Winterbucht

Erschienen: Juli 2021

Bibliographische Angaben

übersetzt von MaikeDörries; Broschur, 336 Seiten

ISBN: 9783423627474

Couch-Wertung:

8
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Rita Dell'Agnese
Aus dem Teufelskreis aussteigen

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Nov 2021

John-John befindet sich mitten in einer unheilvollen Spirale: Zusammen mit seinem besten Freund Fighter begeht er immer wieder kleine Diebstähle und Einbrüche. Das führt auch dazu, dass ihn seine Oma, bei der er Unterschlupf gefunden hat, vor die Türe stellt. Als John-John mit Fighter in einem gestohlenen Kajak unterwegs ist, retten sie ein Mädchen vor dem Ertrinken. Die wohlhabenden Eltern laden die Beiden zum Dank in ihr Haus ein, wo John-John Elisabeth, die ältere Schwester des Mädchens, kennenlernt und sich sofort in sie verliebt. John-John will nun alles daran setzen, aus der Verbrechen-Spirale auszusteigen und an seinem Traum, Schauspieler zu werden, zu arbeiten. Währenddessen schließt sich Fighter einer Gruppe von Rechtsradikalen an und beginnt, sich stark zu verändern. Als Elisabeth von John-Johns Vergangenheit erfährt, zeigt sie ihm die kalte Schulter. Doch statt aufzugeben will John-John kämpfen. Um Elisabeth und auch um seinen Freund.

Es braucht einen langen Atem

Mit seinen beiden Themenkomplexen, die er in den Roman einarbeitet, hat der Autor Mats Wahl eine gute Hand bewiesen. Eindrücklich zeigt er auf, wie aus einer Laune heraus langsam ein System von Diebstahl und Gewalt wird. Obwohl sich John-John bewusst ist, dass er sich auf einem falschen Weg befindet, kann er sich zunächst kaum entziehen. Erst der Wunsch, Elisabeth für sich zu gewinnen, gibt ihm die Kraft auszusteigen und sich auf seine positiven inneren Werte zu besinnen. Mats Wahl gelingt es gut, diesen Prozess sichtbar zu machen. Allerdings braucht es einen sehr langen Atem, um den Weg mit John-John zu gehen. Der Autor hält den Spannungsbogen ausgesprochen flach und es ist manchmal etwas quälend, sich durch den Text zu arbeiten. Dass Mats Wahl immer wieder auf Provokation setzt und etwa mehr als nur ausführlich beschreibt, wie Fighter popelt, kann auch als eine unangenehme Form von Anbiederung an die jugendliche Nonchalance verstanden werden.

Warnung vor falschen Freunden

Überzeugend ist auch Wahls Beschreibung, wie Fighter Schritt für Schritt in die falsche Richtung marschiert und sich mit falschen Freunden einlässt, die ihn für ihre Zwecke instrumentalisieren. Dies sollte von den jungen Leserinnen und Lesern als Warnung verstanden werden – auch wenn er die Schwierigkeit sichtbar macht, sich dem Sog dieser falschen Freunde zu entziehen. Das düstere Bild, das Mats Wahl von der Familie John-Johns zeichnet, verleiht dem Roman eine schwere, düstere Note, die wenig dazu beiträgt, sich in der Atmosphäre wohl zu fühlen und sich ganz auf die Geschichte einzulassen. Hier scheint die Negativ-Atmosphäre, wie sie vor allem nordischen Krimis eigen ist, sehr stark durch. Und das, obwohl der Autor einen leicht saloppen Erzählstil pflegt und John-John scheinbar mehr oder weniger alles auf die leichte Schulter nimmt.

Fazit

Wer sich auf Winterbucht einlässt, sieht sich einer düsteren Welt voller Lug, Gewalt und Missbrauch gegenüber. Der Autor spricht wichtige Themen an, geht in die Tiefe, schreckt aber mit der etwas langatmigen Entwicklung teilweise ab.

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