FAT

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  • Erschienen: Oktober 2021

Broschur, 288 Seiten

ISBN: 9783492505291

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Rita Dell'Agnese
5

Jugendbuch-Couch Rezension von Rita Dell'Agnese Jan 2022

Buch gegen Mobbing, das selber mobbt

Es ist wie im Märchen: Nach den Sommerferien kehrt die erheblich schlankere Pauline Kaufmann in ihre Klasse zurück – und zwar aufgrund der Scheidung ihrer Eltern auch gleich mit einem neuen Namen: Lina Peterson. War Pauline ein beliebtes Mobbing-Opfer, konnte die Klasse von der vermeintlich unbekannten Lina kaum genug bekommen – vor allem der schlimmste Mobber von allen, Jona, nicht. Obwohl sich Lina nach ihren schlechten Erfahrungen mit Jona sehr zugeknöpft gibt, bemüht er sich um ihre Gunst. Und nach und nach taut Lina etwas auf. Gleichzeitig aber träumt sie davon, sich an der Klasse – und wiederum vor allem auch an Jona – für die schlimmen Erfahrungen in ihrer Zeit als fettes Mädchen zu rächen. Mit ihrem neuen Aussehen ist Lina so glücklich, dass sie alles unternimmt, um ja nicht nochmal zuzunehmen – unterstützt von ihrer Mutter. Dass sie dabei übers Ziel hinaus schießt, merkt sie fast zu spät.

Böses Foul

Die Autorin L. Ochrasy nimmt zwei Themen als Grundlage ihres Romans, die die Jugend stark beschäftigen: Mobbing und Schlankheitswahn. Sie bilden das Grundgerüst, um das herum sie Linas Geschichte aufbaut. Ein solides Gerüst, das an sich viel Potenzial hat. Doch dann entgleiten die Themen der Autorin auf eine verstörende Weise. Es beginnt damit, dass sie ihrer Protagonistin innerhalb von wenigen Wochen ein solch verändertes Erscheinungsbild verpasst, dass sie weder von der Klasse noch von den Lehrkräften wiedererkannt wird. Um den ersten Stolperstein etwas abzuschwächen, verpasst sie ihr auch gleich einen neuen Namen. Selbst wenn man in Betracht zieht, dass es Jugendliche gibt, die sich nur höchst oberflächlich mit den Jugendlichen auseinandersetzen, die gemobbt werden oder als hässliche Außenseiter gelten, so ist es doch unwahrscheinlich, dass lediglich ein einziger Junge, ebenfalls ein Außenseiter, in der „neuen“ Schülerin die alte Pauline wiedererkennt. Es bleibt jedoch nicht bei dieser einen – stark zurecht gezimmerten – Eintrübung. Ein böses Foul begeht die Autorin, in dem sie über Mobbing schreibt, Gemeinheiten sichtbar macht und in ihrer Geschichte munter selbst in Mobbing einstimmt. Da tauchen immer wieder abfällige Bemerkungen auf, wie etwa über die faltigen Ärsche der anderen Mütter oder über Konrad, „der Stinker der Schule“ und etliche mehr.

Für Mädchen mit Figurproblemen abwertend

Lina als Protagonistin verschiebt sich nach relativ kurzer Zeit in Richtung unangenehme Persönlichkeit. Obwohl sie immer wieder betont, wie sehr sie sich daran stört, dass sowohl ihre Mutter mit gehässigen Bemerkungen über das frühere Aussehen ihrer Tochter ablästert, tut sie selber es ebenfalls – mit genau derselben Gehässigkeit. Und sie lästert auch über ihre Brüste, die nicht ihrem neuen Schönheitsbewusstsein entsprechen. Leider schafft es die Autorin nicht, dabei klarzustellen, wie unsinnig all dies ist – vielmehr stimmt sie immer wieder in den Negativ-Tenor ein. Für Mädchen – oder auch Jungs – die aktuell mit Gewichtsproblemen kämpfen, ist dieses Buch eine klare Klatsche. Etwas dezidierter wird L. Ochrasy erst, als es um die Essstörung geht, die Lina in ihrem neuen Schönheitswahn begleitet.

Fazit

L. Ochrasy schreibt über wichtige Themen – verpasst es aber, sich klar von Mobbing abzugrenzen. Vielmehr lässt sie die stark abwertenden Boshaftigkeiten im Buch so stehen, dass sie durchaus als „normal“ angesehen werden könnten. Man wünscht sich hier eine reifere Auseinandersetzung mit den vielen Verletzungen, die im Roman angesprochen werden.

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