Und der Ozean war unser Himmel

Erschienen: Juni 2021

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen unter dem Titel And the ocean was our sky; aus dem Englischen von Bettina Abarbanell; Illustrationen von Rovina Cai; Hardcover, 160 Seiten

ISBN: 9783570165706

Couch-Wertung:

10
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Theresa Mürmann
Auf der Jagd nach den Teufeln, die wir selbst erschaffen

Buch-Rezension von Theresa Mürmann Aug 2021

Wale jagen Menschen, Menschen jagen Wale – die Welt ist in einem ewigen Krieg gefangen, in denen für die einen der Himmel, für die anderen der Ozean der Abgrund ist. Auch Bathseba und ihre Walherde, die von der ruhmreichen Kapitänin Alexandra angeführt wird, leben für die Jagd. Doch in einem sind Wale und Menschen vereint: in ihrer Angst vor Toby Wick, dem Teufel des Meeres. Auf diesen sollen auch Bathseba und ihre Herde bald treffen…

Schon diese kurze Zusammenfassung lässt bereits erahnen, dass sich Patrick Ness in seinem neuen Jugendroman an einem großen Werk der Weltliteratur orientiert. So kann man Und der Ozean war unser Himmel als Spiegel der Erzählung „Moby Dick“ von Herman Melville aus dem Jahr 1851 betrachten. Aufgrund seiner gerade mal 160 Seiten, der großen Schrift und zahlreicher Illustrationen ist es fast schon eine Geschichte für einen Abend auf der Couch. Doch die Message der Story hallt nach, denn es ist definitiv kein leichter Stoff.

Es geht um die Feindschaft von Walen und Menschen, die blutigen Jagden aufeinander, das Leben im weiten Ozean, in dem man immer auf der Hut sein muss. Außergewöhnlich ist sicherlich, dass wir es mit einer Walin als Protagonistin zu tun haben. Bathseba ist in dem finsteren Krieg zwischen ihresgleichen und der Menschheit ein kleiner Lichtblick. Denn sie zweifelt: Als sie den Menschenmann Demetrius kennenlernt, bekommt ihr größter Feind plötzlich ein Gesicht, das sich nicht mit dem allseits gesäten Hass aufeinander in Einklang bringen lässt. Denn Bathseba mag Demetrius. Auch das hierarchische Leben in der Herde, dessen Alltag aus Befehlen und ständigen Konkurrenzkämpfen besteht, empfindet sie immer mehr als abstoßend.

Ein wichtiges Plädoyer

Es ist ein auffallend außergewöhnliches Jugendbuch, das vor allem aufgrund seiner Illustrationen besticht. Passend zu der bedrückenden Stimmung arbeitet Rovina Cai mit dunklen Farbtönen; hin und wieder akzentuiert durch ein bedrohliches Rot, als Symbol für das sinnlose Morden in den Tiefen des Ozeans. Die Zeichnungen und der Text sind eine Einheit, die das Buch im Ganzen zu einem kleinen Kunstwerk macht.

Dieser Jugendroman ist keine leichte, oberflächliche Story und die Altersangabe „ab 12“ sicherlich keine eindeutiger Orientierungswert. Denn eigentlich ist es eine Geschichte sowohl für fortgeschrittene junge Leserinnen und Leser als auch für Erwachsene, deren Botschaft uns alle betrifft: Es ist ein Plädoyer für ein tolerantes und friedliches Miteinander ohne Hass und Vorverurteilungen.

Fazit

Ein anspruchsvolles Jugendbuch in einer schönen illustrierten Ausgabe, deren düstere Atmosphäre bedrückend sein mag, aber in seiner Message so wichtig und bedeutend ist. Eine Lektüre für geübte junge Leserinnen und Leser.

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