Die beste Zeit ist am Ende der Welt

  • Arctis
  • Erschienen: August 2021

übersetzt von Hanna Christine Fliedner; Hardcover, 400 Seiten

ISBN: 9783038800460

Wertung wird geladen
Alexandra Fichtler-Laube
8

Jugendbuch-Couch Rezension vonDez 2021

Wie weit geht man, um Freundschaften zu erhalten?

Peyton startet ein neues Schuljahr an einer neuen Schule und hofft auf einen kompletten Neuanfang. Sie kommt mit schwerem Gepäck voller Ängste und Zurückweisungen. Mobbing und Einsamkeit haben die letzten Jahre geprägt und nun nimmt sie sich vor, sich selbst zu verändern, um endlich Anschluss zu finden. Eine Gruppe Jugendlicher nimmt sie in ihrer Runde auf. Um sich mehr an sie zu binden, geht Peyton sogar eine Beziehung zu einem der Jungs ein und passt sich an den Rhythmus der Gruppe an. Sie merkt jedoch, dass diese Freundschaft ihr nicht so guttut, wie sie sich das erhofft hatte und bekommt die Bestätigung auf eine grausame Weise präsentiert.

„Ständig bin ich anderen Leuten hinterhergerannt, um mich selbst zu finden. Vielleicht muss ich einfach mal … na ja, ich sein. Herausfinden, wer ich eigentlich bin, ohne mir am laufenden Band Sorgen zu machen, ob das genug ist.“

Recht spontan steigt Peyton in einen Flieger nach Kanada. Ohne Plan und nur mit einem kleinen Rucksack und ihrem Skizzenbuch steht sie in Vancouver und ist allein mit sich. Sie kann mit ihrem Leben nicht mehr leben. Zum einen hatten ihre Eltern sie auf ein Wirtschaftsgymnasium gedrängt, obwohl sie lieber Kunst studieren möchte und zum anderen muss sie herausfinden, warum sie selbst mit offenen Augen dem Abgrund entgegenrannte. In der Jugendherberge lernt sie schnell eine Gruppe unterschiedlicher Backpacker kennen. Mit ihnen lernt Peyton echte Freundlichkeit, Offenheit und Aufmerksamkeit kennen. Gemeinsam reisen sie durch Kanada und erfreuen sich an der Schönheit der Natur.

Die etwas älteren Männer und Frauen zeigen ihr durch ihre eigenen Erfahrungen aus aller Welt, wie wichtig es ist zu vertrauen – auf sich und andere – und dass es manchmal etwas länger dauert, genau die richtigen Menschen in den richtigen Situationen zu treffen.

Eine Roadnovel voller Trauer und Neuanfang

Peyton erzählt ihre Geschichte aus dem Hier und Jetzt und was zuvor geschah. Vollkommen gebrochen kommt sie in Kanada an und muss sich erst einmal gegenüber ihren Eltern behaupten, die ihre sofortige Rückkehr fordern. Sie lernt aber auch zu erkennen, was sie selbst möchte und braucht und danach zu handeln. In den vielen Rückblenden erleben wir die jüngere Peyton und wie sie unter ihrer Ausgrenzung leidet. Man kann dadurch gut verstehen, warum sie so viel von sich investiert, um endlich nicht mehr die Außenseiterin zu sein.

Wunderschön geschildert sind die Landschaften und die Städte Kanadas. Das Tolle am Backpackerleben sind häufig die genaueren und gefühlvolleren Einblicke in das Leben in einem anderen Land. Abseits von Touristenströmen und mit einer unbestimmteren Zeit an der Hand können die Charaktere das tun, wozu sie Lust haben und die Gelegenheiten wahrnehmen neue Kameradschaften zu schließen. Auch in der Kürze der Zeit können wohltuende und tiefgehende zwischenmenschliche Verbindungen entstehen, die bedeutsam sind und wichtig für die persönliche Entwicklung. Die Schule als Ort der Begegnung mit anderen Menschen hat durch den sehr eingeschränkten Personenkreis das Potenzial das Vertrauen in andere Menschen und sich selbst zu erschüttern. Die beste Zeit ist am anderen Ende der Welt zeigt sehr schön, wie wichtig gute Freundschaften für das Wohlbefinden sind, dass man sie nicht erzwingen kann, sie jedoch manchmal unvorhergesehen vor die Nase stolpern können.

Das Thema der Freundschaft wird sehr vielschichtig und tiefgründig dargestellt. Viele Lesende werden sich hier wiederfinden können und hoffentlich etwas Zuversicht für die eigene Zukunft mitnehmen können.

Fazit

Dieses Jugendbuch ist ein Wohlfühlbuch mit Tiefgang, das umwerfende Bilder im Kopf erzeugt und Lust auf Reisen macht. Peytons Gefühle wurden sehr einfühlsam eingefangen und ihre Entwicklung verfolgt man mit viel Zuneigung und Freude.

Die beste Zeit ist am Ende der Welt

, Arctis

Die beste Zeit ist am Ende der Welt

Ähnliche Bücher:

Deine Meinung zu »Die beste Zeit ist am Ende der Welt«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
Loading
Loading
Letzte Kommentare:
Loading
Loading

LGBT
in der Jugendliteratur

Alljährlich wird im Juni der Pride Month gefeiert, um die Vielfalt unserer Gesellschaft hervorzuheben. Weltweit erheben Schwule, Lesben, Transgender, Bisexuelle und Menschen anderer sexueller Orientierungen ihre Stimme für Toleranz und stärken so die Gemeinschaft. LGBTQ+ ist schon lange kein Randthema mehr in der Jugendliteratur, sondern ein zentraler Aspekt zahlreicher Neuerscheinungen.

mehr erfahren