Memories of Summer

Erschienen: Oktober 2021

Bibliographische Angaben

Broschur, 304 Seiten

ISBN: 9783969760093

Couch-Wertung:

8
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Julian Hübecker
Mit Erinnerungen heilen

Buch-Rezension von Julian Hübecker Nov 2021

Mika hängt nicht an seinen Kindheitserinnerungen, obwohl er eine glückliche Kindheit hatte. Doch will er diese lieber spenden und dafür eine Menge Geld bekommen – Geld, das er sonst nicht hat und von dem er sich die neuesten Technologien kaufen kann. Denn Mika ist fasziniert von der Technik, vor allem aber vom „Memory Transfer“, wobei Erinnerungen entfernt werden. Als Mika Lynn kennenlernt, ändert sich für ihn aber alles, und auf einmal will er sich erinnern können …

„Der Name sagt mir nichts. Rein gar nichts, obwohl sie mich anschaut, als wäre ich ihr lange verschollener Bruder.“

Was wäre, wenn man Depressionen heilen könnte, indem man Betroffenen glückliche Erinnerungen von Spendern einsetzen würde? In dieser alternativen Zukunft lebt Mika, und er ist begeisterter Spender. Als er wieder einmal spenden geht, trifft er im Wartezimmer auf Lynn, die ihn als besten Freund aus Kindheitstagen kennt. Nur Mika kann sich einfach nicht erinnern, da er die Erinnerungen bereits entnommen bekommen hat. Lynn selbst ist jedoch nicht zum Spenden da, sondern überlegt, sich Erinnerungen einpflanzen zu lassen, da sie an Depressionen erkrankt ist. Doch sie zögert, und obwohl beide anfangs unterschiedlicher Meinung sind, entwickelt sich wieder eine Freundschaft zwischen ihnen.

Doch Mikas Welt fällt in sich zusammen, als er von seinen Eltern gesagt bekommt, dass sein Vater schon seit Jahren an Lupus erkrankt ist. Nun sind die Symptome akuter geworden und der Familie geht das Geld für die medizinische Versorgung aus. Mikas will in seiner Verzweiflung noch mehr seiner Erinnerungen verkaufen und wendet sich an eine zwielichtige Gestalt, die mehr zahlt und so erstmal die dringend benötigten Medikamente abdeckt. Der Preis dafür ist jedoch hoch; dies wird Mika erst bewusst, als nicht nur seine Vergangenheit langsam verschwindet, sondern auch seine Zukunft immer vager wird.

Ein spannendes Gedankenspiel

Es klingt erst nach einer medizinischen Innovation, die Janna Ruth sich erdacht hat. Die Möglichkeit, Depressionen und andere psychische Erkrankungen mithilfe von Erinnerungen zu heilen, wirkt alleine schon spannend und ist von der Autorin wohldurchdacht in eine Geschichte verpackt worden. Mika und Lynn ergänzen sich hervorragend, da sie unterschiedliche Ansichten dieser Transplantationen haben. Dadurch spielt die Autorin geschickt moralische Prinzipien aus und lädt ihre Leser zu eigenen Überlegungen ein: „Würde ich meine Erinnerungen spenden, um anderen zu helfen?“ Das Buch eignet sich dadurch mit Sicherheit auch, um Diskussionen im Philosophie- oder Biologie-Unterricht anzuregen.

Neben diesem Gedankenexperiment spielen aber auch typische Teenager-Themen eine Rolle, die durch den Science-Fiction-Rahmen zwar eine andere Wertigkeit haben, nichtsdestotrotz Bodenständigkeit verleihen. Lynn, die durch ihre Mutter immer klein gehalten wurde, hat mit Vertrauensproblemen und Minderwertigkeitskomplexen zu kämpfen. Ihr Kindheitsfreund Mika kommt da gerade richtig, um sie wieder ans Licht zu holen. Er wiederum träumt von einer strahlenden Zukunft in einem Technologieunternehmen, muss jedoch schlecht bezahlte Jobs annehmen, um seine Familie zu unterstützen. Die Angst vor seinem Versagen und dem drohenden Tod seines Vaters sind greifbar.

Janna Ruth schafft es einfach, ihre Leserinnen und Leser von Anfang an abzuholen und mit bewegenden Worten in der Geschichte zu halten. Schließlich kommen sogar noch leichte Thriller-Elemente hinzu, die einen Spannungsschub auslösen. Einzig diese Spannung hat man schon früher vermisst, da insgesamt nicht viel passiert.

Fazit

Eine wahnsinnig interessante Neuheit auf dem Buchmarkt, die von einer Zukunft berichtet, in der Depressionen mit Erinnerungen geheilt werden können. Diese Möglichkeit ist ein längeres Nachdenken wert. Pro und Contra werden schlüssig gegeneinander ausgespielt.

Memories of Summer

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