Summer of Hearts and Souls

  • dtv
  • Erschienen: April 2022

übersetzt von Katarina Ganslandt; Broschur, 320 Seiten

ISBN: 9783423740784

Summer of Hearts and Souls
Summer of Hearts and Souls
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Theresa Mürmann
8

Jugendbuch-Couch Rezension von Theresa Mürmann Mai 2022

Auf der Suche nach einer Umarmung und ein bisschen Liebe

Die 18-jährige Beyah wurde in ihrem Leben noch nie umarmt. Aufgewachsen ist sie, gemeinsam mit ihrer drogenabhängigen Mutter, in einer Trailersiedlung in Kentucky. Als ihre Mom Janean eines Tages an einer Überdosis stirbt, fehlen Beyah nicht nur die Tränen, sondern auch ein neues Zuhause. Denn hier kann sie nicht bleiben. In ihrer Verzweiflung ruft sie ihren Vater Brian in Texas an und fliegt kurzerhand zu ihm und seiner neuen Familie. Dass er neuerdings in einem feinen Sommerhaus residiert, stößt Beyah bitter auf. Doch sie hat keine andere Wahl, als sich den Sommer über auf ihn, seine neue Frau und ihre Stiefschwester Sara einzulassen. Und da ist noch Samson…

Colleen-Hoover-Fans („CoHo“) haben es wohl kaum erwarten können: Der neue New-Adult-Roman der Erfolgsautorin ist da. Und natürlich sind wieder ganz große Gefühle mit im Spiel. Doch es ist kein reiner Sommer-Liebe-Wohlfühlroman, denn die Protagonistin Beyah führt wahrlich kein einfaches Leben: Hunger, Drogenexzesse ihrer Mutter und Liebesentzug – eine wahrhaft schreckliche Kindheit musste Beyah in Kentucky erleben.

Die Verbindung zwischen ihrer Mutter und ihrem Vater bestand wohl nur aus einem One-Night-Stand. Zwar hatte Beyah Kontakt zu ihrem Vater Brian, doch die wenigen Treffen in ihrer Kindheit sorgten nicht dafür, dass sie viel mehr als ihren Erzeuger in ihm sieht. Zumindest finanziell hat er sich eingebracht, auch wenn ihre Mutter das meiste Geld für neue Abstürze auf den Kopf gehauen hat. Nun ist Janean tot. Und Beyah wartet auf ihre Tränen – erst viel später weint sie, jedoch vor allem um die Mutter, die sie nie hatte. Wirkliche Trauer kann Beyah nicht empfinden.

Die Geschichte führt auf schockierende Art und Weise vor Augen, dass auch Menschen westlicher Industrienationen, wie den USA, von Armut, Hunger und sozialer Ausgrenzung betroffen sein können. Insbesondere die Drogenproblematik erschüttert, fordert sie in den USA doch tatsächlich um die 100.000 Todesopfer jedes Jahr. Der Roman betont, wie schwer es für ein Mädchen wie Beyah ist, aus diesem Umfeld auszubrechen, ohne selbst in die Drogenszene abzurutschen.

Doch Beyah ist stark: keinen Tropfen Alkohol trinkt sie und spielt sich in ihrer Volleyball-Mannschaft sogar an die Spitze. Mit Erfolg, denn sie erhält ein College-Stipendium in Pennsylvania. Doch davon erzählt sie ihrem Vater nichts, als sie den Sommer nach dem Tod ihrer Mutter notgedrungen bei ihm in Texas verbringen muss. Auch die Tatsache, dass Janean gestorben ist, verschweigt sie ihm und seiner neuen Familie. Diese große Last trägt Beyah fast den ganzen Sommer mit sich herum.

Ein Spiegelbild ihrer dunklen Vergangenheit findet sie in Samson, der in einem der vielen Ferienhäuser seiner Eltern wohnt. Arm trifft auf reich, und doch merkt Beyah schnell, dass ihre Vorurteile Kindern vermögender Eltern gegenüber bei Samson unangebracht sind. Denn eine gewisse Schwere belastet auch ihn, auch er scheint gebrochen zu sein, genau wie sie. Eine zarte Liebe entwickelt sich zwischen den Beiden. Diese wird jedoch überschattet von dem Geheimnis, das Samson mit sich herumträgt. Während Beyahs Fassade mehr und mehr bröckelt und sie ihm von ihrer Vergangenheit erzählt, bleibt Samson vage. Erst einen Tag vor ihrer Abreise möchte er Beyah die Wahrheit sagen. Denn danach wird nichts mehr, wie es war…

Diese Dunkelheit, die Samson umgibt, macht seinen Charakter gleichermaßen so unnahbar. Kann man ihm trauen? Wer ist er wirklich? Ganz anders dagegen Beyah, die eine unglaubliche persönliche Entwicklung durchläuft. Anfangs abgeklärt, gebrochen und etwas kalt, am Ende gefühlvoll, zufrieden und warmherzig.

Tatsächlich wird an manchen Stellen der Story, was die Emotionen und Gefühle angeht, etwas zu dick aufgetragen. So wird die Metapher der gewachsenen und gebrochenen Herzknochen gegen Ende dann doch etwas zu oft bedient. Die Konversationen zwischen Beyah und Samson schwanken zwischen romantisch-kitschig sowie negativ-beklemmend. Einen Punkt Abzug gibt es leider außerdem für das Ende, das etwas zu schnell herbeigeführt wurde und damit ziemlich an der Realität vorbeigeht.

Fazit

Ein Liebesschmöker mit sehr ernstem Hintergrund und einer überzeugenden Protagonistin. Ein Muss für alle New-Adult-Liebhaber!

Summer of Hearts and Souls

Colleen Hoover, dtv

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