Stormdancer

Erschienen: Juni 2021

Bibliographische Angaben

übersetzt von Aimée De Bruyn Ouboter; Broschur, 525 Seiten

Band 1 von 2 aus der Die Lotuskriege-Reihe

ISBN: 9783966583862

Couch-Wertung:

7
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Nina Pimentel Lechthoff
Das Mädchen mit dem fantastischen Haustier

Buch-Rezension von Nina Pimentel Lechthoff Aug 2021

Da ist etwas faul im Staat Shima – wortwörtlich. Denn nicht nur ist die Ungleichheit innerhalb der Gesellschaft riesengroß. Auch mit der Umwelt scheint es bergab zu gehen. Der Himmel ist rot gefärbt, die Luft ist verpestet und die wenigen Tiere, die es in Shima gibt, sind kränklich und siechen so vor sich hin. Yukiko ist die Tochter des königlichen Jägers, was ihr einen kleinen Vorteil in der stickigen und verseuchten Hauptstadt Kigen verschafft. Und diesen braucht sie auch, denn sie hat ein Geheimnis: Sie kann die Gedanken von Tieren lesen und telepathisch mit ihnen kommunizieren. Doch das macht sie nicht etwa zu einem wichtigen Bestandteil der Jagdgesellschaft ihres Vaters, sondern zu einer Unreinen. Würde die fanatische Gruppe der Gildenmänner erfahren, dass sie diese Fähigkeit besitzt, wäre ihr Leben in Gefahr.

Als der Herrscher Shimas sich in den Kopf setzt, dass er unbedingt einen Arashitora reiten will, ein legendäres Wesen, dessen Existenz bezweifelt wird, kann Yukiko der Enge der Großstadt entfliehen. Doch was ist gefährlicher? Eine Stadt, deren Bewohner entweder an der verpesteten Luft oder an den prekären Verhältnissen und unmenschlichen Arbeit sterben und wo sie leicht ins Visier der Gildenmänner geraten könnte? Oder die mysteriösen Wälder, wo Yukiko und ihr Vater sich auf die Suche nach dem legendären Tier machen müssen, ein Wald voller unbekannter Gefahren?

Fantasy-Grundlagen im japanischen Setting

In diesem Buch versammeln sich jede Menge Elemente, die man aus ähnlichen Fantasy-Büchern kennt. Eine Welt wird von machthungrigen Tyrannen beherrscht, magische und mystische Kräfte offenbaren sich nach und nach und das Schicksal der Menschen liegt in den Händen eines jungen Mädchens. Eigentlich nichts Besonderes. Was meine Aufmerksamkeit erregt hat, ist die Welt, die Autor Jay Kristoff hier aufbaut.

Anders als in gängigen Fantasy-Romanen ist Shima an Japan angelegt. Die Namen der Figuren, die Bezeichnung für Waffen oder der Aufbau der Gesellschaft sind eindeutig japanisch. Die Aufteilung der Welt in verschiedene Clans, deren Daimyos dem Shogun verpflichtet sind, ist an den gesellschaftlichen Verhältnissen in Japan bis fast zum Ende des 19. Jahrhunderts angelehnt. Der große Krieg, den Shima gegen ihre Nachbarländer führt, erinnert wiederum sehr an den Zweiten Weltkrieg. Die Propaganda gegen die „Anderen“ und für diesen „gerechten Krieg“ gehen unter die Haut.

Diese fast feudalen Verhältnisse stehen im starken Kontrast zur sehr fortschrittlichen Technologie, die Teil der Welt von „Stormdancer“ ist. Kristoff vermischt Steampunk-Elemente mit japanischen Einflüssen. So tragen die Samurai des Shogun Rüstungen, wie man sie von Samurai-Filmen kennt, die aber mit Rohren und Getrieben versehen sind und sie fast zu Robotern machen.

Auf einmal: Magie

Zu all dieser fantastischen, aber dennoch relativ „normalen“ Welt gesellen sich im Laufe der Geschichte noch magische und mystische Elemente. Allein der Arashitora, ein Wesen halb Adler, halb Tiger, das hoch in den Wolken lebt und dessen Schwingen Blitze erzeugen, eröffnet diese Welt zum Reich der Legenden. Als die Protagonistin dann auch noch gegen Oni – riesige japanische Dämonen, die klauenbesetzte Hände und tiefschwarze Haut haben – kämpfen muss, weicht die Grenze zwischen „Realität“ und das Übernatürliche vollends auf.

Das ist aber mein größtes Problem mit dem ersten Band von „Der Lotuskrieg“. Es wird sehr viel Zeit darauf verwendet, zu sagen, dass der Arashitora und magische Wesen generell nur Legenden sind und dass die Suche nach dem Biest von Anfang an zum Scheitern verurteilt sei. Dass sie aber den Arashitora dann doch finden – und fangen – passiert mir zu schnell. Die Figuren geben sich sehr schnell zufrieden damit, dass es mystische Kreaturen gibt. Auch wenn sie ihr Leben lang davon ausgegangen sind, diese Wesen wären nur Legenden.

Fazit

Ich habe etwas gebraucht, um in die Welt von Der Lotuskrieg – Stormdancer reinzukommen. Die Welt ist sehr interessant aufgebaut und mir gefällt das japanische Setting sehr gut. Nur mit der Magie hatte ich so meine Probleme. Dafür, dass der Roman über 500 Seiten hat, hätte ich mir eine tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Thema gewünscht. Wenn man über diese kleinen Hürden hinwegsehen kann, macht die Lektüre trotzdem Spaß und das Buch ist nicht mehr aus der Hand zu legen.

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