Als die Stadt in Flammen stand

Erschienen: September 2021

Bibliographische Angaben

übersetzt von Doris Attwood; Broschur, 272 Seiten

ISBN: 9783570314630

Couch-Wertung:

7
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Sabine Bongenberg
Zwei Welten müssen zusammen bestehen und voneinander lernen

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Nov 2021

Es ist ein gefährlicher Schlamassel, in den die beiden Mädchen Lena und Campbell da hinein geraten sind: Nach einem Footballmatch kommt es zu einer Eskalation aus Hass und Gewalt, die sich zunächst nur auf die Fans der beiden gegnerischen Mannschaften, dann aber auch schnell auf ein gesamtes Stadtviertel erstreckt. Die beiden Mädchen, die unterschiedlicher nicht sein können, sind plötzlich aufeinander angewiesen. Nur gemeinsam können sie den Heimweg zwischen den verfeindeten Fronten bewältigen, nur gemeinsam können sie sich durchschlagen. Beide erfahren, dass Werte, die ihnen bisher wichtig waren und Menschen, denen sie vertraut haben, nicht das sind, was sie von ihnen gedacht haben. Dennoch können sie vielleicht einen wichtigen Punkt erreichen: Sie können sich selbst finden….

„Wenn man die Leute bis an ihre Grenze treibt und sie nicht die geringste Macht haben, dann finden sie einen Weg sie sich zu verschaffen.“

Die beiden Autorinnen Kimberly Jones und Gilly Segal schildern in ihrem ersten gemeinsamen Roman, wie zwei Jugendliche aus vollkommen unterschiedlichen Welten, in deren Heimatstadt plötzlich eine Gewaltwelle ihren Lauf nimmt, gemeinsam ihre Unterschiede überwinden und einen Heimweg finden müssen. Die beiden Mädchen erzählen jeweils aus der „Ich“-Perspektive und wechseln sich kapitelweise ab. So erfährt der Leser immer recht schnell, was sie voneinander halten.

Da ist zum einen Campbell, die durch ihre weiße Hautfarbe grundsätzlich privilegiert sein dürfte, aber schon erfahren hat, dass sie das bei Weitem nicht ist: Ihre Mutter hat einen Job in Costa Rica angenommen, bei dem sie die Tochter nicht mitnehmen konnte, ihr Vater schlägt sich mehr schlecht als recht mit einem kleinen Baustoff-Handel durch und war auch alles andere als begeistert, die Tochter „übernehmen“ zu müssen.

Lena dagegen, hat früh lernen müssen, dass ihr ihre schwarze Hautfarbe Vorurteile und Diskriminierung anziehen kann. Sie hat sich eine Nische geschaffen, kreiert ihre eigene Kleidung, lebt ihren eigenen Stil und wäre eine selbstbewusste und –bestimmte junge Frau, wenn da nicht ihr Freund „Black“ wäre, nach dessen Pfeife sie immer wieder tanzt – und natürlich für jeden Tanz auch eine entsprechende Ausrede zu bieten hat. Mir gefiel die Rolle der Lena in diesem Buch besonders gut, Campbell dagegen schien mir manchmal ein wenig widersprüchlich: In dem einen Moment ängstlich und unentschlossen – im nächsten Moment bereit, wie eine Löwin um das Geschäft ihres Vaters zu kämpfen und ihre Möglichkeiten dabei weit zu überschätzen.

„Lena hat recht: Ich habe überhaupt nicht versucht, diese Stadt zu verstehen.“

Beide Mädchen haben ihre eigenen Motive um in dieser gewaltumtosten Nacht unbedingt nach Hause zu kommen. Kimberly Jones schildert spannend und anschaulich, wie sich ihre beiden Welten berühren und näher kommen, wie die Bilder von der weißen, reichen, höheren Tochter (Lenas Ansicht) und die der schwarzen Modequeen (Campbells Einschätzung) langsam aufweichen und Sprünge bekommen, bis jede die andere als das sieht, was sie ist: Ein Teenager mit Problemen, Nöten und Träumen. Dennoch muss auch insbesondere Campbell erkennen, dass sie und ihr Vater sich auf eine Einzelgängerposition eingerichtet haben, wogegen die „Black Community“ im Viertel einen großen und unbezahlbaren Vorteil hat – die gegenseitige Hilfe, Unterstützung und Achtung. Vielleicht ist das der erste Schritt, mit dem die beiden Mädchen beginnen voneinander zu lernen.

Fazit

Kimberly Jones und Gilly Segal schildern einfühlsam und dennoch lebendig und klar, wie zwei allein durch ihre Hautfarbe unterschiedliche Teenager sich in einer gewalttätigen Nacht gemeinsam durchschlagen müssen und plötzlich aufeinander angewiesen sind.
 

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