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Erschienen: August 2021

Bibliographische Angaben

übersetzt von Anja Malich; Broschur, 368 Seiten

ISBN: 9783846601365

Couch-Wertung:

10
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Julian Hübecker
Die ungefilterte Wahrheit

Buch-Rezension von Julian Hübecker Okt 2021

David ist an seiner Schule ein Außenseiter. Aufgrund seines Asperger-Syndroms fällt es ihm schwer, die Emotionen anderer Menschen einzuordnen und angemessen darauf zu reagieren; vielmehr spricht er aus, was ihm gerade durch den Kopf geht. Als Kitty sich an seinen Tisch setzt, ist es jedoch genau diese Eigenschaft, die sie gerade braucht. Und so entwickelt sich eine einzigartige Freundschaft …

„Ich heiße David, was auch nicht passt, weil es viele Davids auf der Welt gibt – als ich es das letzte Mal geprüft habe, waren es allein in den USA 3 786 417 –, und so würde man aufgrund meines Vornamens glauben, dass ich wie viele andere wäre.“

Kittys Leben wird von einem Moment auf den anderen aus den Angeln gehoben, als ihr Dad bei einem Autounfall stirbt. Die Welt ist auf einmal nicht mehr so bunt und sorglos wie zuvor. Sie erträgt die banalen Gespräche ihrer Freundinnen nicht mehr, die stupiden Alltagsprobleme ihrer Mitschüler und die mitleidigen Blicke anderer treiben sie in den Wahnsinn. Daher flüchtet sie sich in der Mensa an den Tisch von David. Hier sitzt er jeden Tag zur gleichen Zeit, dank seiner Kopfhörer von der Außenwelt abgeschottet.

Davids Welt besteht aus Routinen, den immer gleichen Klamotten und einer sehr wissenschaftlichen Denkweise. In seinem Notizbuch stehen Einträge über jeden Schüler und jede Schülerin an seiner Schule. Hier werden nennenswerte Begegnungen ebenso eingetragen wie unverfälschte Eigenschaften, die laut ausgesprochen eher nicht so gut ankommen würden. Einzig Kitty kommt als „schönstes Mädchen der Schule“ gut weg – und nun setzt sie sich auch noch neben ihn! Natürlich fällt David nichts anderes ein, als sie ungefiltert auf ihren verstorbenen Dad anzusprechen. Doch Kitty braucht genau das: Nicht wie eine Porzellanpuppe angefasst, sondern wahrgenommen und behandelt zu werden wie sonst. Daraufhin entwickelt sich eine Freundschaft – die jedoch bald auf eine harte Probe gestellt wird ...

Klar und ungefiltert

Julie Buxbaum hat eine berührende Geschichte über einen autistischen Jungen geschrieben und ihn dabei ungeschönt seine Gedanken sprechen lassen. Für alle Fans der Netflix-Serie Atypical ist dieses Buch genau das richtige Gegenstück. David ist eine faszinierende Person, der gesegnet ist mit einer unterstützenden, wunderbaren Schwester, die ihn wesentlich mit beeinflusst und mit der er über alles reden kann. So wird er von ihr aufgeklärt, wenn er auf eine Situation unangemessen reagiert oder diese falsch einschätzt.

Interessant ist, dass die Wörter „Asperger“ oder „Autismus“ nicht wirklich fallen. Einzig am Anfang erzählt David kurz über diese Entwicklungsstörung, während es dann auch erst zum Ende hin wieder Thema wird. Dazwischen erlebt man David pur und ohne Label, und so geht auch Kitty an seine Person heran. Gerade deshalb genießt man die erblühende Freundschaft zwischen den beiden sehr, weil man merkt, dass sie einander gut tun. Entsprechend gemischt fallen natürlich auch die Reaktionen im Umfeld aus – eine durchaus realistische Betrachtung, da in der Gesellschaft noch eine Menge Aufklärung stattfinden muss.

Fazit

Dieses Buch berührt und fasziniert von der ersten bis zur letzten Seite. Man nimmt die Entwicklung ohne weiteres ab. Insbesondere zeigt es, dass Gegensätze sich immer wieder anziehen, weil man viel vom Gegenüber lernen kann. Diese Lehre geht voll auf.

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