Wen immer wir lieben

  • Loewe
  • Erschienen: September 2021

Broschur, 416 Seiten

Band von aus der Immer-Reihe

ISBN: 9783743211643

Wen immer wir lieben
Wen immer wir lieben
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Sabine Bongenberg
4

Jugendbuch-Couch Rezension von Sabine Bongenberg Dez 2021

Eine mehr als nervige Heldin und das gutmütige „Bad-Boy“-Schaf

Die drei Schwestern Lina, Kaya und Nika haben früh gelernt, füreinander da zu sein, denn ihr Vater verließ die Familie als sie noch klein waren und so hielten sie sich gegenseitig und ihre Mutter fest. Jetzt sind die Mädchen erwachsen, aber dennoch fühlt sich Lina als die Älteste immer noch verantwortlich für ihre Schwestern und es ist ihr daher ein Dorn im Auge, dass ihre jüngere Schwester Nika scheinbar ein Faible für die sicherlich sehr gut aussehenden, aber nicht für eine Beziehung geeigneten „Bad Boys“ hat. Lina selbst ist sich dagegen sicher, dass sie gegen deren Charme immun ist und dass sie schon fast geeignet wäre, um anderen Mädchen den Umgang mit dieser „gefährlichen, aber leicht zu durchschauenden“ Sorte Mann zu erklären. Das ist überhaupt die Idee – sie startet eine Challenge und eine Artikelserie, mit der sie alle über die Machenschaften der „Bad Boys“ aufklären will. Eigenartig ist nur, dass ihr auserkorenes Forschungsobjekt Ben gar nicht so recht in dieses Schema passen will.

Ein holpriger Weg zur Liebe

Michelle Schrenk beginnt mit dem Roman über Linas „Bad Boy“-Challenge ihre Trilogie über die drei Schwestern Lina, Kaya und Nika, die die Liebe suchen – und vermutlich auch finden. Im Falle von Lina ist das aber ein langer und recht holpriger Weg, denn Lina ist tatsächlich im Umgang mit Männern eine solche Nervensäge, wie mir schon lange keine mehr untergekommen ist. Sicherlich ist es grundsätzlich lobenswert, die kleine Schwester vor Kummer bewahren zu wollen und auch die Idee, sich selbst in die Erforschung der „Bad Boys“ zu werfen, könnte eine ganz lustige sein. Aber damit ist der lustige Teil auch schon abgeschlossen.

Ich fand es vielmehr eigenartig, dass gerade auf „Tinder“ eine ernsthafte Beziehung gesucht werden soll und dass gerade die Jungs, die sich hier mit nacktem Oberkörper und mit Schlafzimmerblick präsentieren, als ernsthafte Partner für eine langjährige, tiefgründige Beziehung gesucht werden sollen. Aber sei’s drum.
Lina schmeißt sich für ihre „Forschung“ nun an den vermeintlichen „bösen Jungen“ Ben heran, rückt ihm gnadenlos auf die Pelle („Darf ich mal deine Muskeln anfassen?“), betatscht ihn beim ersten Kennenlernen und muss natürlich andere Frauen, mit denen sich der arme Kerl harmlos unterhält, über seine „Masche“ aufklären. Inwieweit man die Masche eines Menschen kennen will, den man gerade mal zehn Minuten kennt, erschloss sich mir jetzt gerade nicht, aber Lina kennt sich da schon aus.

„Aber du kannst dir vorstellen, dass ich ein gemeiner Kerl bin, ohne dass du mich überhaupt kennst?“

Unglücklicherweise wird es im weiteren Verlauf nicht besser. Obwohl Lina in verschiedenen lichten Momenten erkennt, dass sie mittlerweile eigentlich das „Bad Girl“ in der Geschichte ist, ändert sie an ihrem Verhalten überhaupt nichts. Natürlich weiß sie immer noch, dass der – eigentlich sehr nette – Ben, sie nur ins Bett zerren will, doch als das nicht geschieht, tut sie ihr Bestes, um ihn selbst zu verführen, tauscht mit ihm heiße Küsse, aber nur um fast einen Nervenzusammenbruch zu erleiden, als ihr Forschungsobjekt sie ins Kino einlädt und da möglicherweise einen Arm um sie legen könnte. Eigenartig fand ich auch, dass es offensichtlich kein Problem ist, die Adresse oder Telefonnummer eines Mannes, den man gerade erst kennt, an Freunde und Familie weiterzureichen, damit alle auch fröhlich bei ihm anklingeln oder ein- und ausspazieren können.

„Ben hielt mich doch sicher für total bekloppt. Und wenn ich das Ganze hier objektiv betrachtete, war ich es auch.“

Immerhin ein paar Punkte gibt es auch auf der Habenseite: Unbestritten ist, dass Michelle Schrenk Geschichten grundsätzlich gut und spannend erzählen kann. Schön fand ich die Aufklärung, warum Lina zu ihrem abwertenden Verhalten gegenüber selbstbewussten Männern an sich oder in die Position der Beschützerin gedrängt wurde. Unglücklicherweise kam diese aber erst so spät, dass Lina bei mir schon verloren hatte. Hübsch fand ich auch die Beschreibungen der Stadt Nürnberg, wo die Geschichte spielt und der Restaurants und Cafès – wenn mir ehrlich gesagt auch nicht klar ist, wie eine Studentin, die sicherlich keinen megahochdotierten Studentenjob hat, hier ständig ein- und ausgehen kann. Schön ist auch die Aufmachung des Buches, die im zarten lila und mit ihren angedeuteten Blüten in die Richtung Liebe und Romantik zeigt.

Fazit

Michelle Schrenk hat ein Mut machendes Buch geschrieben: Sie zeigt, dass auch der nervigste Topf offensichtlich einen mehr als gutmütigen Deckel finden kann.

Wen immer wir lieben

Michelle Schrenk, Loewe

Wen immer wir lieben

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