehen könnte und irgendwann ist damit der Spannungsbogen schon ein wenig ausgeleiert.

Auch Abbys Nachforschungen konnten mich nicht so wirklich überzeugen. Für das Leben und die Geschichte ihrer Großmutter hatte sie sich vor deren Tod nie interessiert. Aber jetzt, nachdem es zu spät ist, mit der alten Dame noch einmal zu reden, muss sie plötzlich auf Teufel-komm-raus die alten Geheimnisse ans Licht zerren. Irgendwie fehlte mir hier da Verständnis.

Die Halskette, die alle wollen

Übertrieben fand ich auch das Hin und her um die Halskette, die ursprünglich einmal Ruth gehört hatte, aber sich jetzt im Besitz von Edwards Familie befand. Diese Kette wird zum regelrechten Zankapfel und – ehrlich gesagt – ich verstand es nicht. Wenn Oma doch so wichtig war und ein enger Kontakt bestanden hätte, natürlich – dann wäre mir natürlich klar, dass die Enkelin ein wichtiges Erinnerungsstück behalten will. Das war aber nicht so. Warum also ein Drama um eine Sache veranstalten, zu der man keine große Verbindung hat? Oma Ruths Geschichte ist in einem weiteren Handlungsstrang auch in den Holocaust und die Verbrechen an den Juden, die im Dritten Reich Deutschlands stattfanden, eingebunden. Hier geht es zu guter Letzt dann auch um Wiedergutmachung – insbesondere um die Wiedergutmachung finanzieller Art und selbst wenn das natürlich gerecht ist und so sein soll, wusste ich in Zusammenhang mit der Liebesgeschichte nicht so recht, was ich davon halten sollte. Hier schien sich für meinen Geschmack vieles einfach um das Geld zu drehen und die Tragödie, die dahinter stand, verlor an Bedeutung.

Fazit

The summer of lost letters ist eine Liebesgeschichte des Sommers, aber für mein Dafürhalten nicht die Liebesgeschichte des Sommers. Hier haben andere Autoren und Autorinnen schon anders vorgelegt. Wer aber Freude an sehr ruhig erzählten Geschichten und an Verbindungen zur Geschichte hat, der fühlt sich hier bestimmt gut aufgehoben.

The Summer of Lost Letters

, Carlsen

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