Keiner kommt davon - eine Geschichte vom Überleben

Erschienen: März 2014

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen unter dem Titel All Fall Down; übersetzt von Beate Schäfer; Broschur, 288 Seiten

ISBN: 9783446245112

Couch-Wertung:

9
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Judith Bäcker
Nur ein Gerücht?

Buch-Rezension von Judith Bäcker Apr 2021

Isabel ist dreizehn, als die Pest nach Ingleforn kommt. Sie lebt mit ihrer Familie ein glückliches, wenn auch mühevolles Leben. Ihr Alltag dreht sich um die täglich zu verrichtenden Aufgaben, wie Wäsche waschen, Dünnbier brauen und Brot backen. Eines Tages gibt es Gerüchte von reisenden Händlern über eine neue Krankheit und schon bald darauf ist die Pest in Ingleforn angekommen. Isabel muss hilflos zusehen, wie die Seuche um sich greift und fast alle in ihrem Dorf sterben. Ihr gewohntes Leben endet abrupt und sie muss machtlos dabei zusehen.

Und auf einmal ist nichts ist mehr wie es war…

Isabel ist ein fröhlicher Teenager. Sie freut sich auf ihre Zukunft und hat Pläne. Sie liebt ihre Familie und obwohl ihre Mutter gestorben ist, hat sie es mit ihrer Stiefmutter Alice gut getroffen, die sie und ihre Geschwister liebt und gut behandelt. Ihr Vater bewirtschaftet zwar als Leibeigener die Felder seines Herrn, aber er hat auch noch etwas eigenes Land, das er beackert, so dass keiner in ihrer Familie hungern muss.

Alles geht seinen normalen Gang. Sir John, der Dorfpfarrer, lenkt die Geschicke der Gemeinde, Isabels Bruder Geoffrey wird Priester im nahegelegenen Kloster und bekommt so eine gute Ausbildung. Isabel fragt sich, ob sie Robin genug lieben wird, dem sie schon seit Kindesbeinen versprochen ist und warum sie davon träumt Will Thatcher zu küssen. Mitten in dieses Leben bricht die Pest ein. Sie verbreitet sich wie ein Lauffeuer und rafft fast alle Dorfbewohner dahin, während Isabel und Robin verzweifelt versuchen zu überleben.

Sally Nicholls schildert in ihrem Roman eindringlich, wie schnell das gewohnte Leben innerhalb kürzester Zeit alle moralischen und menschlichen Werte verliert, wenn eine Seuche wie die Pest über die Menschen kommt. Das Buch zeigt wie ausweglos die Menschen von der Pest getroffen wurden und was das für ihren Alltag bedeutet hat, z.B. wenn keiner die reife Ernte von den Feldern holt.

„Ein kleiner - nein, ein großer - Teil von mir will die Leichen einfach auf den Ochsenkarren legen und beim Friedhof stehen lassen, in der Hoffnung, dass schon irgendwer kommt und sie für uns begraben wird.“

Der Roman ist zwar schon 2014 erschienen, aber durch die weltweite Corona- Pandemie finde ich ihn trotzdem aktuell. Es ist faszinierend zu vergleichen, wie sehr sich unser Leben in den letzten fast 600 Jahren verändert hat und wie viel mehr wir heute über Krankheiten und ihre Ansteckungswege wissen. Wie leicht doch unser Alltag ist, mit fließend sauberen Trinkwasser und Abwasserkanälen, so dass wir durch so simple Dinge wie regelmäßiges Duschen oder den Gang zur eigenen Toilette heute einen Quantensprung besser dastehen lassen als Isabel damals.

Kleine Warnung!

Eines muss allerdings deutlich gesagt werden: Dieses Buch ist nichts für zart besaitete Menschen. Die Krankheitssymptome werden detailliert beschrieben und das ist oft wirklich ekelhaft. Auch das Problem der vielen Toten, die nicht mehr richtig beerdigt werden können, wird sehr anschaulich verdeutlicht. Das ist streckenweise richtig harter Tobak. Ich persönlich fand es gut, da es die Situation ungeschönt zeigt, aber man darf dafür nicht zimperlich sein.

Ein aktuelles Buch in Zeiten der Pandemie

Sally Nicholls ist mit dem Buch eine richtig spannende Geschichte über die Pest gelungen. Ihre ruhige Erzählweise nimmt den Lesenden mit in den Alltag anno 1348. Sally Nicholls hat die Geschichte gut recherchiert und schont den Leser nicht. Bis zur letzten Seite hofft und bangt man mit Isabel und ihren Lieben und gibt die Hoffnung auf ein Happy End nicht auf. Doch kann es das überhaupt geben? Und nachher fragt man sich zwangsläufig, wie ein Ausbruch der Pest wohl heute verlaufen wäre.

Fazit

Ein beeindruckender Roman, der aktueller ist denn je. Bis zum Schluss bangt man um Isabel und kommt trotzdem nicht umhin, Parallelen zur momentanen Situation zu ziehen.

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