Nur fast am Boden zerstört

Erschienen: Juli 2021

Bibliographische Angaben

übersetzt von Doris Attwood; Broschur, 336 Seiten

ISBN: 9783570166086

Couch-Wertung:

9
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Julian Hübecker
Sommerflirt und Familiendrama

Buch-Rezension von Julian Hübecker Sep 2021

Ollie hat einen fantastischen Sommer in North Carolina verbracht. Denn hier hat er Will kennengelernt – ein Traum von einem Kerl. Doch die Romanze hat ein Ablaufdatum. Zurück zuhause am anderen Ende der USA passiert jedoch das Unglaubliche: Ollie und seine Eltern werden nach North Carolina ziehen, um seiner kranken Tante zu helfen. Natürlich soll Will es als erster erfahren. Doch der antwortet nicht mehr auf seine Nachrichten …

„Manchmal geschahen im Leben einfach schreckliche Dinge. Und manchmal ereigneten sich wirklich, wirklich unglaubliche Dinge. Und manchmal passierten all diese Dinge gleichzeitig.“

Ollie ist verwirrt. In den Sommerferien hat sich alles so perfekt angefühlt. Trotz der Sorge um seine krebskranke Tante Linda hat er in Will jemanden gefunden, mit dem er sich wohlfühlt. Doch mit dem Ende der Ferien platzt die Liebesblase: Will meldet sich nicht mehr auf Ollies Nachrichten. Da kommt ihm der Umzug nach North Carolina gar nicht so recht, denn er will abschließen. In jemandes Nähe zu sein, der aber nichts weiter von einem wissen möchte, ist das Letzte, das Ollie nun braucht.

Doch Linda braucht Ollies Hilfe, um auf seine kleine Nichte und seinen Neffen aufzupassen, wenn seine Tante ihre vielen Arztbesuche abhält. Zurück in North Carolina kommt Ollie schließlich auch auf die örtliche Schule und der Supergau tritt ein: Will geht auf die gleiche Schule – und zeigt ihm die kalte Schulter. Zwar tut ihm Wills Abweisung weh, doch versucht er, ihn auszublenden und sich auf seine neuen Bekanntschaften Lara, Juliette und Niamh sowie auf seine Musik zu konzentrieren. Es könnte eine einfache Abnabelung sein – wenn da nicht immer wieder diese heimlichen Blicke oder das plötzliche Auftauchen wären, die Ollie verunsichern.

Viele zu verarbeitende Gefühle

Ollie ist ein liebevoller Teenager, der viele Emotionen verarbeiten muss: Zum einen wären da die ambivalenten Signale, die Will ihm liefert, zum anderen die Angst um Linda, deren Gesundheitszustand rapide abnimmt. Vor allem das Thema Tod, Krankheit und Trauer nimmt einen großen Raum ein, sodass eine Triggerwarnung angebracht ist. Dennoch wiegt es nicht so schwer, dass es das Buch zu einem schweren Kloß werden lässt, der kaum zu verdauen ist. An vorderster Stelle steht der wunderbar angenehme Protagonist Ollie, der mit viel Humor, Empathie und Ehrlichkeit seinen Mitmenschen begegnet.

Will steht auf der anderen Seite, und obwohl er nicht als erzählende Figur auftritt, ist er ebenso präsent wie Ollie. Seine Angst, versehentlich geoutet zu werden, steht zwischen den beiden Jugendlichen und ist mit Händen zu greifen. Obwohl Will Ollie wiederholt wehtut, geschieht es nicht aus Bösartigkeit, sondern aus Unfähigkeit, mit der Situation umzugehen. Das hat Sophie Gonzales überzeugend und mit Leichtigkeit aufs Papier gebracht.

Fazit

Dieser LGBT+-Roman überzeugt auf vielen Ebenen, vor allem aber damit, dass nicht Homosexualität thematisiert wird, sondern die Liebe zwischen zwei jungen Menschen, deren Leben sich zusätzlich um Musik, die Zukunft und um die Familie dreht – normale Teenagerleben also.

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