Love with Pride

  • Fischer
  • Erschienen: August 2021

Broschur, 384 Seiten

ISBN: 9783733550196

Love with Pride
Love with Pride
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Rita Dell'Agnese
5

Jugendbuch-Couch Rezension vonJan 2022

Verpasste Chance

Für Stella ist der Beginn ihres Studiums der richtige Zeitpunkt, ihr Leben zu ändern. Das behütete Mädchen muss zum ersten Mal auf eigenen Füßen stehen. Stella hat sich fest vorgenommen, künftig etwas selbstbewusster aufzutreten und ihr bisheriges Ich zurückzulassen. Doch ganz so einfach, wie sie gehofft hatte, fällt es ihr nicht, eine andere zu werden. Zum Glück ist da noch ihre Zimmergenossin Sue, die Stella zunächst mal in einen kleinen Kreis von jungen Menschen an der Uni einbindet. Doch als Stella auf die fröhliche, selbstbewusste Ellie trifft, ist es um sie geschehen – und das, obwohl sie in Ellies Gegenwart doch immer so gehemmt ist. Fasziniert ist Stella auch von der Studentinnen-Verbindung, in der Ellie eine wichtige Rolle spielt. Sie beginnt sich mit den Hintergründen auseinanderzusetzen und wünscht sich nichts mehr, als Teil der Verbindung zu werden.

Konturlose Protagonistin

Dass es sich hier um einen LGBTQ-Roman handelt, wird sehr schnell klar. Angenehm unaufgeregt und natürlich geht Autorin Lea Kaib mit dieser Thematik um. Es wird deutlich, dass sich Stella zuerst über ihre Gefühle und die damit verbundenen Konsequenzen klar werden muss. Diesen Konflikt stellt Lea Kaib durchaus überzeugend dar, auch wenn Stella als Protagonistin bis zum Schluss blass und konturlos bleibt. Ihr zögerliches Verhalten und ihre Unsicherheit legen sich wie ein erstickender Schleier über die ganze Geschichte und geben einigen Szenen einen unwirklichen Anstrich, da diese in einem Widerspruch zum übrigen Verhalten der jungen Frau steht. Stella lässt kaum eine Entwicklung in ihrem Verhalten erkennen und wirkt mit der Zeit etwas nervtötend zögerlich. Dazu kommen ständige Wiederholungen von Hinweisen – etwa, dass für Stella Kaffee eine elementare Aufstehhilfe am Morgen ist oder dass sie das Studium als Chance begreift, aus ihrer Schüchternheit auszubrechen und einiges mehr. Auch die angedeutete Schwärmerei für Chris, einen Jungen aus der Gruppe um Sue, wirkt etwas plump und gerät in Verdacht, ein missglückter Versuch zu sein, einen Spannungsbogen aufzubauen.

Während Stella durch ihre Unscheinbarkeit keine überzeugende Protagonistin ist, fehlt es bei der zweiten Protagonistin Ellie an Charakter. Dass sie Stella schnell als Tollpatsch einstuft und sie mehrfach auch vor anderen so bezeichnet, macht Ellie nicht gerade zu einer empathischen Sympathieträgerin. Sie dominiert Stella immer wieder auf eine recht herablassende Art, was nicht so richtig ins Gesamtbild passen will, das die Autorin von Ellie zu zeichnen versucht.

Sprachliche Abstriche

Die Autorin zieht durch den ganzen Roman die neue Schreibweise mit dem Genderstern, was (noch) ein eher ungewohntes Lesegefühl bedeutet. Doch leider schießt sie dabei auch übers Ziel hinaus und versieht selbst Neutrum-Worte wie „Mitglied“ mit Gendersternchen. Hier wünschte man sich einen etwas qualifizierteren Umgang mit der Sprache. Doch scheint die Sprache selber nicht das beliebteste Instrument der Autorin, um die Geschichte zu erzählen. Es fehlen Nuancen, Höhen und Tiefen, und vor allem fehlt eine gewisse Raffinesse. Die Sprache plätschert in einem einfachen Modus dahin und wirkt wenig verheißungsvoll.

Fazit

Lea Kaib erzählt von einer Art Coming out und siedelt das Szenario in einer kleinen, übersichtlichen Universität an. Das gibt einen idealen Boden für eine Geschichte, die sich an junge Erwachsene richtet. Wenn es darin auch an Tiefgang fehlt, so vermag sie dennoch einige unterhaltsame Momente zu bescheren.

Love with Pride

, Fischer

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