Bis einer stirbt

Erschienen: September 2021

Bibliographische Angaben

Broschur, 288 Seiten

ISBN: 9783551584380

Couch-Wertung:

8
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Rita Dell'Agnese
Zwei junge Menschen im Strudel der Drogensucht

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Nov 2021

„Es ist nicht so, dass irgendwer etwas falsch gemacht hat. Jeder ist für sich selber verantwortlich.“ Leyla hat Angst, dass die Gründe ihrer Drogensucht bei ihren Eltern gesucht werden könnten. Sie sei jedoch in einem liebevollen Elternhaus aufgewachsen, versichert Leyla im Gespräch mit der Journalistin Isabell Beer. Leyla ist eine der beiden Personen, die in Beers Buch Bis einer stirbt eine tragende Rolle spielt. Die Journalistin versucht, den Gründen auf die Spur zu kommen, die Leyla in die Drogensucht gebracht haben. Ein Mädchen, das schulisch wie persönlich gefestigt scheint und in einem stabilen Umfeld lebt. Leylas Mutter versucht gar, die Beweggründe ihrer Tochter zu verstehen und lässt sich von ihr eine Line Koks legen, um zum Schluss zu kommen, dass es eine Wirkung wie Kaffee hat – nur viel stärker. Leyla gelingt, was nur wenige schaffen: Sie geht trotz Drogensucht ihren Weg weiter. Welchen Preis sie dafür zahlt, realisiert sie erst, als sie sich von der Sucht zu befreien versucht.

Ähnlicher Werdegang

Auch Josh bietet seiner Mutter an, Drogen auszuprobieren. Doch seine Mutter mag nicht darauf eingehen. Sie hat mit Drogen nichts am Hut. Anders als Leyla kann Josh seinen Drogenkonsum nicht so leicht mit ehrgeizigen Plänen verbinden. Immer mal wieder ist die Dosis so groß, dass er nur rumhängt. Davon erzählt Josh auch Leyla, mit der er übers Internet in Kontakt ist. Er schildert auch, dass er Freunde, die abhängig geworden seien, aus seinem Freundeskreis habe ausstoßen müssen, da er sonst immer die Angst hätte haben müssen, von ihnen beklaut zu werden. Das Internet ist sowohl für Josh wie auch für Leyla ein wichtiges Instrument, um an Drogen zu kommen und sich im Kreise von Gleichgesinnten zu bewegen. Doch, obwohl die Community den Nenner „Drogenkonsum“ hat, findet hier eine üble Form von Bashing statt, je nachdem, welche Drogen konsumiert werden.

Im Gespräch mit der Journalistin

In Form einer Reportage versucht Isabell Beer das Leben von Josh und Leyla – und in Josh’s Fall auch das Sterben – abzubilden. Dafür führt sie etliche Gespräche mit Involvierten und präsentiert diese in Buchform ihrem Publikum. Dabei nutzt sie das Element der wechselnden Perspektive, mal kommen Leyla oder Josh zu Wort, mal sind es Eltern oder andere Involvierte. Dieses sich ständig wechselnde Szenario beschert den Leserinnen und Lesern eine Vielzahl von Personen, mit denen sich konfrontiert sind. Das macht es nicht immer ganz einfach, sich jeweils wieder auf den jeweiligen Schauplatz einzulassen und dessen Gebilde zu verstehen.

Der Reportagestil sprengt auch etwas die Gesetzmäßigkeiten des Mediums Buch. Es braucht viel Beharrlichkeit, um sich die Geschichte zu erarbeiten und nicht nach einigen Sequenzen auszusteigen oder querzulesen. Es liegt in der Natur des Themas, dass kaum ein Spannungsbogen vorhanden ist – das heißt aber, dass jemand ein fundamentales Interesse an der Thematik und am Schicksal der Beiden aufbringen muss, um der Reportage tatsächlich zu folgen. Dazu müsste jedoch beim Anpreisen des Buches deutlicher gemacht werden, dass es sich hier nicht um einen Roman handelt, sondern um eine Reportage, die eher in der Sparte Sachbuch angesiedelt ist.

Fazit

Bis einer stirbt nimmt das Thema Drogen und Internet auf. Autorin und Journalistin Isabell Beer personalisiert das Thema durch Josh und Leyla, die jeweils einen ähnlichen und doch sehr unterschiedlichen Weg gehen. Der Reportagestil verlangt von den Leserinnen und Lesern einiges an Ausdauer ab.

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