Zwischen Himmel und Erde

Erschienen: Juni 2021

Bibliographische Angaben

übersetzt von Dagmar Lendt; Hardcover, 496 Seiten

ISBN: 9783649641025

Couch-Wertung:

10
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Rita Dell'Agnese
Sich einfach auf die Geschichte einlassen

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Sep 2021

Für Amanda ist es ein Schlag ins Gesicht, als ihr Vater der 17jährigen erklärt, dass sie auf einem Islandpferd an den Norwegischen Meisterschaften teilnehmen muss. Denn Amanda ist Springreiterin und hat mit ihrem Hengst Monty Spitzenplätze erreicht. Doch Amanda hat auch gelernt, sich den Wünschen ihres Vaters zu beugen. So fährt sie mit ihm und dem Pferdekenner Torgeir Rosenlund nach Island, um nach einem geeigneten Pferd Ausschau zu halten.

Auf dem Hof von Torgeirs Freund Olaf sieht Amanda den stolzen Hengst Ægir und weiß, dass er genau das Pferd ist, das diese Meisterschaft gewinnen könnte. Allerdings ist Ægir nicht verkäuflich – zum einen gehört er Olafs Tochter Ylva, zum anderen entstammt er einer wertvollen Zuchtlinie und darf Island nur verlassen, wenn kein Züchter aus Island das Pferd haben will. Amandas Vater findet jedoch einen Weg – und so soll Ægir als „Caspian“ an den Start gehen. Aber so nahe Amanda Ægir gekommen ist, so groß werden ihre Schwierigkeiten mit „Caspian“. Torgeir verhindert zwar eine Eskalation, aber Amanda muss sich über ihren weiteren Weg klar werden.

Ja, auch ein Pferdebuch

Wer sich nur kurz mit den Inhaltsangaben dieses Romans auseinander setzt, könnte den Eindruck gewinnen, dass es sich hier um ein typisches Pferdebuch für Mädchen handelt. Das aber würde dem Roman von Live Bonnevie keineswegs gerecht. Natürlich spielen Pferde eine wesentliche Rolle. Doch vielmehr geht es bei diesem Roman um Erwartungen, Selbstbestimmung und Verantwortung. Die tragenden Charaktere des Romans können das Potenzial der Geschichte abrufen. Amandas Vater, ein skrupelloser Zocker und Geschäftsmann bleibt seiner Rolle bis zuletzt als unsympathischer Charakter treu. Amanda hingegen entwickelt sich im Laufe der Geschichte zu einer völlig anderen Person – wobei sie von Anfang an wesentlich sympathischer wirkt, wenn auch zunächst ein Identifizieren mit ihr als Protagonistin nur begrenzt möglich ist.

Ein Hauch von Mystik

Während es sich bei der Geschichte zur Hauptsache um einen Roman handelt, bei dem sich eine Tochter vom unheilvollen Ehrgeiz ihres Vaters anfängt zu distanzieren, spielt doch eine nicht unerhebliche Komponente mit: die Mystik. Sie bettet sich gut in die dichte Atmosphäre von Norwegen und Island ein und bietet dem jungen Publikum weiteren Lesegenuss. Mit leichter Feder geschrieben und so übersetzt, dass diese spezielle Atmosphäre erhalten geblieben ist, kann dieser Roman rundum überzeugen, auch wenn er einigen Anspruch an die Leserinnen und Leser stellt. Das Wichtigste ist wohl, sich einfach auf die Lektüre einzulassen und alle Erwartungen wie auch allfällige Vorurteile über Bord zu werfen.

Fazit

Zwischen Himmel und Erde ist ein Roman, für den man offen sein muss. Wer ein schlichtes Pferdebuch erwartet, wird auf jeden Fall überrascht von der Dichte, die dieses Buch zu bieten hat – und das gleich auf mehreren Ebenen.

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