Alles zu viel

  • Carlsen
  • Erschienen: November 2021

Broschur, 112 Seiten

ISBN: 9783551320308

Alles zu viel
Alles zu viel
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Rita Dell'Agnese
8

Jugendbuch-Couch Rezension von Rita Dell'Agnese Feb 2022

Nichts geht mehr

An sich ist Sofie zufrieden mit ihrem Leben: Sie kann in der Schule mithalten und mit Lilly und Fabian hat sie Freunde, mit denen sie nicht nur viel unternehmen kann, sondern die auch immer für sie da sind. Nur in Mathe will es in der letzten Zeit nicht so richtig klappen, Sofie hat irgendwie den Anschluss verpasst. Sie weiß, dass sie damit ihre Mutter enttäuscht, die doch so große Erwartungen an sie hat. Und jetzt kommt auch noch ihr Lieblingsfach Deutsch unter die Räder. Denn Sofie soll eine Arbeitsgruppe leiten, obwohl sie doch gerade so sehr mit sich beschäftigt ist. Je mehr sich Sofie versucht, dem allen zu entziehen und in sich abzutauchen, desto schwieriger macht sie die Situation. Sogar die Freundschaft mit Lilly und Fabian steht auf der Kippe, seit Julia aufgetaucht ist. Sofie fühlt sich abgeschoben und unsichtbar.

Der große Kampf mit sich selber

Das Cover des Romans könnte nicht passender sein: Ein Mädchen sieht sich einer riesigen Hürde gegenüber, die es nicht meistern kann. Sei es nun auf schulischer oder auf menschlicher Ebene. Die Summe aller Dinge, die auf sie einstürmen, erdrückt die Protagonistin. Sie tut, was viele junge Menschen tun: Anstelle sich mit einem lauten Hilferuf Luft zu verschaffen, zieht sie sich in sich zurück und versucht, den Kopf in den Sand zu strecken. Ihre brodelnden Gefühle – etwa die Eifersucht auf die aus dem Nichts aufgetauchte Julia – schließt sie in sich ein. Alle Werte, die ihr bisher Leitplanken waren, scheinen an Kontur zu verlieren oder sich aufzulösen. Das stellt die Autorin Henriette Wich gekonnt dar. Sie gewährt einen Blick auf die Seele des Mädchens, die unter den unzähligen Erwartungen ächzt.

Zu viele Lücken

So überzeugend Henriette Wich sowohl mit dem Setting als auch mit der Gefühlsebene der Protagonistin Sofie ist, so groß sind aber auch die Lücken in der Geschichte. Obwohl der Roman wohl darauf ausgelegt ist, Jugendliche zu erreichen, die nicht sehr oft zu Büchern greifen und beim Lesen wenig Durchhaltevermögen zeigen, wirkt die Story immer wieder abgehackt und unfertig. Es entsteht der Eindruck, als habe man hier nur eine Essenz einer umfassenderen und an sich runden Geschichte vorliegen. Damit bleiben nach der Lektüre ein schaler Geschmack und das Gefühl, dass hier irgendwie nicht alles ganz stimmig war. Dazu gehört letztlich auch die schnelle Auflösung am Schluss, die doch sehr stark in die Happy-End-Schiene läuft, ohne wirklich Perspektiven zu zeigen.

Fazit

In diesem Roman nimmt die Autorin Henriette Wich das Thema auf, was Erwartungsdruck mit einem jungen Menschen machen kann. Sie eröffnet einen bemerkenswerten Einblick in die Gefühlswelt ihrer Protagonistin. Allerdings bleibt die Vertiefung ins Thema auf der Strecke.

Alles zu viel

Henriette Wich, Carlsen

Alles zu viel

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