Vielleicht jetzt

Erschienen: Juli 2021

Bibliographische Angaben

Broschur, 448 Seiten

Band 1 von 3 aus der Vielleicht-Reihe

ISBN: 9783743210950

Couch-Wertung:

7
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Sabine Bongenberg
Schöner Auftakt der Vielleicht-Trilogie

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Jul 2021

Gabriella Rocha hat mit einem Schlag alles hinter sich gelassen. Sie hat ihre Koffer gepackt, ist in Rio de Janeiro in ein Flugzeug gestiegen und hat sich auf die Reise nach München gemacht. Denn dort wohnt ihr Vater, von dem Gabriella bisher nicht einmal wusste, dass es ihn gab. Jeder weiß natürlich, dass es einen geben muss, aber Gabriellas Mutter hat ihr immer erzählt, dass er nur ein „One-Night-Stand“ gewesen war und dass sie nicht viel von ihm wisse. Durch einen puren Zufall aber ist nun die Wahrheit ans Licht gekommen und endlich will Gabriella ihn nun kennenlernen.

„Ich mag dich. Aber für keinen Kerl der Welt lasse ich mich so anmachen, nur weil ich eine simple Frage gestellt habe.“

Unglücklicherweise muss sie für ihr Glück einen recht weiten Weg zurücklegen, lebt sie doch in Brasilien und ihr ahnungsloser Vater in München, und noch ein wenig unglücklicher ist die Sache mit dem überhörten Boarding-Aufruf und den ganzen anderen Mitreisenden, die wegen ihr warten müssen. Sicher – das ist ein Fehler, der jedem unterlaufen kann und ihr Sitznachbar müsste deswegen bestimmt nicht so ein Theater machen. Anton Meyer heißt er und ist ein brummeliger, gut aussehender, arroganter, unfreundlicher und immer noch gut aussehender Typ, der offensichtlich nur schlechtgelaunt vor sich hin muffelt – aber richtig gut aussieht, falls ich das bisher nicht erwähnt habe. Zugegeben – irgendwann gibt sich das auch mit der schlechten Laune und eigentlich ist er ganz nett, um nicht zu sagen: sogar charmant. Aber wie das bei kurzen Bekanntschaften im Flieger so ist: Jeder geht seiner Wege und schließlich hat Gabriella in München wichtigeres zu tun. So zum Beispiel, endlich ihre Praktikum anzutreten, neue Kollegen kennen zu lernen, ihrem neuen Chef vorgestellt zu werden….ach, du Schreck…

Carolin Wahl eröffnet ihre „Vielleicht“-Trilogie um die Liebesgeschichten in München mit der Brasilianerin Gabriella Rocha und ihrem Chef und Ausbilder, dem grantigen Anton Meyer. Die Geschichte wird aus Sicht Gabriellas erzählt, die hier als Ich-Erzählerin auftritt. Anton und Gabriella hasten aus unterschiedlichen Gründen aus Brasilien nach Deutschland, beide lernen sich gerade nicht in den allerbesten Momenten ihres Lebens kennen und beide finden sich eingangs nicht einmal sonderlich sympathisch. Das ist natürlich keine besonders gute Ausgangslage für eine romantische Liebesgeschichte und neu ist die ganze Idee sicherlich auch nicht. Aber sie ist so hübsch und natürlich erzählt, dass die Leserin dennoch wieder gefesselt und regelrecht in die warme Romantik-Decke eingehüllt wird. Dafür sorgen aber nicht nur die temperamentvolle, aber sensible Gabriella, sondern auch ihre beiden WG-Mitbewohnerinnen, die offensichtlich die Heldinnen der beiden Folgeromane darstellen und dafür sorgen, dass treue Leserinnen und Leser sich immer wieder über die Wiedersehen freuen können.

Erst poltern und dann zurückrudern

Dennoch hat mir an Vielleicht jetzt nicht alles gut gefallen. So erzählt Carolin Wahl für meinen Geschmack doch etwas zu langatmig, wie sich die Beziehung zwischen Gabriella und Anton – also zwischen Brie und Toni – entwickelt. Beide sind von Anfang an offensichtlich sehr voneinander angetan, aber doch dauert es sehr, sehr lange bis endlich etwas passiert. Die Gründe mögen einerseits darin liegen, dass Beziehungen auf der Arbeit nicht gerne gesehen werden und andererseits daran, dass der weise, steinalte, sage und schreibe 22jährige Toni nach einer tiefen Enttäuschung erst mal keine neue Liebesbeziehung haben will. Das ist ein Grund, der gerne in NA-Romanen angeführt wird und ein Grund, den ich nie so recht glaube, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass mit zwanzig Jahren schon so tiefe Wunden geschlagen wurden, dass der Held dann doch lieber beziehungslos bleibt (und darüber nachdenkt in ein Kloster zu gehen. Aber das ist eine reine Erfindung von mir).

Ein paar Handlungen wiederholen sich auch regelmäßig, etwa, dass Toni gerne mal einfach ohne groß zu überlegen lospoltert, es sich aber nach ein paar Seiten anders überlegt und vollumfänglich und komplett zurückrudert und um Entschuldigung bitten muss. Generell passt hier so einiges ins Klischee: der grantelnde, große, aber gut aussehende Deutsche – und zudem noch Bayer – und auf der anderen Seite die temperamentvolle, großzügige, warmherzige und zudem sehr hübsche Brasilianerin.

Fazit

Die Liebesgeschichte zwischen Toni und Brie ist sicherlich nichts Neues – aber eine alte Geschichte, die gut neu erzählt wird, ist manchmal doch besser als eine schlecht erzählte Neue. Carolin Wahl lässt ihre erfreulich selbstbewusste Heldin und ihren abschnittsweise grantelnden Bayer aufeinandertreffen – die sich nicht leiden mögen, sich ein bisschen leiden mögen, sich aufreiben und mit und füreinander kochen. Das Ergebnis ist meiner Meinung nach nicht sensationell – aber für eine hübsche Ferienlektüre mit ein bisschen Romantik reicht es vollkommen aus.

Vielleicht jetzt

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