Good Girls Die First

Erschienen: Mai 2021

Bibliographische Angaben

übersetzt von Christine Blum; Broschur, 400 Seiten

ISBN: 9783841421722

Couch-Wertung:

7
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Nina Pimentel Lechthoff
Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast

Buch-Rezension von Nina Pimentel Lechthoff Jun 2021

Zehn Jugendliche treffen sich eines Abends am Pier einer verlassenen Insel. Gruseliger Ort für eine Party, könnte man meinen. Denn die Insel beherbergt einen Freizeitpark, der seit 40 Jahren nach einem verheerenden Brand verlassen ist. Doch die Jugendlichen sind nicht zum Spaß dort. Sie alle haben eine Einladung bekommen – mit der Anspielung auf ein Geheimnis, das keiner der Jugendlichen verraten will.

Nachdem der Pier, der die Insel mit dem Festland verbindet, unter mysteriösen Umständen auseinanderbricht, sitzen die Jugendlichen auf der Insel fest – ohne Handyempfang. Und weil die Insel von einem dichten Nebel umschlungen scheint, können sie auch nicht um Hilfe rufen oder auf sich aufmerksam machen. Mit der Hoffnung, dass am Morgen alles besser sein wird, machen sich die Jugendlichen im verlassenen Freizeitpark bequem. Doch die Ausgelassenheit währt nicht lange, denn die Insel verbirgt eine mysteriöse Kraft, die das Schlimmste in den zehn Jugendlichen weckt. Wer schafft es, zu überleben? Und viel wichtiger noch: Wer schafft es, sein oder ihr Geheimnis für sich behalten?

Horror-Geschichte für Teens (?)

Was anfängt wie ein Teenie-Thriller, entpuppt sich schnell als übernatürliche Horror-Geschichte. Eine übernatürliche Macht spielt die Jugendlichen gegeneinander aus und will die Spreu vom Weizen trennen. Hinzu kommt, dass die Barriere zwischen Realität und Fantasie auf der Insel sehr dünn ist. Dadurch können weder die Figuren noch wir als Leser wirklich wissen, was real ist und was nicht. Das macht die Geschichte von Good Girls Die First sehr spannend und gruselig.

Wir begleiten dabei die Hauptfigur Ava, deren Erlebnisse aus der dritten Person geschildert werden. So ist man als Leser zwar immer nah dran an ihren Gefühlen und Gedanken, hat aber trotzdem etwas Distanz zu den Geschehnissen. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, einen Horrorfilm zu gucken, nur auf dem Papier. Das erinnerte mich sehr an die „Fear Street“-Reihe vom Autor R.L. Stein, die ich als Jugendliche sehr gerne gelesen habe.

Starke Story, zu eindimensionale Figuren

Autorin Kathryn Foxfield schafft es sehr gut, die mysteriöse Geschichte spannend aufzubauen. Die übernatürlichen Elemente kommen nach und nach, sodass man – ähnlich wie die Hauptfigur Ava – erst nicht daran glaubt (oder glauben will). Doch als die unerklärlichen Dinge, die um die Jugendlichen herum passieren, immer mehr werden, ist jegliche Skepsis weg. Dass man als Leser zusammen mit der Hauptfigur diesen Wandel vom Skeptiker hin zum „Gläubiger“ macht, ist sehr interessant und mitreißend. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen und habe das Buch in drei Tagen verschlungen.

Das ist aber wirklich der tollen Story und dem spannenden Aufbau geschuldet, denn die Figuren sind relativ dröge. Da man die Geschichte aus Avas Perspektive zu sehen bekommt, bekommt man viel über sie mit. Etwa, wie sie versucht, ihr „uncooles“ Ich gegen eine Version von sich selbst auszutauschen, die vielleicht von anderen Leuten besser akzeptiert wird. Oder wie sie mit Panikattacken zu kämpfen hat. Ihre Figur bekommt dadurch etwas mehr Tiefe, was man von den anderen aber keineswegs behaupten kann. Ihre beste Freundin ist stets aggressiv, die Schulkönigin macht alle nieder, der mysteriöse Außenseiter ist, naja, mysteriös halt. Darüber hinaus gibt es wenig Charakterentwicklung für die neun Jugendlichen, die neben Ava auf der Insel sind. Selbst ihre Geheimnisse schaffen es nicht, diesen Figuren mehr Tiefe zu geben, sodass sie – ähnlich wie in vielen Horror-Filmen – zu vernachlässigbaren Figuren werden, deren Schicksale mehr oder weniger egal sind

Fazit

Ich habe sehr gerne – und sehr intensiv – Katharyn Foxfields Roman Good Girls Die First gelesen. Mir gefällt es sehr, wie sie ihre Geschichte aufbaut. Der Leser erlebt die Geschehnisse hautnah mit der Hauptfigur Ava, durch die Erzählperspektive aus der dritten Person hat man aber trotzdem eine Art Sicherheitsabstand. Die Story ist sehr spannend, das kann man aber leider nicht über die Figuren behaupten. Neben Ava bekommt keiner der Jugendlichen eine richtige Charakterentwicklung und mir zumindest war es egal, was mit ihnen passiert. Dass ich trotzdem vom Buch so gefesselt war, ist umso erstaunlicher. Aber Achtung: Der Verlag hat die Altersempfehlung auf ab 12 Jahren gelegt. Die Geschichte ist aber sehr krass, sowohl was Gewalt als auch Spannung angeht. Also Augen auf beim Kaufen!

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