Firekeeper's Daughter

  • cbj
  • Erschienen: März 2022

übersetzt von Claudia Max; Hardcover, 560 Seiten

ISBN: 9783570166017

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Rita Dell'Agnese
7

Jugendbuch-Couch Rezension von Rita Dell'Agnese Mai 2022

Was genau wollte die Autorin erzählen?

Daunis Fontaine ist die Tochter zweier Kulturen. Aufgewachsen bei ihrer weißen Mutter fühlt sie sich dennoch sehr zur Kultur ihres Vaters, eines Native American, hingezogen. Doch wie bei den Weißen gehört sie auch bei den Native American nicht so ganz dazu. So schlängelt sich die 18-Jährige zwischen den Kulturen und ihren jeweiligen Familien durch und bereitet sich auf das College vor, denn sie träumt davon, Medizin zu studieren. Doch in diesem Sommer ist irgendwie alles anders. Zum einen, weil Jamie zum Eishockeyteam stößt, in dem auch ihr gleichaltriger Halbbruder Levi spielt. Jamie hat seine Wurzeln ebenfalls bei den Native American, kennt aber deren Kultur kaum. So führt ihn Daunis in die Gepflogenheiten im Reservat ein. Zum anderen aber geschehen seltsame Dinge: Daunis beste Freundin verschwindet und ihr Halbbruder, mit dem sie bisher eine sehr innige Beziehung gepflegt hat, verändert sich zum Negativen. Zudem wird Daunis unvermittelt mit der Gewalt gegen Native-Frauen konfrontiert.

Von allem ein wenig

Allein das ungewöhnliche Setting – angesiedelt ist der Roman im Ojibwe-Reservat – und die Einblicke in die Kultur der Ojibwe trägt diesen Roman von Angeline Boulley. Die Schilderungen des Lebens im Reservat und die Darstellung der Widrigkeiten, mit denen die betroffenen Menschen zu kämpfen haben, machen ein wenig wett, was dem Plot selber nicht gelingt. Über weite Strecken hinweg fragt man sich, was genau denn die Autorin ihrem jugendlichen Publikum vermitteln möchte. Ist es das Problem von Gewalt und Perspektivlosigkeit, das vor allem die Frauen der Native American betrifft? Oder soll es ein Thriller sein, der sich um das Verschwinden eines jungen Mädchens dreht? Oder geht es primär um Rassendiskriminierung? Es ist wohl von allem ein wenig, das die Geschichte ausmacht – und damit von allem nicht wirklich genug, um einen echten Schwerpunkt zu setzen.

Schwierige Charaktere

Mit Daunis hat die Autorin eine Figur in den Mittelpunkt gestellt, die beide Welten, in denen der Roman spielt, verkörpert. Oder wenigstens fast. Schnell wird klar, dass ihr Bezug zu den Weißen einzig die Beziehung zu ihrer Mutter und Großmutter ist, ansonsten aber kaum eine Verankerung vorhanden ist, obwohl Daunis bei der Mutter aufgewachsen ist. Hingegen fühlt sich die junge Frau stark verbunden mit der Familie ihres Vaters, dem sie letztlich etwas ambivalente Gefühle entgegen bringt. Denn fast zeitgleich wie ihre Mutter schwängerte er auch eine Native, was zur Folge hat, dass Daunis mit einem Halbbruder gesegnet ist. Im Laufe des Romans wird auch klar, dass der Vater nicht mehr lebt und seine Kinder so auf die Legenden zurückgreifen müssen, die um ihn ranken. Levi bleibt blass und unsympathisch, Jamie hat auch nur wenig mehr Farbe. Es ist schwierig, einen Zugang zu den Charakteren zu gewinnen und einen roten Faden in der Geschichte zu erkennen.

Fazit

Hier wollte die Autorin zu viele Aspekte miteinander vereinen. Entstanden ist ein etwas wirrer Roman mit Thriller-Elementen, der aber ausgefranst und manchmal etwas ziellos wirkt. Zu bieten hat die Geschichte aber vor allem beim Setting einiges: Hier wird den Leserinnen und Leser ein intensiver Eindruck vom Leben in einem Reservat vermittelt.

Firekeeper's Daughter

Angeline Boulley, cbj

Firekeeper's Daughter

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