Bad Influence

  • Ravensburger
  • Erschienen: Februar 2022

Hardcover, 416 Seiten

ISBN: 9783473402212

Bad Influence
Bad Influence
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Rita Dell'Agnese
8

Jugendbuch-Couch Rezension von Rita Dell'Agnese Apr 2022

Glamouröse Schlangengrube

Ausgerechnet auf ein modernes Luxus-Schiff voller Influencer wird Tara von ihrer Freundin Lola eingeladen. Das, obwohl sie nach schlechten Erfahrungen mit einem Shitstorm sich von Social Media fernhält. Doch Lola und ihre beiden Brüder Lucas und Jonah genießen als Nachkommen des Reeders einen besonderen Status auf der „Siren“ und so hofft Tara darauf, so wenig wie möglich mit den Influencern zu tun zu haben.

Auf keinen Fall will sie sich am Wettkampf beteiligen, der als Marketing-Gag das neue Luxus-Schiff promoten soll. Die Influencer sollen möglichst viele Beiträge über das Schiff und die spezielle Fahrt posten – allerdings nicht auf ihren eigenen Kanälen, denn es gibt weder Internet noch Mobilfunk auf dem Schiff. Vielmehr laden sie an speziellen Terminals ihre Filme hoch, die dann von der Redaktion des Fernsehsenders News 6 gesichtet, zusammengeschnitten und in einer Liveshow täglich ausgestrahlt werden. Wer die höchste Bildschirmpräsenz erreicht, soll Namensgeber für das Schwesterschiff der „Siren“ sein – mit einer eigenen Luxussuite darauf. Schnell stellt sich heraus, dass die Influencerinnen und Influencer alles daransetzen, sich gegenseitig zu übertreffen, aber auch jeweils in schlechtes Licht zu rücken. Davor ist auch Tara nicht gefeit. Als sie sich plötzlich in zweifelhaften Beiträgen am Bildschirm wiederfindet, bricht bei ihr die ganze Vergangenheit auf.

Geschichte mit Stolpersteinen

Autorin Stefanie Hasse rührt mit großer Kelle an. Sie mischt eine üppige Portion Glamour und Luxus mit großen Gefühlen wie Liebe, Freundschaft, Egoismus, Neid und Niedertracht. Dazu packt sie Gesellschaftskritik, Social Media und Showbusiness. Gewürzt wird das Ganze mit einem Hauch von Big-Brother-Flair. Das Ganze ergibt einen temporeichen Roman, der sich auch wunderbar als Reality-Show vermarkten ließe. Für Leserinnen und Leser, die sich vor allem nach schillernder Unterhaltung sehnen, steht also ein üppiges Mahl bereit.

Dass die Geschichte ein paar Stolpersteine aufweist, lässt sich allerdings nicht verbergen. Dazu gehört die Figurenzeichnung. Tara steht hier als Gegenpol zu ihrer Freundin Lola, die im absoluten Luxus lebt. Prompt wird ihr von verschiedener Seite – besonders aber von Lolas Zwillingsbruder – unterstellt, sich als Schmarotzer an Lola zu hängen. Lola weiß um die psychischen Probleme Taras durch ein massives Social-Media-Bashing, das einsetzte, nachdem eine Influencerin Taras Schwachstellen und körperlichen Problemzonen gepostet hatte.

Obwohl die Autorin Lola als bodenständige, feinfühlige junge Frau skizziert, nimmt diese also ihre Freundin auf ein Schiff voller Influencer und einem mehr als zweifelhaften Wettkampf, obwohl sie sich dessen bewusst ist, dass das die Wunden wieder aufreißen wird und Tara ein gefundenes Fressen für die Meute der nach Öffentlichkeit heischenden Influencer darstellt. Bei den verschiedenen Charakteren bedient sich die Autorin gnadenlos in der Kiste der Klischees. Auch verliert sich Stefanie Hasse in den farbenprächtigen Vorstellungen eines absoluten Luxusschiffes mit all seinen Annehmlichkeiten – inklusive verschiedenen Themendesks, die stark an Raumschiff-Phantasien erinnern.

Den Spiegel vorhalten

Den Roman als oberflächliche Unterhaltung einzuordnen würde trotz der Schwachstellen dem Werk allerdings nicht gerecht. Auch wenn es ein zweites Hinsehen braucht, so ist doch sehr viel Wahrheit in der Geschichte verborgen. Gerade der boomenden Influencer-Szene wird hier gnadenlos der Spiegel vorgehalten und es mag den einen oder anderen jungen Menschen zum Nachdenken darüber bringen, wie man sich in Bezug auf Social Media bewegen soll. Gerade das hemmungslose Bashing und die grenzenlose Zurschaustellung, wie auch der sich schon zu einer Sucht steigernde Drang, sich selber darzustellen, werden entlarvt. Interessant ist auch der Nebenschauplatz: Missbrauch aus einer Machtposition heraus. So wird letztlich eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Story einige wichtige Impulse zutage fördern.

Fazit

Geschrieben in süffiger Sprache wird hier ein Roman voller Glamour und Glitzer serviert. Die ganz großen Gefühle – ob positiv oder negativ – spielen ebenso mit wie die Social-Media-Szene und einige gängige Vorurteile. Alles in allem wird abwechslungsreiche Unterhaltung geboten, die da und dort auch Tiefgang hat.

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