Engel über der Stadt

Erschienen: September 2021

Bibliographische Angaben

übersetzt von André Wilkening; Hardcover, 256 Seiten

ISBN: 9783038800484

Couch-Wertung:

10
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Julian Hübecker
Packend bis zur letzten Seite

Buch-Rezension von Julian Hübecker Okt 2021

Johannes‘ Opa ist tot. Zur Trauer ist jedoch keine Zeit, denn plötzlich findet sich Johannes im Jahr 1945 wieder und trifft dort auf seinen Großvater Raf als Jugendlichen. Was beide nicht wissen: Zwei Tage später wird ein dramatisches Ereignis passieren, das Raf nie mehr loslassen, ihn gleichzeitig aber zu seiner großen Liebe führen wird.

„Ich habe meinen Opa zweimal weinen gesehen, beide Male, als er vom Krieg erzählte. Er war elf Jahre alt bei der Besetzung Dänemarks durch die Deutschen und sechzehn bei Kriegsende.“

Als seine Eltern Johannes zu sich rufen, weiß er schon, dass ihn eine schlimme Nachricht erwartet: Nach einem Sturz hat sein Großvater schnell abgebaut und ist schließlich gestorben. Johannes weiß nicht, wohin mit seiner Trauer, hat er doch stets eine besondere Verbindung zu seinem Opa verspürt. Nun ist dieser also tot. Verzweifelt in seiner Trauer, schwingt sich Johannes auf sein Fahrrad und radelt einfach drauf los – und findet sich plötzlich im Jahr 1945 in Kopenhagen wieder, wo der Krieg zwar dem Ende entgegengeht, aber immer noch Gefechte stattfinden. Und als wäre das nicht schon schwer genug zu verkraften, begegnet er seinem Großvater, als er etwa im gleichen Alter ist wie er selbst.

Sein Opa, der sich als Raf vorstellt, verhält sich ihm gegenüber freundlich und nimmt ihn gleich mit auf eine Tour durch die Stadt. So lernt er Rafs Freunde und Mutter kennen und sieht trotz des entspannten Lebens, wie eine Schwere über allen Gemütern hängt – denn noch immer ist Dänemark von den Deutschen besetzt. Doch immer mehr wird die deutsche Front zurückgedrängt, und alle fiebern dem Ende des Krieges entgegen – als sich eine Katastrophe anbahnt, die Raf zeitlebens verfolgen wird …

Ein Stück Zeitgeschichte

Jonas Kleinschmidt hat in diesem Buch ein Stück tragische dänische Geschichte verarbeitet, indem er seinen Protagonisten durch die Zeit reisen lässt. Dies passiert so nebensächlich, dass man es einfach hinnimmt und sich mit Johannes auf die Reise begibt. Der Grund des Abenteuers ist dabei schnell klar: Johannes braucht Antworten. Denn er weiß, dass sein Großvater im Zweiten Weltkrieg Schreckliches erlebt hat. Doch woher sein Trauma kommt, darüber schweigt er sich aus. Und so bleiben auch die Leser im Dunkeln, welche Katastrophe sich bald ereignen wird. Diese Spannung treibt die Geschichte voran, ehe sie im Höhepunkt endet und mit leisen Tönen ausklingt.

Zwar ist das Buch nicht sonderlich dick, doch schafft es Kleinschmidt, in kurzen Kapiteln und Sätzen so viel Inhalt zu verpacken, dass die Emotionen pur und ungefiltert ankommen. Ohne Schnörkel verarbeitet der Autor diese auf wahren Ereignissen beruhende Geschichte und präsentiert sogar noch zwei Fotos, die den Bezug deutlicher machen.

Fazit

Aus einer tragischen Geschichte, kombiniert mit Zeitreise-Elementen, wird ein fesselndes Jugendbuch, das durchweg überzeugt.

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