Der Geschmack von Glück

  • Carlsen
  • Erschienen: April 2022
  • 1

übersetzt von Ingo Herzke; Broschur, 368 Seiten

ISBN: 9783551320513

Der Geschmack von Glück
Der Geschmack von Glück
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Rita Dell'Agnese
6101

Jugendbuch-Couch Rezension vonAug 2022

Leichte Lektüre für den Sommerurlaub

Ellie wünscht sich nichts mehr, als am Sommerseminar Lyrik in Harvard teilzunehmen. Aber noch weiß sie nicht, wie sie die immensen Kosten dafür aufbringen soll. Zwar jobbt sie für ein paar Wochen in der Eisdiele, doch das bringt nicht genug ein. Und ihre Mutter, die einen kleinen Souvenirladen betreibt, der sich gerade so über Wasser halten kann, will Ellie auch nicht belasten. Wie gut, dass die Mails von GDL sie auf andere Gedanken bringen.

Die erste Mail war per Zufall in ihrem Postfach gelandet, seither schreiben sich Ellie und der Unbekannte regelmäßig und überbrücken so die Breite eines ganzen Kontinents. Der Reiz dabei ist, dass sie voneinander nichts wissen, außer dem, was sie sich im Laufe der Zeit anvertrauen. Doch da empfiehlt GDL, der niemand anders ist, als der umfeierte Teenie-Star Graham Larkin, ausgerechnet die Kleinstadt, in der Elli lebt, als Drehort für seinen neuesten Film vorzusehen. So will er seine Chat-Partnerin unverbindlich kennenlernen. Aber Ellie zeigt keine Ambitionen, die Frau an der Seite des Filmstars zu sein – geschweige denn überhaupt ins Licht der Öffentlichkeit zu treten. Denn sie hütet ein Geheimnis.

Vertrautes Muster

Jennifer E. Smith legt ihrem Publikum hier eine weitere Version des vertrauten Musters „reicher Prinz (oder hier Filmstar) verliebt sich in armes Mädchen“ vor. Sie tut das mit geübter Feder, was den Roman trotz tiefem Griff in die Klischee-Kiste und sehr oberflächlichen Charakteren zu einem netten Leseerlebnis für Teenager macht. Zwar bemühte sich die Autorin, einige Hürden und Überraschungen einzubauen, doch folgt der Verlauf der Geschichte klar dem bekannten Muster und bringt von daher wenig Neues. Bedauerlicherweise verlieren sich fast alle Bereiche, die großes Potenzial aufweisen würden, im Nichts. So wäre etwa die Auseinandersetzung von Ellie mit ihrem Vater ein Schauplatz, der sehr viel mehr hergegeben hätte als die wenigen Szenen. Oder auch die Einsamkeit des jungen Filmstars, dessen Welt sich plötzlich aus den Fugen bewegte. Diese aber wird nur kurz angesprochen und dann durch eine liebenswürdige wenngleich verharmlosende Schrulle in Form des geliebten Hausschweins entkräftet. Hier vergibt Jennifer E. Smith die großen Chancen, den Mainstream zu verlassen und eine tiefgründige Geschichte vorzulegen.

Blasse Figuren

Eine vergebene Chance sind auch die handelnden Figuren. Weder Ellie noch Graham bekommen Tiefe und Inhalt. Sie bleiben farblos, gewöhnlich und austauschbar. Das alles trifft in einem noch größeren Ausmaß auch auf die anderen Charaktere zu. Einzig Ellies Freundin Quinn, eine quirlige Person mit dem Herzen am rechten Fleck, spielt sich mühelos in die Herzen der Leserinnen und Leser, obschon sie lediglich eine Nebenrolle einnimmt. Wären da nicht der lockere und mit einer humorvollen Note versehene Schreibstil der Autorin, sowie die netten Mails mit den Gedanken von Ellie und Graham, käme der Roman über ein unteres Mittelmaß kaum hinaus. Das umso mehr, als das Ende höchst diffus ist und es so wirkt, als hätte man bewusst ein offenes Ende gelassen, um möglicherweise mit einer Fortsetzung nachzudoppeln, sollte die Fangemeinde nach einem solchen verlangen.

Fazit

Als leichte Lektüre für den Strandurlaub ist Der Geschmack von Glück durchaus eine Empfehlung wert. Man sollte allerdings weder Tiefgang noch eine temporeiche Geschichte mit vielen Wirrungen und Wendungen erwarten. Hier wurde zu viel Potenzial verschenkt.

Der Geschmack von Glück

Jennifer E. Smith, Carlsen

Der Geschmack von Glück

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