Just for Clicks

  • Loewe
  • Erschienen: März 2022

übersetzt von Nadine Mannchen; Broschur, 384 Seiten

ISBN: 9783743210301

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Rita Dell'Agnese
7

Jugendbuch-Couch Rezension von Rita Dell'Agnese Mai 2022

Wieviel Öffentlichkeit verträgt ein Leben?

Seit die 17-jährigen Zwillinge Claire und Poppy geboren sind, stehen sie im Mittelpunkt eines Blogs ihrer Mutter. Mittlerweile haben sich die beiden zu begehrten Stars in der Social-Media-Szene gemausert. Doch während Poppy sich in der Aufmerksamkeit der Fans sonnt, fühlt sich Claire zunehmend unwohl mit diesem öffentlichen Leben. Das umso mehr, als dass ihre Mutter die beiden Töchter antreibt, sich ausnahmslos der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Als Claire auf den neuen Mitschüler Rafael trifft, der mit Social Media nichts am Hut hat und nichts von den Zwillingen weiß, fühlt sich Claire zum ersten Mal richtig wahrgenommen. Sie, die immer hinter ihrer hübscheren Schwester Poppy zurückstand, wird zum ersten Mal als eigenständige Persönlichkeit wahrgenommen. Doch ausruhen kann sie sich auf diesem Gefühl nicht, denn sie entdeckt ein gut gehütetes Geheimnis, das alles Bisherige in Frage stellt.

Nicht alle wollen auf die Bühne

Die Autorin Kara McDowell widmet ihren Roman dem Umgang mit Social Media. Geschickt stellt sie die Frage, wieviel Raum man der Öffentlichkeit in seinem eigenen Leben geben will. Während Poppy und die Mutter von der Aufmerksamkeit ihrer Fans nicht genug bekommen können, ist es für Claire eine Belastung, mit dieser ständigen Präsenz in Social Media umzugehen.

Die Gegensätzlichkeit der Zwillinge lässt viel Spielraum, um die Konsequenzen eines öffentlichen Lebens deutlich zu machen. Interessant ist auch die Konstellation, dass der eine Zwilling sich optisch besser präsentieren kann, was beim anderen Zwilling – in diesem Fall Claire – Minderwertigkeitsgefühle auslöst. Hier ist die Autorin sehr nahe an den Teenagern dran. Der Roman eignet sich auch sehr gut, um sich selber Gedanken über die eigenen Bedürfnisse nach Privatsphäre zu machen.

Es ist doch etwas konstruiert

So überzeugend der Roman im Ansatz ist, so groß sind die Stolpersteine bei der Umsetzung. Nicht nur, dass die Mutter der Zwillinge zum einen als eine Getriebene dargestellt wird, die selbst aus einem einfachen Abendessen in einem Restaurant eine Inszenierung macht, dann aber zu einer plötzlichen Kehrwendung ansetzt. Auch Rafael steht etwas schräg in der Landschaft. Die Erklärungen, weshalb er weitgehend ohne Handy lebt und damit nichts von der Bekanntheit der Zwillinge mitbekommt, wirkt sehr konstruiert und unglaubwürdig. Das alles nimmt dem Roman einiges an Tempo und macht ihn stellenweise zu einer eher seichten Geschichte mit Schlagseite. Es wird generell schwer, sich mit den Figuren zu identifizieren – nicht, weil sie zu vielschichtig wären, sondern weil es ihnen streckenweise an Überzeugungskraft und Dynamik fehlt. Besonders unangenehm fällt die Mutter ins Gewicht, die ihre Töchter gnadenlos verheizt.

Fazit

Kara McDowell greift in ihrem Roman ein sehr aktuelles und wichtiges Thema auf, schwächelt aber da und dort bei der Umsetzung. Unterhaltend ist der Roman um die ungleichen Zwillinge aber allemal. Und er ist auch eine ideale Grundlage, um sich darüber Gedanken zu machen, wieviel man von seiner Privatsphäre preisgeben möchte.

 

Just for Clicks

Kara McDowell, Loewe

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