Felix Ever After

Erschienen: Oktober 2021

Bibliographische Angaben

übersetzt von Maike Hallmann; Hardcover, 368 Seiten

ISBN: 9783736316829

Couch-Wertung:

8
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Julian Hübecker
Einfach nur authentisch

Buch-Rezension von Julian Hübecker Nov 2021

Felix Love ist ein Transmann und glaubt, endlich angekommen zu sein. Doch einen großen Wunsch hat er: Sich einmal verlieben. Nur, wer sollte ihn zurücklieben? Er, der im Grunde noch kein Label für sich gefunden hat, das ihm gerecht wird. Als jemand Fotos von ihm vor seiner Transition in der Schule aushängt, verfällt er immer mehr in den Strudel, dass niemand ihn je lieben könnte. Kann er sich daraus befreien?

„Ich habe versucht, sämtliche Zeugnisse meines früheren Lebens zu vernichten: Fotos und Videos, auf denen ich lange Haare habe oder Kleider trage oder auf denen irgendein anderes Merkmal zu sehen ist, das die Gesellschaft Mädchen zuschreibt.“

Felix hat in seinem Leben schon einiges mitgemacht: Seine Mutter verließ die Familie schon vor einigen Jahren; regelmäßig schreibt er ihr E-Mails, die er aber nie abgeschickt hat, da er sich vor der Antwort fürchtet. Sein Vater unterstützt ihn bei seiner Transition, doch will ihm sein neuer Name noch nicht über die Lippen kommen. Und auch obwohl die Schule eine Nulltoleranz-Politik hat, ist Transsexualität dann doch so exotisch, dass nicht jeder weiß, wie mit Felix umzugehen ist.

Schließlich bringen aber einige Fotos von Felix‘ weiblicher Vergangenheit das Fass zum Überlaufen: Diese wurden von einer unbekannten Person in der Schule ausgehängt, zusammen mit seinem Deadname. (Bei diesem handelt es sich um den Geburtsnamen einer Transperson, der aber im Laufe der Transition abgelegt wird. Daher kann es sehr verletzend und übergriffig sein, diesen zu verwenden oder öffentlich zu machen.)

Von nun an ist Felix geradezu besessen davon, den Täter oder die Täterin ausfindig zu machen, und hat auch schon einen Verdacht: Declan, Scheißkerl, der Felix wie einen Aussätzigen behandelt. An Felix‘ Seite ist Ezra, der ihn bei allem unterstützt, aber bald erkennen muss, dass Felix sich in etwas verrennt. Denn sein Problem sitzt viel tiefer und könnte allzu schnell alle vergraulen, die ihm wichtig sind.

„Dieser Mensch bin ich nicht mehr – ich bin es nie gewesen.“

Viel zu wenige Bücher gibt es, in denen Transmenschen Protagonisten sind. In Felix Ever After ist Felix ein Transmann, wurde also mit einem weiblichen biologischen Geschlecht geboren. Für viele ist Transsexualität ein sehr abstraktes Thema, da sie als Nichtbetroffene schwer einen gedanklichen Zugang finden. Felix nimmt alle an die Hand und hilft, das Thema begreifbarer zu machen. Wörter wie „Deadname“ oder „Geschlechtsidentität“ werden immer wieder aufgegriffen und in Kontext gebracht – daher ist dieses Buch so wichtig.

Trotzdem ist Felix ein Protagonist, der erstmal schwer zu fassen ist: Er ist wankelmütig, wirkt streitsüchtig und man weiß nicht so richtig, wie man sich auf ihn einlassen soll. Seine schwachen Momente dagegen sind die Zeilen, die verraten, wie es wirklich in ihm aussieht. Ezra als sein bester Freund ist dabei eine wichtig Stütze und sinnvolle Ergänzung. Insgesamt wird Felix‘ Leben großzügig ausgebreitet. Man erfährt sehr viel über ihn: seine Hobbys, seine familiäre Situation, seinen Berufswunsch, seine Freunde … Hat man die anfängliche Hürde überwunden, wird er einem immer vertrauter.

Besonders an dem Buch ist außerdem, dass auch Autor Kacen Callender eine Transperson ist. Dieser Zugang ermöglicht einen sehr persönlichen Blickwinkel sowie offenbart eine idealisierte, fast schon utopische Vorstellung, wie unsere Gesellschaft aussehen könnte. Denn in dem Buch gibt es nicht nur Felix als Transmann, sondern auch schwule, lesbische, bisexuelle, queere usw. Personen. Dieses volle Spektrum klingt zu schön, um wahr zu sein. Vielleicht gibt Felix Ever After einen willkommenen Anstoß.

Fazit

Transsexualität ist hier das Thema, aber auch Selbstakzeptanz und Liebe spielen eine Rolle. Felix muss noch viel lernen und befindet sich auf einem beschwerlichen Weg. Diese Geschichte ist stellvertretend für viele Transpersonen, denen es ähnlich ergangen ist oder noch ergehen wird.

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